INTERNET : Netzwerke: Sozial, aber nicht fair

Die Bedeutung der sozialen Netzwerke nimmt zu, nun sollen die Plattformen ihre Datenschutz-Hausaufgaben machen, fordert der Bundesverband der Verbraucherzentralen und untermauert seine Forderungen mit heftigen Abmahnungen.

Kurt Sagatz

Regeln machen vor dem Internet nicht Halt. Nicht wenige betreffen den Datenschutz. Doch längst nicht jede Internetplattform hält sich daran. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat am Dienstag mehreren sozialen Netzwerken „mangelndes Fair Play“ vorgeworfen und sie wegen Datenschutzmängeln zu Unterlassungserklärungen aufgefordert. Dazu gehören die Netzwerke Facebook, Lokalisten, My Space, Wer-kennt-wen und Xing. „Die Bedeutung sozialer Netzwerke nimmt stetig zu. Jetzt müssen die Betreiber ihre Hausaufgaben in Sachen Verbraucherschutz machen“, forderte Verbraucherschutz-Vorstand Gerd Billen.

Die Netzwerke benachteiligten nach Ansicht der Verbraucherschützer ihre Nutzer. Die Netzwerke müssten sicherstellen, dass Daten nur verwendet werden, wenn die Nutzer einwilligen. Dies gelte für jede Form der Werbung, aber auch dafür, ob die Daten der Nutzer über Suchmaschinen aufzufinden sind. „Angesichts der Vielzahl von Selbstverpflichtungen hätten wir nicht mit solch schlechten Standards gerechnet“, bemängelt Billen. So lassen sich den Verbraucherschützern zufolge einige Anbieter zahlreiche Rechte an den Inhalten ihrer Nutzer geben oder sperren den Zugang für Mitglieder, ohne Gründe zu nennen. Wenn die geforderten Unterlassungserklärungen nicht abgegeben werden, will der Bundesverband die Gerichte anrufen.

Facebook hat in Deutschland rund 3,25 Millionen Mitglieder, bei Xing sind es knapp 2,7 Millionen. Die Community Wer-kennt-wen kommt auf 6,5 Millionen Nutzer, die Lokalisten auf über drei Millionen. Der russische Internetkonzern DST will Medienberichten zufolge seine Facebook-Beteiligung um 100 Millionen Euro aufstocken. Rechnerisch ergäbe sich für Facebook damit ein Marktwert von 6,5 Milliarden Dollar.

Gegen den deutschen Marktführer StudiVZ des Verlagshauses Holtzbrinck läuft seit Februar 2008 ein Verfahren. Ein Urteil steht noch aus, das Portal habe aber bereits in einigen Kritikpunkten reagiert und etwa die Benutzeranmeldung geändert, stellten die Verbraucherschützer fest. Kurt Sagatz

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