Internet : Ohne Anschluss

Wer sich bei billigen Telefonanbietern anmeldet oder zu ihnen wechselt, muss oft lange warten, bis Telefon oder Internet funktionieren.

Katja Reimann

Morgens – nichts. Abends – kein Ton. Am Wochenende – Funkstille. Ohne Telefonanschluss wird es plötzlich sehr ruhig in der Wohnung. Das Telefon steht nutzlos da, blinkt ab und zu, gibt aber keinen Mucks von sich. So war das eigentlich nicht geplant: ein neuer Telefon- und Internetanschluss sollte her, ein billiger wenn möglich. Ein Anbieter war schnell gefunden, der Vertrag unterschrieben, und nun: nichts, kein Telefon, kein Internet. Stattdessen: Warten. Wer sich bei einem billigen Telefonanbieter anmeldet oder zu ihm wechselt, ist oft Monate lang ohne Anschluss, wie nicht wenige Berliner feststellen müssen:

Ende September 2007 unterschrieb zum Beispiel eine Berliner Juristin einen Vertrag beim Anbieter Alice. Gerade war sie neu in die Stadt gezogen, eine Nachbarin empfahl ihr das Unternehmen. Über zwei Monate lang wartete die 28-Jährige auf ihren Neu-Anschluss, erst Anfang Dezember konnte sie in ihrer neuen Wohnung auch telefonieren und im Internet surfen. Die Wartezeit zuvor kam teuer. „Es ist schwierig, Dinge ohne Telefon und Internet zu organisieren“, sagt die Juristin. „Für jede Kleinigkeit muss man ins Internetcafe.“ Nach der Arbeit blieb sie dort oft bis tief in die Nacht und zahlte insgesamt etwa 80 Euro für die Nutzung. Telefoniert habe sie hauptsächlich mit dem Handy. „Die Kosten habe ich bisher lieber nicht zusammengerechnet“, sagt sie.

Eine hohe Handyrechnung blieb Martina Wiehler, 36, aus Kreuzberg immerhin erspart. Anfang Dezember 2007 unterschrieb sie einen Vertrag beim Anbieter freenet. Der beinhaltete auch eine Handy-Flatrate. Zwar wartet auch sie seit einem Monat auf ihren Festnetzanschluss und eine Internetverbindung zuhause – das kostenlose Telefonieren mit dem Handy aber funktioniert. Auch die Hotline von freenet, bei der Martina Wiehler regelmäßig anruft um sich nach dem Stand ihres Festnetzanschlusses zu erkundigen, kostet nichts. Für den Wechsel von der Telekom zu freenet entschied sie sich ganz bewusst, verglich zuvor sogar Tarife unterschiedlicher Anbieter im Internet. Dass ihr Anschluss noch immer nicht freigeschaltet sei, liege an einem technischen Problem, heißt es beim Anbieter. Viermal war bereits ein Techniker der Telekom bei ihr in der Wohnung. „Der bestätigt jedes Mal, dass der Anschluss in Ordnung ist“, sagt sie. Nun sollte ein Fachmann von freenet vorbeischauen – bislang kam aber niemand. Martina Wiehler hat dem Anbieter jetzt schriftlich eine Frist gesetzt: entweder ihr Anschluss funktioniert bis zum Ende des Monats oder sie kündigt.

„Druck machen“ und „kündigen“ sind laut Gabriele Francke von der Verbraucherzentrale Berlin die einzigen Möglichkeiten für Kunden, sich gegen lange Wartezeiten zu wehren. Bei der Frage, wer die Verantwortung für die lange Warterei beim Anbieterwechsel trägt, bezichtigen sich die alternativen Anbieter und die Deutsche Telekom gegenseitig. Die Entschuldigung der Anbieter laute oft „wir warten auf die Freischaltung von der Telekom“, sagen die betroffenen Berliner.

Die Telekom besitzt bundesweit die sogenannte „letzte Meile“, das heißt den letzten Kabel- oder Leitungsabschnitt der bis ins Haus der Kunden führt. Diese „letzte Meile“ wird von den alternativen Anbietern für ihre eigenen Anschlüsse angemietet. Die Telekom stellt den Anbietern nach Absprache so genannte Schaltungskontingente für neue Anschlüsse bereit. Sollten die Anbieter weit mehr als die zunächst verabredete Zahl der Kontingente brauchen, „dann kommt es zu Engpässen“, sagt Niels Hafenrichter, Sprecher der T-Com Zentrale in Berlin. Der alternative Netzbetreiber Telefónica Deutschland zum Beispiel, dessen Netz auch vom Anbieter 1&1 genutzt wird, beschwert sich, dass die Telekom grundsätzlich zu wenig Kontingente zur Verfügung stelle.

Der Anbieterwechsel finde zudem elektronisch statt, heißt es bei der Telekom. Würden Kundendaten von den neuen Anbietern nicht ganz korrekt durchgegeben, dann werde die Anfrage direkt vom System aussortiert. Bis sich die Anbieter untereinander richtig einigen, müssen die Berliner Kunden wohl auch weiterhin manchmal etwas länger auf ihren neuen Anschluss warten. Katja Reimann

Wie lange warten Sie schon auf Ihren Telefon- und Internetanschluss? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen per E-Mail an berlin@tagesspiegel.de

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