Kampfansage an Apple : Das Google-Handy ist da

Der Suchmaschinenkonzern präsentiert mit dem lang erwarteten Nexus One eine Alternative zu Apples iPhone. Aber auch für andere Android-Handys ist das Nexus One eine ernsthafte Konkurrenz.

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Google stellt Nexus One Android Mobiltelefon vor
Offiziell: Google Productmanager Mario Queiroz präsentierte am Dienstagabend in Mountain View das Smartphone "Nexus One".Foto: dpa

Google greift Apple an. Am Dienstagabend stellte der Suchmaschinenkonzern am kalifornischen Firmensitz in Mountain View das seit längerem erwartete erste richtige Google-Handy vor. „Das Nexus One ist eine großartige Verbindung von Form und Funktion“, sagte Google-Produktmanager Mario Queiroz bei der Präsentation des neuen Smartphones. Es soll zunächst in den USA, später auch in Deutschland eingeführt werden.

Immer mehr Menschen nutzen sogenannte Smartphones, um mobil ins Internet zu gelangen. Das Marktforschungsunternehmen IDC schätzt, dass bis 2012 rund 1,5 Milliarden Menschen unterwegs im Netz surfen, mit leichten Netbooks oder Smartphones wie dem iPhone, dem Palm Pre oder dem Nexus One von Google. Ende Januar will Apple zudem seinen Tablet-Computer iSlate präsentieren.

Zwar wird Googles Nexus One genau wie der Vorläufer G1 wieder vom taiwanesischen Hersteller HTC gebaut. Diesmal wird Google jedoch den Mobilfunkunternehmen Vermarktung und Verkauf nicht allein überlassen und das Handy selbst über das Internet vertreiben. Zum ernsthaften Konkurrenten für das iPhone könnte Nexus One vor allem wegen des Preises werden. Ohne Vertrag kostet es rund 530 Dollar (370 Euro), bestätigte Google bereits zuvor bekannt gewordene Zahlen. Für das iPhone 3GS ist ohne Vertragsbindung beinahe das Doppelte fällig. Es wird zudem subventionierte Geräte geben: die US-Tochter von T-Mobile verlangt für das Nexus One rund 180 Dollar bei einem Zweijahresvertrag. In Europa soll es auch über Vodafone vertrieben werden.

Der Start des neuen Smartphones kommt jedenfalls zur rechten Zeit. 2010 wird für den Branchenverband Bitkom zum Jahr des mobilen Internets. Mit dem iPhone von Apple habe der Markt einen ersten Schub erhalten. „Mit den neuen Smartphones von Google, HTC oder Samsung und Motorola wird nun die zweite Stufe der mobilen Internetrakete gezündet“, sagte Bitkom-Sprecher Maurice Shahd. Der Verband prognostiziert ein Umsatzplus von acht Prozent für die mobilen Datendienste in diesem Jahr – bei weiter sinkenden Tarifen.

Die Technik-Blogger von der US-Seite engadget.com hatten das gerade einmal 11,5 Millimeter dicke und 130 Gramm schwere Nexus One bereits zuvor für kurze Zeit in Händen gehalten. Sie lobten das neue Google- Handy als gutes Smartphone mit exzellenten Leistungswerten. Der Prozessor mit einem Gigahertz Taktfrequenz hat Klassenführerqualitäten. Das Display mit seiner hohen Auflösung von 480 mal 800 Pixeln schlägt das iPhone um Längen. Mit der schnellen Fünf-Megapixel- Kamera liegt Google vor dem Drei-Megapixel-iPhone. Zudem wurde die Benutzerführung des aktuellen Android-Betriebssystems 2.1 nochmals verbessert, schreiben die Technik-Blogger und sind vor allem von der Eleganz des flachen Edelhandys mit seinen angenehm abgerundeten Ecken begeistert. Ab Werk dabei: eine GPS-Funktion und ein digitaler Kompass. Dafür fehlt dem Nexus One Multi Touch. Damit können iPhone-Besitzer Fotos oder Webseiten mit zwei Fingern komfortabel vergrößern oder verkleinern. Auch auf eine Hardware-Tastatur muss beim Nexus One verzichtet werden. So ist das Google-Smartphone zumindest für Engadget „in keiner Weise das die Erde erschütternde oder Paradigmen wechselnde Gerät, das die Medien oder die Community aufgebaut haben“. Allerdings verfügt das Nexus One über eine innovative Spracherkennung, mit der zum Beispiel die Kartensuche gesteuert oder eine E-Mail diktiert werden kann. Zudem können mit dem Handy die Webdienste von Google sehr einfach genutzt werden.

Mit dem neuen Smartphone will Google nach Einschätzung von Marktbeobachtern aber nicht nur die Basis von Handys mit dem Open-Source-System Android verbreitern, sondern sein Werbenetzwerk in diesem Zukunftsmarkt verankern. Dazu notwendig sind allerdings niedrigere Tarife, damit mehr Verbraucher mobil ins Netz gehen. Im vergangenen Jahr sind die Preise weiter gesunken. Laut Mobile Monitor, einer Studie des Bundesverbands der Digitalen Wirtschaft zusammen mit den Marktbeobachtern von Teltarif, sind die Kosten für das mobile Internet 2009 spürbar rückläufig. Der Preis für günstige Monatsflatrates ging von rund 20 Euro monatlich auf 15 Euro zurück, die Tagespauschalen sanken von 2,50 auf zwei Euro.

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