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Konkurrenz für Twitter : Facebook steigt ins News-Geschäft ein

Facebook will mit „FBNewswire“ zur Quelle für Journalisten werden. Der Grat zwischen News und Werbung ist allerdings schmal.

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Bis jetzt nutzte man Facebook und Twitter für unterschiedliche Zwecke. Das könnte sich bald ändern.
Bis jetzt nutzte man Facebook und Twitter für unterschiedliche Zwecke. Das könnte sich bald ändern.Foto: dpa

Ist das der Journalismus der Zukunft? „Mit Facebook sind Businessziele erreichbar. Das zeigt aktuell eine Erfolgsgeschichte von Opel – die General-Motors-Tochter lässt seine Marke mit Facebook wieder aufleben und erzielte signifikante Erfolge mit Kampagnen für den Astra sowie für die Einführung des neuen ADAM.“ So fängt ein Post an, den am Freitag viele Journalisten in ihren Facebook-Neuigkeiten fanden. Das Social Network betreibt einen eigenen Kanal, über den Mitarbeiter von Medienhäusern, die regelmäßig über Facebook berichten, mit wichtigen Informationen versorgt werden. So weit, so gut. Allerdings reagieren einige Journalisten höchst sensibel darauf, wenn sie auf diesem Weg nicht nur Neuigkeiten von Facebook erhalten, sondern auch noch Werbekunden von Mark Zuckerbergs Netzwerk glücklich machen sollen.

Am Freitag fand sich noch eine andere Nachricht in der Gruppe „Neuigkeiten von Facebook“. Darin ging es um den neuen Dienst „FBNewswire“. Zusammen mit dem zu Rupert Murdochs News Corp gehörenden Start-Up Storyful versorgt das Netzwerk Journalisten und andere Newsinteressierte mit Nachrichten aus dem Facebook-Universum. Beliefert wird jeder, der die Facebook-Seite FBNewswire liked. Danach erhält der Facebook-Nutzer „berichtenswerte Inhalte aus dem weltgrößten Online-Netzwerk“. Dabei kann es sich um „Fotos, Videos oder Kurzmitteilungen von Protesten, Wahlen oder Sportereignissen“ handeln, die von den Kooperationspartnern Facebook und Storyful für würdig befunden werden. Bei dem Material kann es sich um Posts sowohl von Organisationen als auch von Privatpersonen handeln. Um keine Falschmeldungen zu produzieren, sollen die Beiträge geprüft werden, bevor sie in FBNewswire eingestellt werden.

In den USA hat Facebook die "Paper"-App gestartet

Facebook hat bereits vor einiger Zeit erkannt, wie relevant News für die eigene Nutzerschaft sind. Im vergangenen Jahr klickten die Facebook-Mitglieder vier Mal so häufig die Posts von Medienhäusern an, um sich auf deren Webseiten die Meldungen in voller Länge anzusehen. Das kommt den Medien zugute, aber auch Facebook als News-Drehscheibe. Posts von relevanten Medien werden entsprechend prominent platziert. In den USA hat Facebook zudem eine App mit dem Namen „Paper“ gestartet, nicht zuletzt, um Twitter Paroli zu bieten. Bisher hatte sich eher der Kurznachrichtendienst Twitter als Medium für schnelle Informationen zu wichtigen Ereignissen etabliert. Zuletzt wurde das etwa bei der Krise in der Ukraine sichtbar oder vor einem Jahr während der Bombenanschläge auf den Marathon in Boston. Facebook hat zwar fast 1,3 Milliarden Mitglieder, spielte bei Breaking News aber bisher kaum eine Rolle.

„Wir arbeiten mit Begeisterung daran, unsere Beziehungen zu Medienorganisationen und Journalisten in Zukunft weiter auszubauen“, sagte Andy Mitchell, der bei Facebook für den Bereich News und Medien-Partnerschaften zuständig ist, zum Start von Newswire. Meldungen wie die von der „erfolgreichen Markenkampagne der Adam Opel AG“ zeigen allerdings die Gefahren auf, wenn Social Networks zu Nachrichtenlieferanten werden. Der Grat zwischen Nachrichten- und Werbeagentur kann sehr schmal sein.

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