Konsolen-Kick : Kampf um die Fußball-Krone

Jedes Jahr im Herbst kommt es zum Duell der virtuellen Kicker-Simulationen: In diesem Jahr wird der Verfolger „Fifa 08“ dem Meister „Pro Evolution Soccer 2008“ so gefährlich wie lange nicht mehr.

Bertram Küster
Pro Evo Fifa
Titelverteidiger. "Pro Evolution Soccer" bleibt auf dem Platz die Nummer eins. -Screenshot: Konami

Regelmäßig im Herbst kämfen zwei Spiele um die Gunst der Fußball-Fans: Die japanischen Kicker von Konamis "Pro Evolution Soccer" liefern sich auf dem Platz Spiele, die kaum noch von dem realen Vorbild zu unterscheiden sind. Electronic Arts – der FC Bayern der Computerspielbranche – spielte mit seiner „Fifa“-Reihe in den letzten Aufeinandertreffen schön, lieferte aber letztlich brotlose Kunst. Nur dank der tollen Präsentation und der umfangreichen Lizenzen konnte man den Anschluss halten.

In diesem Jahr hat „Fifa“ – zumindest in der getesteten Playstation-3-Version - dazugelernt. Dabei fällt auf, dass der Trend vom actionlastigen Fußball zum Simulations-Anspruch des Konkurrenten weiter anhält. Um zum Torerfolg zu kommen, ist ein durchdachter Spielaufbau gefragt, was deutlich Tempo aus dem Spiel nimmt. Zweikämpfe sind nun körperbetonter, schon kleine Rämpler können die Kicker ins Straucheln bringen. Auch die Ballphysik wurde deutlich verbessert, der Gummiball des Vorgängers ist passé. Das Toreschießen ist deutlich schwieriger geworden, demzufolge gehören auch unrealistisch hohe Ergebnisse der Vergangenheit an.

Neuer Modus für Solisten

Fifa
Edel präsentiert. "Fifa 08" auf der Playstation 3. -Screenshot: EA Sports

In Punkto Spielumfang ist die "Fifa"-Serie schon immer vorbildlich gewesen. Zur Karriere samt Transfer-Entscheidungen, einzelnen Ligen und Pokal-Modi sowie den gewohnt komfortablen Online-Spielen kommt nun noch ein Highlight dazu: Im „Be a Pro“-Modus übernimmt der Spieler einen Kicker seiner Wahl, was ihn vor gänzlich neue Herausforderungen stellt: In Position laufen, Bälle anfordern, Räume nutzen. Ist der Spieler am Ball, zoomt die Kamera dichter heran und verfolgt die Solo-Aktion. Das Programm benotet nach dem Match die Leistung des Spielers.

Hinsichtlich der Präsentation gibt es kaum etwas zu bemängeln. 30 Ligen und 43 Nationalteams wurden originalgetreu ins Spiel übernommen. Die Animationen sind etwas flüssiger als bei „Pro Evolution Soccer“, dafür aber nicht so vielfältig. Die Gesichter der Spieler sind bei der Konkurrenz schöner geraten. Weniger bekannte Spieler sind in Fifa kaum wiederzuerkennen. Übrigens: Die hier gemachten Angaben beziehen sich nicht auf die PC-Version, bei der sich die Entwickler Neuerungen weitestgehend gespart haben.

Verbesserungen im Detail

Und der Meister? Im Vergleich fallen die Änderungen an der neuen Ausgabe von "Pro Evolution Soccer" kaum auf. Die komplizierten Menüs wurden etwas entschlackt, das Herausforderungs-Training fehlt ganz und beim Karriere-Modus ist alles beim Alten geblieben. Auf dem Platz wurde ein wenig an der Computer-Intelligenz gefeilt. „Teamvision“ nennen das die Entwickler. Gemeint ist, dass der KI-gesteuerte Gegner menschliche Spielweisen nachahmt. Und tatsächlich: Führt der Spieler kurz vor Ende einer Partie, drängt der Kontrahent vehement auf den Ausgleich. Liegt er dagegen vorne, verzögert der Gegner das Spiel mit Querpässen. Lernfähig sind die Gegner auch noch. Wer immer mit dem selben Spielzug zum Erfolg kommen will, wird zwangsläufig scheitern.

PES
Schwalben-Feature. Unfair aber realistisch. -Screenshot: Konami

Auch wenn „Pro Evolution Soccer“ nur wenige Ligen und einige Top-Klubs wie Barcelona und Liverpool lizensiert hat (auf die Bundesliga muss man erneut verzichten), spielerisch weitst das Spiel die Konkurrenz immer noch in die Schranken. Die Unberechenbarkeit jedes Spielzugs und die nahezu perfekte Ballphysik sorgen für immer neue Torraumszenen. Steht der Spieler nicht richtig zum Ball, drischt er ihn eben in Richtung Flutlichtmast. Beim nächsten Mal wird ein Fallrückzieher daraus und dann wieder ein Flugkopfball. In der PS3-Version ist allenfalls das sehr grobpixelige Publikum zu bemängeln. Insgesamt wirken die Matches wesentlich dynamischer als bei „Fifa“. So sieht man etwa echte Konter in „Pro Evolution Soccer“ viel häufiger. Das Toreschießen ist etwas leichter geworden als beim Vorgänger. Endlich sind auch Distanzschüsse häufiger von Erfolg gekrönt.

Ein originelles neues Feature gibt es auch noch: Hält der Spieler drei Schultertasten des Controllers gedrückt, setzt der Kicker zur Schwalbe an. Das ist – wie in der Realität – selten von Erfolg gekrönt. Meist erntet der Spieler die Gelbe Karte. Als Option auf eine letzte Verzweiflungstat vor einem Pokal-Aus und in Sachen Wirklichkeitstreue aber schlicht und einfach konsequent.

Fazit: „Fifa“ holt auf. Das ist in diesem Jahr deutlich zu spüren. Erstmals geht es auch bei EAs Bolzerei richtig realistisch zu. Mit antrainierten Spielzügen zum Torerfolg zu kommen, dieses spezielle Feature gehört offenbar endgültig der Vergangenheit an. „Pro Evolution Soccer“ bleibt dennoch erste Wahl. Denn nur die Japaner machen den Zufall zu einem zentralen Spielelement und sorgen so für das weiterhin abwechslungsreichere und realistischere Fußball-Spiel.

„Fifa 08“ für Playstation 3, Preis: ca. 55 Euro
„Pro Evolution Soccer 2008“ für Playstation 3, Preis: ca. 60 Euro

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