Digital : Jedes Tor live

Brillantes Bild und klarer Ton – schade nur, dass die Akkus der DVB-T-Handys die Verlängerung nicht überstehen. Ein Praxistest

Kurt Sagatz

Für Michael Ballack ging das Champions-League-Finale am Mittwochabend wenig erfreulich zu Ende. 5:6 verlor sein Team vom FC Chelsea gegen den englischen Meister Manchester United nach Elfmeterschießen. Insgesamt zufriedenstellend verlief hingegen unser Test mit einem der ersten in Deutschland auf dem Markt verfügbaren DVB-T-Handys. Pünktlich zur Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz stehen mit dem LG HB620T und dem GSmart t600 zwei Geräte für das digitale Antennenfernsehen zur Verfügung. Wir haben uns das LG-Handy von Vodafone genauer angesehen.

ABSOLUT KEINE ZUMUTUNG

Die wichtigste Frage zuerst: Ist es zumutbar, ein 90-Minuten-Spiel auf einem zwei Zoll (fünf Zentimeter) großen Display anzuschauen? Auf jeden Fall! Die Auflösung des Displays ist brillant und die Farben müssen keinen Vergleich mit einem größeren Bildschirm scheuen. Selbst in der Totalen lassen sich die Spielzüge problemlos verfolgen. Der Ball ist auch in dieser Ansicht – trotz der Größe eines Stecknadelkopfes – gut zu erkennen. Sobald die Kamera heranzoomt, nimmt man die geringe Größe des Bildschirms kaum noch wahr. Und die Akustik über den eingebauten Lautsprecher ist laut genug, um auch im Freien jedes Wort zu verstehen.

IN ZWEI MINUTEN STARTBEREIT

Der Suchlauf dauert knapp zwei Minuten, in denen der DVB-T-Empfänger 21 die in Berlin verfügbaren 29 Fernsehsender findet. Nur die Kanäle 5 und 7, in denen sich weitere dritte Programme unter anderem von WDR und mdr befinden, fehlen. Der Berliner Heimatsender RBB befindet sich auf dem starken ARD-Kanal 27 und wird exzellent dargestellt – selbst im dichtesten Grunewald. Das Klapp-Handy von LG nutzt die DVB-T-Technik, so wie es die normalen TV-Empfänger daheim tun. Extrakosten fallen somit nicht an. Daneben soll zur Fußball-EM noch ein speziell für den Handybetrieb optimierter Ableger mit der Bezeichnung DVB-H starten. Das Betreiberkonsortium Mobile 3.0, zu dem unter anderem die Medienhäuser Burda und Holtzbrinck gehören, baut gerade das Netz auf und hat angekündigt, zur Europameisterschaft in vier Großstädten zu starten. Berlin gehört nicht dazu. Der Vorteil der DVB-H-Handys liegt vor allem im geringeren Stromhunger. Der Akku eines DVB-T-Handys macht nach zwei Stunden schlapp.

KEINE FAULEN KOMPROMISSE

Am LG fällt auf, dass es trotz TV-Technik sehr klein und sehr leicht ist. Faule Kompromisse wurden hier nicht gemacht. Das LG ist ein rundherum schickes Klapphandy mit angenehm großem Tastenfeld und einem ausgezeichneten Display, das manch neidischen Blick auf sich ziehen wird. Das Gerät funkt über das schnelle Mobilinternet UMTS, auch den Datenturbo HSDPA unterstützt das Vierbandhandy. Im Handy befinden sich eine Zwei-Megapixel-Kamera und ein MP3-Player.

DIE NACHRICHTEN IM BLICK

Ob die Stärken eines TV-Handys unbedingt beim Fußball zu suchen sind, hängt stark von den Vorlieben des Besitzers ab. Immerhin: Auf dem Display lässt sich sogar ein in die TV-Kamera gehaltener Brief lesen, die gewohnten Infografiken auf n-tv oder N24 sind ebenfalls gut zu erkennen. Selbst der kleine Sat-1-Ball links oben wurde beim Champions-League-Spiel so klar dargestellt, dass man insgesamt für die Fußball-Europameisterschaft zuversichtlich sein kann. Zumindest bei günstigen Lichtverhältnissen. Im Innenraum oder draußen bei bewölktem Himmel steht dem mobilen TV-Genuss nichts im Wege. Kaiserwetter mit strahlendem Sonnenschein schränkt das Vergnügen jedoch massiv ein. Fällt das Sonnenlicht direkt auf das Mini-Display, ist sofort Schluss. Bei indirekter Sonneneinstrahlung kommt es darauf an, was der Zuschauer trägt. Reflektiert ein helles Kleidungsstück die Sonnenstrahlung, kommt ebenfalls Trauer auf.

ABSTRICHE BEIM EMPFANG

Auch beim Empfang muss man sich auf Abstriche einstellen. Vor allem in geschlossenen Räumen kann sich die Empfangssituation schnell eintrüben. Je nach Mauerstärke und Fenstertyp geht die Signalstärke so weit in den Keller, dass es zur Darstellung des Bewegtbildes nicht mehr ausreicht. Selbst ein heruntergelassener Sonnenschutz aus Metall kann dann den Unterschied zwischen Empfang und dem durchgestrichenen Fernseher-Symbol ausmachen.

BEI ALLEN NETZBETREIBERN VERFÜGBAR

DVB-T-Handys werden von mehreren Mobilfunkprovidern angeboten. Vodafone vertreibt das LG HB620T für 99 Euro zusammen mit dem 24-Monatsvertrag „Superflat“ (drei Monate für 29,95 Euro, danach 39,95 Euro). Zudem haben die Düsseldorfer noch das SmartPhone GSmart t600 DVB-T von Gigabyte für 289,90 Euro im Angebot. Die Konditionen des 24-Monatsvertrages sind die gleichen wie beim LG. Bei T-Mobile gibt es das LG für 29,95 Euro (24 Monate zu 39,95 Euro, zwei Monate kein Grundpreis). Bei E-Plus kann das LG für 24 Monate zum Monatspreis von zwölf Euro gemietet werden, wobei der Preis für den Mobilfunkpreis noch dazu gerechnet werden muss. Bei O2 variiert der Preis je nach Vertrag von 9,99 bis 169,99 Euro. Fazit: Fernsehen im Handy-Format ist gewöhnungsbedürftig. Einen Spielfilm oder ein Fußballspiel genießt man besser in XXL als in XXS. Für alles andere ist der TV-Empfang eine angenehme Zusatzfunktion, die vermutlich bald ebenso zum Komforthandy gehört wie die Megapixel-Kamera oder der MP3-Player.

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