Konsolenspiel : Über allen Wipfeln ist Rrrroooarrrr

Bei diesen Sprüngen wird jeder Grashüpfer neidisch: "Pure" lässt Quads-Bikes durch die Luft fliegen, als seien sie schwerelos. Und landet mit diesem Arcade-Racer einen echten Konsolen-Hit.

Pure
Szene aus "Pure". -Screenshot: Promo

Über allen Wipfeln ist Ruh',
in allen Wipfeln spürest du kaum einen Hauch.
Die Vögelein schweigen im Walde,
warte nur, balde,
ruhest du auch.
(Johann Wolfgang von Goethe)



(Jetzt bitte nachfolgendes Video anschauen.)

Man möchte gar nicht wissen, wie der alte Goethe auf ein Spiel wie "Pure" reagiert hätte. Wahrscheinlich hätte er sich gefühlt wie Werther kurz vor dem Exitus. Das Motorengeheul, das "Pure" über Wipfel und Berge schickt, bringt jedes "Vögelein" zum Verstummen. Und spätestens wenn einer der Quad-Fahrer in die nächststehende Tanne crasht, verspürt man einen recht unsanften Hauch.

"Pure" ist reines Adrenalin. In rasender Geschwindigkeit geht es über Schotterpisten, Sanddünen und Brücken; durch Schlammpfützen, dichten Dschungel und Tempelruinen. Am Hinterrad kleben die Verfolger und warten nur darauf, dich beim nächsten Sturz zu überholen. Über große Rampen schießt die Quad-Meute in den Schäfchenwolken-Himmel hinauf und schwebt dann - hier bleibt die Zeit fast stehen - in gähnend tiefe Abgründe hinunter. Während dem Sprung heißt es tricksen, bis die Daumen glühen.

Auf den ersten Blick sieht "Pure" wie ein waschechter Arcade-Racer aus. Die Quads fliegen, den Gesetzen der Schwerkraft widersprechend, hunderte Meter weit und hoch. Die vierrädrigen Höllenschlitten nehmen auch keinen Schaden, wenn sie gerammt werden oder unsanft auf den Schotterboden dotzen. Und die Tricks, die unser Fahrer im Rennsattel vollführt, würde nicht mal Fabian Hambüchen auf Speed hinbekommen. Zeitraffer-Rolle bei Tempo 150? Kein Problem. Rückwärts-Air-Guitar in hundert Metern Höhe über einer Schlucht? Es gibt Schwierigeres. Die Stunts in "Pure" - insgesamt gibt es 70 - sind kein reiner Selbstzweck, sondern liefern Punkte - und die nötige Boost-Energie, um Konkurrenten vor der Zielgeraden zu überspurten. Das macht "Pure" zu einem Spiel mit vielen taktischen Möglichkeiten.

Gratwanderung zwischen Boost und Stunts

Zu Beginn jedes Rennens kann der Fahrer nur einfache Stunts der Stufe A vollführen. Mit ihnen füllt er seine Energie-Anzeige so weit auf, bis die Tricks der Stufe B und C freigeschaltet werden. Jedes Wettrennen ist also eine Gratwanderung zwischen dem Bedarf an Boost-Energie und der Möglichkeit, schwierige Stunts auszuführen. Beispiel: Vor einer Rampe setzt man den Boost ein, um höher springen zu können. Gleichzeitig darf man aber nicht so viel Energie verbrauchen, dass man in die A-Kategorie zurückfällt. Man muss die Strecke schon gut kennen, um bei den wichtigen Sprüngen das Beste rauszuholen. Statt auf möglichst komplizierte Sprünge kann man sich auch auf das Sammeln von Bonusplaketten (Extraboost, Extrabenzin etc.) konzentrieren, die über der Strecke schweben - und oft selbst nur durch Sprünge zu erreichen sind.

Neben den Wettrennen gibt es auch die reinen Freestyle-Rennen. Die gewinnt, wer bei den Sprüngen die meisten Wertungspunkte sammelt. Der Clou: Das Benzin ist begrenzt und der Fahrer muss versuchen, möglichst lange auf der Strecke zu bleiben, um mehrfach an den entscheidenden Rampen vorbeizukommen. Entscheidende Sekunden lassen sich durch das Sammeln von Benzinplaketten hinzugewinnen. Richtig viele Wertungspunkte gibt es für Spezialtricks, die auch nur mit Plaketten freischaltbar sind. Diese Tricks benötigen mehr Flugzeit und sind entsprechend schwieriger zu landen. Wer crasht, wird nach 1-2 Sekunden "wiederbelebt" und darf weiterfahren.

Atemberaubende Landschaften

Die über 30 Strecken an sieben verschiedenen Schauplätzen bieten eine Vielzahl taktischer Möglichkeiten. Sprint-Rennen in nordamerikanischen Kiesgruben sind bloße Tempobolzerei, Freestyle-Rennen am Gardasee lassen kaum Zeit zum Luftholen zwischen zwei Sprüngen. Gerne würde man zwischendurch mal absteigen und die herrliche Landschaft bewundern: Schneebedeckte Berge, tiefblaues Wasser und sattgrüne Wiesen rasen viel zu schnell vorbei. Was Disney mit "Pure" grafisch auffährt, hat es so beim einem Rennspiel noch nicht gegeben. Selbst Klassiker wie "MotorStorm" verblassen angesichts der wildbewucherten Dschungelkulisse von Kosa Phi oder der hitzeflirrenden Staubpisten von New Mexico. "Pure" sieht auf PS3 und Xbox gleichermaßen prächtig aus.

Ebenfalls sehr detailliert ist das Tuning-System des Spiels. Man kann sich sein gesamtes Quad vom Ritzel bis zur Lenkstange selbst zusammenbauen. Erfolgreiche Fahrer schalten neue Upgrades frei und füttern damit ihren ständig wachsenden Fuhrpark. Wen das Gebastel nicht interessiert, der kann sich seine Quads auch weitgehend automatisch zusammenbauen lassen - als Sprint- oder als Freestyle-Maschine.

Wenn man an "Pure" überhaupt etwas aussetzen kann, dann vielleicht, dass "nur" Quads und keine anderen Fahrzeuge unterwegs sind. Allzu gerne würde man auch mal mit einem Buggy oder Jeep über die schönen Buckelpisten brettern. Leider gibt es auch keinen Splitscreen, also die Möglichkeit, zu zweit an einer Konsole zu spielen. Auf der Games Convention begegnete "Pure"-Entwickler Jason Avent dieser Kritik mit ziemlich klaren Worten: "Splitscreen is bullshit". Auf dem geteilten Bildschirm komme die Grafik nicht voll zur Geltung, außerdem gebe es ja immer noch den Online-Modus. Wie sagte schon Goethe? "Wenn weise Männer nicht irrten, müßten die Narren verzweifeln." Und über allen Wipfeln ist Rrrroooarrrr.

Pure erscheint am 25. September 2008. Für Fans von "MotorStorm" und "MX vs. ATV Unleashed".

Die offizielle Website zum Spiel

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