Kopierschutz : Musik ohne Grenzen

Erste Onlineshops verzichten auf den Kopierschutz. Andere geben die Songs sogar gratis ab. Steve Jobs verspricht, bis zum Ende des Jahresende die Hälfte der iTunes-Songs ohne Kopierschutz anzubieten.

Kurt Sagatz,Pablo Silalahi
Freddie Mercury Foto: ddp
Das "Greatest Hits" Album von Queen gehört derzeit zu den meistgekauften Alben bei iTunes, obwohl es teurer wurde. Der Grund: Die...Foto: ddp

Das „Greatest Hits“-Album von Queen ist schon etwas älter, auch Herbert Grönemeyers „Bochum“ steht seit einigen Jahren in den Regalen der Musikfreunde. Gleichwohl gehören beide Alben derzeit zu den meistverkauften bei iTunes, dem Internet-Musikstore von Apple – und das obwohl die einzelnen Stücke statt 99 Cent nun 1,29 Euro kosten. Der Grund: Apple geht zusammen mit dem Musik-Label EMI im Internet neue Wege und verzichtet auf den mitunter nervigen Kopierschutz und bietet sogenannte DRM-freie Musik, also Songs ohne das Digital Rights Management. Die unter dem Namen iTunes Plus angebotenen Titel haben zudem eine bessere Qualität auf CD-Niveau. Das Modell könnte sich durchsetzen: Apple und EMI sind nicht die einzigen Anbieter, die mit DRM- freier Musik, werbefinanzierten Musikangeboten oder Wiederverkaufsmöglichkeiten die Musikfreunde begeistern wollen.

TRENDSETTER APPLE

Als Apple-Chef Steve Jobs das Ende des Kopierschutzes für Internet-Musik forderte, wurde er anfangs belächelt. Mit dem Label EMI ist nun der erste große Musikverlag auf das neue Konzept eingegangen und verbreitet seine Titel unter anderem von den Rolling Stones, Norah Jones und Coldplay DRM-frei. Bis zum Jahresende, so hat Jobs angekündigt, sollen die Hälfte der fünf Millionen iTunes-Songs ohne Kopierschutz angeboten werden. Dem Branchendritten EMI ist allerdings bislang noch kein weiterer Major Player wie Warner Music oder Universal Music gefolgt. Während die normalen iTunes-Stücke nur auf den ebenfalls von Apple stammenden iPod-Musikplayern laufen, können die nicht kopiergeschützten Titel auch auf anderen MP3-Geräten abgespielt werden. Voraussetzung für den Kauf DRM-freier Musik ist ein Update von iTunes auf die Version 7.2. Aber auch damit wird der iPod bevorzugt. Um EMI-Titel auf andere Geräte zu ziehen, muss anstelle von iTunes der normale und wenig komfortable Datei-Manager von Windows genutzt werden.

MUSICLOAD ZIEHT IM SOMMER NACH

Der deutsche Markt für Musik-Downloads wird von iTunes und Musicload.de dominiert. Das Telekom-Unternehmen verhandelt derzeit ebenfalls mit den großen Musikanbietern, wobei die Gespräche mit EMI kurz vor dem Abschluss stehen und offenbar nur noch letzte technische Fragen geklärt werden müssen. Noch in diesem Sommer soll es auch bei Musicload DRM-freie Musik von EMI geben, und zwar ebenfalls in besserer Qualität. Die nicht kopiergeschützten EMI-Songs (WMA) werden den Plänen zufolge ebenfalls rund 30 Cent über den sonst üblichen 1,29 Euro liegen.

MIT WERBUNG FINANZIERT

Mick Jagger Foto: ddp
Mick Jagger jetzt auch ohne Kopierschutz. -Foto: ddp


Die von Ex-Genesis-Sänger Peter Gabriel mitgegründete Plattform We7.com verspricht Vorteile für Nutzer und Musiker gleichermaßen. So bekommen Kunden kostenlos DRM-freie Musik, die über Werbebotschaften (30 Sekunden) vor dem eigentlichen Musikstück finanziert werden. Der Nutzen für die Musiker: Die Plattform verhilft ihnen zu zusätzlichen Einnahmen, da ihnen rund die Hälfte der Werbeeinnahmen zufließt. Wer keine Lust auf die kurzen Werbespots hat, kann die Musik auch kaufen. Neue Bands lockt We7 zudem mit Reviews durch die We7 „Tastemakers“, einem Community-Programm, an dem jeder teilnehmen kann. Zudem können sich Bands gegenseitig bewerten.

STAFFELPREISE BEI EMUSIC

Seit dem letzten Sommer gibt es auch in Europa das Portal Emusic, das in den USA zu den erfolgreichsten Seiten für Musikdownloads gehört und auch deutsche Musik wie von Sängerin LaFee im Angebot hat. Emusic.com setzt auf ungeschützte MP3s und gestaffelte Preispakete. Für knapp 13 Euro bekommt der Kunde rund 40 MP3 im Monat. Für 65 Downloads muss er 17 Euro hinblättern, und wer 21 Euro zahlt, darf über 90 MP3-Songs im Monat laden. Der Preis für eine einzelne MP3-Datei schwankt damit je nach Paket zwischen 23 und 32 Eurocent. Das ist deutlich günstiger als iTunes & Co – aber teurer als die Emusic-Mutter in den USA. Dort gibt es Song-Downloads im günstigsten Paket bereits für umgerechnet 17 Eurocent. Aber nicht nur im Preis gibt es Unterschiede zwischen Europa und Amerika: Europäische Kunden bekommen Zugriff auf Inhalte von Labels wie Matador, Edel und Ministry of Sound, die den Nutzern jenseits des großen Teiches nicht zur Verfügung stehen. Der Dienst ist bisher in englischer Benutzerführung gehalten, steht aber auch den europäischen Kunden per Kreditkarte zur Verfügung.

FÜR NEWCOMER UND UNABHÄNGIGE

Besonders für kleinere unabhängige Musiklabels und Künstler, die über die Weiterempfehlung im Freundes- und Fankreis und ohne große Budgets ihre Musik bekannt machen und in digitaler Form verkaufen wollen eignet sich das PotatoSystem (www.potatosystem.com). Auch hier wird auf Kopierschutz verzichtet, die Rechte von Musikern und Produzenten bleiben durch die Zusammenarbeit mit der Gema gewahrt. Das Prinzip: Sobald sich der Erstanbieter von Musikdateien angemeldet hat, kann er Links zu jedem seiner Songs, die beim Potato-System registriert sind, im Internet veröffentlichen. Der Anbieter muss die Musikdateien lediglich auf seinem Server bereithalten. Den Verkaufspreis kann er frei festlegen. Von jedem verkauften Titel erhält der Urheber 43 Prozent. Der Käufer eines Musikstücks erhält zusätzlich zum Download auch das Vertriebsrecht für einen Titel und kann ihn weiter verkaufen. Kauft noch ein Interessent vom ersten Käufer, dann wird über diesen personalisierten Link die Provision abgerechnet. Das Modell sieht maximal drei Kaufparteien vor. Insgesamt werden 35 Prozent Provision des festgelegten Verkaufspreises ausgezahlt.

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