Internet : Schöne neue Browserwelt

Gerade sind neue Versionen von Firefox und Google Chrome erschienen. Aber Opera könnte in nächster Zeit beide Browser in die Tasche stecken. Ein Blick auf die aktuellen Fassungen der verbreiteten Webbrowser – was sie wollen, was sie können.

Frank Ritter

Als Brigitte Zypries 2007 in einem Interview von Kindern gefragt wurde, was ein Browser sei, konnte sie keine rechte Antwort geben. Eine mittelschwere Blamage für die damalige Justizministerin, deren großes Projekt die Anpassung des Urheberrechts an das digitale Zeitalter war. Dabei sah die Browserwelt 2007 noch recht einfach aus: Neulinge nutzten den Internet Explorer, eine Handvoll Profis (und Nutzer, die sich dafür hielten), den Mozilla Firefox.

Heute verwendet zwar immer noch ein recht großer Teil der Netznutzer den IE, im November 2009 nutzten jedoch erstmals mehr Deutsche den Firefox. Google hat in kürzester Zeit mit Chrome einen sehr guten neuen Browser entwickelt, weiterhin existieren nach wie vor Opera und Apple Safari in ihren eigenen kleinen Nischen. Wir werfen einen Blick auf die aktuellen Versionen der großen Webbrowser auf dem PC und klären, welcher Browser für wen am besten geeignet ist.

Internet Explorer 8

Anfang Januar warnte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie vor dem Microsoft-Browser. Eine enorme, aber mittlerweile geschlossene Sicherheitslücke über verschiedene Versionen und alle gängigen Windows-Systeme hinweg war aufgetaucht. Das ist ein grundsätzliches Problem vom IE: Sicherheitslücken, die zudem lange ungeflickt bleiben. Technisch hat der Microsoft-Browser zu den Konkurrenten auf-, sie aber noch nicht eingeholt. Im Einsatz ist der IE ein Browser, der Seiten gemächlich aufbaut, aber auch genügsam an Ressourcen ist und auf Laptops sogar die Akkulaufzeit schont.

Der IE ist geeignet für: Leute, die das Risiko lieben
Der IE ist nicht geeignet für: Alle anderen

Download: Bereits integriert oder per Windows-Updatefunktion


Mozilla Firefox 3.6

Dem Firefox gebührt der Ruhm, nach langen Jahren der erste erfolgreiche Konkurrent des Internet Explorers gewesen zu sein. Technisch spielt der Browser heute zwar nicht mehr ganz in der Oberklasse, dafür ist das Kultobjekt der Open-Source-Szene anpassbar und erweiterbar wie kaum eine Software auf diesem Planeten. Ob Schweizer Taschenmesser für Webentwickler, Designerobjekt oder minimalistischer Browser mit größtmöglicher Website-Anzeigefläche - jeder Nutzer kann sich mithilfe von Firefox-Erweiterungen und -Themes seinen persönlichen Lieblingsbrowser zusammenstellen. Auch neue Funktionen aus anderen Browsern erscheinen meist schnell als Firefox-Erweiterung.

Aber auch der Firefox ist nicht frei von Tadel: Es handelt sich nicht unbedingt um den schnellsten und stabilsten Browser. Außerdem tauchen immer wieder Sicherheitslücken auf, die aber in der Regel schnell von der engagierten Community geschlossen werden

Der Firefox ist geeignet für: spezielle Anwendungsfälle, Probier- und Bastelwillige
Der Firefox ist nicht geeignet für: Nutzer, die den allerschnellsten Browser haben wollen

Download: http://www.getfirefox.com/


Google Chrome 4.0

Chrome ist gerade einmal anderthalb Jahre alt und existiert schon in Version 4. Der Marktanteil des Google-Browsers steigt kontinuierlich und liegt derzeit bei etwa 7%. Für eine so junge Software ist das beachtlich, obwohl Google viel Energie und Marktmacht in die Verbreitung von Chrome steckt. Nicht zuletzt bildet Chrome die Grundlage von Googles auf Webanwendungen optimiertes Betriebssystem ChromeOS.

Technisch spielt Chrome ganz vorne mit. Trotz eines hohen Arbeitspeicherhungers startet Chrome pfeilschnell, stellt Webseiten in kürzester Zeit dar und brilliert vor allem bei aufwändigen Webanwendungen - nicht zuletzt den verschiedenen Google-Diensten. Weil jeder Tab in einem separaten Prozess läuft, ist Chrome außerdem sehr stabil.

Seit kurzem existieren für Chrome Erweiterungen, wodurch Firefox in Zugzwang gerät. Googles Browser-Team feilt in hohem Maße an Design und Bedienung. Chrome wartet zum Beispiel mit dem Konzept einer kombinierten Adress- und Suchleiste auf. Bereits beim Eintippen von Text zeigt Chrome Google-Suchergebnisse oder bereits besuchte Webseiten an - nach kurzer Eingewöhnung ein hoher Zusatznutzen.

Diese und andere Funktionen werden mit einem hohen Grad an Kommunikation mit den Google-Servern bezahlt. Theoretisch ist es Google möglich, das gesamte Surfverhalten eines Nutzers nachzuvollziehen. Dem kann man allerdings einen Riegel vorschieben: mit Zusatzprogrammen und Chrome-Ablegern ohne bedenkliche Datenschutz-Praxis.

Chrome ist geeignet für: Leute, die es eilig oder gerne bequem haben
Chrome ist nicht geeignet für: Google-Paranoike

Download: http://www.google.com/chrome/


Opera 10.10

Für viele Netzbewohner unter dem Radar, hat sich der innovative Opera-Browser aus Norwegen eine kleine, aber treue Fangemeinde erarbeitet. Und im Grunde kann man als Opera-Nutzer auch vollständig zufrieden sein, denn das Kraftpaket ist schnell, wenig ressourcenhungrig, hat in jeder Ecke clevere Einfälle und bietet eine Menge (optionaler) Zusatzfunktionen - von einem eingebauten BitTorrent-Client und einem Mailprogramm über Desktop-Widgets bis hin zu einem Fileserver, Mit dem Opera-Browser hat man im Prinzip ein Rundum-Glücklich-Paket auf der Platte.

Warum Opera einen Marktanteil von unter 1% hat, ist eigentlich unbegreiflich. Vielleich liegt es daran, dass Nutzer einen Browser wollen, aber keine Eier legende Wollmilchsau; oder an dem nicht für jeden Nutzer angenehmen Standardlayout des Browserfensters; oder an den fehlenden Addons.

Wer einfach das Netz nutzen will, ohne sich in seinem Browser einrichten zu müssen, sollte Opera unbedingt ausprobieren. Und für die Zukunft ist noch einiges von Opera zu erwarten: Tests des US-Blogs Lifehacker mit einer Vorabversion haben gezeigt, dass Opera 10.5 selbst die hervorragende Performance von Google Chrome übertrifft.

Opera ist geeignet für: Anfänger, Nutzer, die einen Alles-in-einem-Browser möchten
Opera ist nicht geeignet für: Leute, die ihren Browser anpassen und konfigurieren möchten

Download: http://www.opera.com/


Safari und eine Handvoll weniger bekannte Browser behandelt das LoadBlog in dem Themenspecial „Welcher Browser ist der beste?“

Frank Ritterist Redakteur des Online-Magazins
LoadBlog. Das Weblog bringt täglich Tipps und Tricks, kostenlose Downloads sowie Informationen zu Hardware, Software und interessanten Seiten im Internet.

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