iPad : Murdoch baut mit Apple an einem iNewspaper

"Daily" heißt eine Tageszeitung, die Rupert Murdoch nur für das iPad und andere Tablets entwickeln lässt. Anfang 2011 soll sie starten, für 99 US-Cent in der Woche.

Kai Biermann
Rupert Murdoch, Gründer des Medienkonzerns News Corp. Foto: dpa
Rupert Murdoch, Gründer des Medienkonzerns News Corp.Foto: dpa

Rupert Murdoch ist mit seinen 79 Jahren so etwas wie der Hoffnungsträger der Zeitungsbranche. Die fühlt sich vom Internet im Allgemeinen und von Google im Besonderen bedrängt und bedroht und beobachtet mit Interesse, was der große, alte Mann des Verlagsgeschäftes so treibt. Zum Beispiel hat er die Inhalte seiner Blätter Times und Sunday Times im Sommer hinter einer Bezahlschranke versteckt (und damit wohl 97 Prozent seiner Leser verloren).

Vergangene Woche nun bestätigte der Konzernchef, er plane eine Tageszeitung allein für das iPad von Apple und für andere Tablets. "Es ist ein Produkt nur für Tablet-Computer und es ist sehr aufregend", sagte er bei einer Konferenz in Spanien.

Seit drei Monaten werde in New York daran entwickelt, berichten verschiedene Medien. Und beteiligt seien auch Apple-Chef Steve Jobs beziehungsweise einige seiner Ingenieure.

Das Ganze soll The Daily heißen. Die erste Titelidee sei The Daily Planet gewesen, berichtet das Modemagazin WWD, aber der Comicverlag DC habe die Rechte an dem Namen nicht hergeben wollen, ist es doch das Blatt, für das seit Jahrzehnten Clark Kent aka Supermann schreibt.

Der Preis für Daily ist vergleichsweise gering, nur 99 US-Cent pro Woche oder 4,25 Dollar im Monat will Murdoch verlangen. Dafür soll es täglich eine Ausgabe geben, auch am Sonntag. Mit dem Geld will Murdoch eine große Redaktion finanzieren. Insgesamt 100 Journalisten werden demnächst im News-Corp.-Verlagsgebäude in der Sixth Avenue arbeiten, so WWD. Geleitet werde das Projekt von Jesse Angelo, bislang bei der New York Post und so etwas wie ein Stern des News-Corp.-Himmels.

Dass Murdoch gerade Angelo abgestellt hat, der als wichtiger Vertrauter gilt, zeige, wie wichtig ihm das Projekt sei, schreibt WWD. Murdoch wolle beweisen, ergänzt der Guardian, dass Leser bereit sind, für gute, originelle Inhalte im Internet zu zahlen.

Die Ausrichtung scheint aber mehr die eines Boulevardblattes zu sein. Auslandsbüros beispielsweise soll es laut WWD nicht geben. Vielmehr sei eine "ausführliche Berichterstattung von Cocktailpartys, Wohltätigkeitsveranstaltungen, über Kriminalität und Politik" geplant. Wobei letztere sich wohl auf große Ereignisse beschränkt, denn derzeit ist kein Büro in Washington vorgesehen – was ein Indiz für eine umfangreichere Politikberichterstattung gewesen wäre. Der Themenfokus liegt auf den USA, unter den neu Eingestellten sind dabei mehrere, die dem Blatt ein "Seite-sechs-Gefühl" vermitteln sollen. Auf der page six steht in der New York Post traditionell Klatsch und Tratsch.

Ob so etwas die Branche retten kann? Noch grübeln Verleger, ob Paywalls wirklich geeignet sind, um künftig Zeitungen zu finanzieren. Die Journalismusprofessorin Emily Bell glaubt, dass Murdoch diese Wände nur hochgezogen habe, weil er die Times abgeschrieben hat. Gemessen an ihrem Einfluss und der Größe ihrer Marke seien 80 Millionen Pfund Verlust im Jahr ein geringer Preis für einen so großen Konzern, argumentiert sie. Die Times sei für Murdoch längst kein wichtiges Medium mehr, um Einfluss zu nehmen. Und hinter einer Paywall habe sie nun gleich gar keine Stimme.

Nun also das iPad. Um Weihnachten herum soll eine Betaversion des Daily fertig sein, Anfang 2011 ist der Start geplant. Murdoch rechnete vor, bis Ende 2011 würden ungefähr 40 Millionen iPads verkauft sein, und er hätte zwei Millionen Leser, wenn nur fünf Prozent davon seine Zeitung abonnieren würden.

Quelle: Zeit Online

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