Lara Games Award : Pimp dein Leben

Will Wright hat Sim City und Die Sims erfunden. In Berlin wird er für sein Lebenswerk geehrt.

Maximilian Vogelmann
Foto: privat
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Mr. Wright, am Donnerstag werden in Berlin der Deutsche Computerspielpreis und des Lara Games Award vergeben. Sie erhalten den Lara-Ehrenpreis für Ihr Lebenswerk als Computerspieleentwickler. Bei der Verleihung können Sie ihn aber nicht persönlich in Empfang nehmen.

Es gab einen Notfall in der Familie, deshalb haben wir die Reise abgesagt. Der Preis ist eine große Ehre für mich. Deutschland hat eine einzigartige Beziehung zu Spielen, die Deutschen schätzen sie mehr als andere Länder. Besonders die deutschen Brettspiele haben weltweit einen starken kulturellen Einfluss gehabt. Was vor allem die Preußen früh erkannt haben, war das Potenzial von Spielen als Lerninstrument. Da war zum Beispiel General Georg Leopold von Reiswitz. Der erfand das Kriegsspiel, das mit Miniaturen auf einem Tisch gespielt wird. Damit hat er seine Offiziere trainiert, das war so erfolgreich, dass es für das militärische Training verpflichtend wurde.

Wie wichtig ist Spielen denn für’s Lernen?

Sehr wichtig. Spielen bedeutet, offen zu sein, Neues auszuprobieren, zu erkunden. Wir spielen so gerne, weil wir damit Strategien ausprobieren und Erfahrungen machen können, die außerhalb des Normalen liegen. Wir können Dinge abstrahieren, um effizientere Modelle der Welt zu generieren.

Sie gelten als einer der wichtigsten Spieleentwickler der Welt. Welche Art von Spielen werden wir in zehn Jahren spielen?

Die Game-Industrie dachte vor fünf Jahren noch, dass die virtuelle Realität ihre Zukunft sein würde. Wie das Holodeck von Star Trek: Spiele, die dich total in eine fiktive Welt hineinziehen. Es ging immer nur um noch bessere Grafik. Dabei ist es gar nicht wichtig, ob du jetzt zum Beispiel mit oder ohne 3-D-Brille spielst. Denn wenn du in einem dunklen Raum sitzt und Quake spielst, dann transportiert dich deine Psyche sehr effizient in diese andere Welt, auch ohne hochelaborierte Darstellungstechnologie. In Zukunft werden Spiele um deine eigene Realität und Person herum gebaut werden.

Ist es das, woran Sie gerade arbeiten?

Ja. Wir erforschen, wie man die persönliche Realität zu einem Spiel machen kann. Nicht, wie wir dich in eine virtuelle Realität ziehen, sondern dein eigenes Leben spannender gestalten können. Es wird kein einzelnes Produkt sein, sondern ein System von Spielen, die aufeinander aufbauen. Das Geschäft hat sich komplett gewandelt. Wir müssen jetzt losgehen und schnell von den Nutzern lernen, anstatt fünf Jahre im Studio zu verbringen und dann auf’s Beste zu hoffen.

Allgemein heißt es immer, Spiele sind dazu da, der Realität zu entfliehen.

Oh, ja, wir neigen dazu, so zu denken, weil unsere Kultur uns sagt, diese Dinge seien trivial und bedeutungslos und dazu da, der Realität zu entkommen. Aber tatsächlich handelt es sich um eine Technik, mit der wir Realitäten erfahren können, zu denen wir eigentlich keinen Zugang haben.

Halten Sie es nicht für gefährlich, diese ganzen Daten zu sammeln?

Daten werden immer missbraucht. Für diejenigen, die im Jahr 2000 geboren wurden und mit Facebook aufwachsen, bedeutet Privatheit etwas anderes als für uns. Meine Sorge liegt woanders: Als jemand, der Unterhaltungserfahrungen produziert, kann ich mir vorstellen, wie viel Macht durch personalisierte Spiele ausgeübt werden kann. Dabei machen die Massenmedien schon jetzt süchtig.

Das Gespräch führte

Maximilian Vogelmann

Will Wright, 52,

entwickelt seit 1984 Computerspiele.

Sein bislang größter Erfolg: „Die Sims“.

Das Spiel wurde weltweit 125 Millionen Mal verkauft.

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