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Lobbyarbeit : Googles warme Umarmung

02.12.2011 08:52 Uhrvon

Google will sein Image verbessern. Neuerdings bindet das Unternehmen so ziemlich jeden ein, der in Deutschland über das Internet nachdenkt: Blogger, Wissenschaftler, Aktivisten. Ein Report aus der Netzszene.

Die Beträge sind klein - doch Großspenden gelten ohnehin als suspekt


Google erfindet das sanfte Anschmiegen an die engagierte Fachöffentlichkeit nicht neu. Mit ähnlichen Praktiken arbeiten andere Branchen seit Jahrzehnten. Nur macht es der Suchmaschinen-Riese besonders geschickt: Im Co:llab kriegt niemand einen Maulkorb verpasst, im Gegenteil. Die Arbeitsgruppen diskutieren kontroverse Themen der digitalen Gesellschaft – das Urheberrecht, die Privatsphäre, die Digitalisierung von Kulturgütern – und finden dabei oft keinen Konsens. Darum geht auch gar nicht. Wichtiger ist die soziale Nähe, die halb vertrauliche Atmosphäre, in der Google-Mitarbeiter Max Senges den Blogger Michael Seemann dann auch mal „Michi“ nennen darf. Die Hand, die Google den deutschen Netz-Experten reicht, wirft dabei eher mit Kleingeld: Über 60 000 Euro konnte das Co:llaboratory 2010 verfügen, 2011 waren es 200 000 Euro. Für eine Konzern sind das Peanuts. Doch zu viel Großzügigkeit könnte schnell kontraproduktiv wirken. Interessengeleitete Spenden bergen ein immenses Image-Risiko.
Google setzt daher in Deutschland, anders als in den USA, auf wohldosierte Aufmerksamkeiten. Aus den bisherigen vier Co:llabs sind weiterführende Arbeitsgruppen hervorgegangen, deren Projektleiter 500 Euro monatliche Aufwandsentschädigung erhalten. Außerdem hat jede Gruppe ein fünfstelliges Budget zur Verfügung, um Veranstaltungen zu organisieren oder Studien zu beauftragen. Das Geld dafür kommt auf dem kurzen Dienstweg, ein informeller Antrag reicht. „Und schreiben Sie ruhig, dass die Arbeitsgruppen grundsätzlich offen sind, jeder kann sich bewerben“, sagt Max Senges bei der Co:llaboratory Pressekonferenz.
Mit politischen Forderungen hält sich der Konzern selbst vornehm zurück. Lieber lässt man andere die Schaukämpfe führen: So prallten bei einer Podiumsdiskussion, organisiert von Google, jüngst die Positionen des Datenschutzbeauftragten Peter Schaar frontal auf die von Autor und Blogger Jeff Jarvis. Wieland Holfelder, Leiter des Google Entwicklungszentrums in München, gab dagegen den passiven Beobachter: „Wir sind ein Unternehmen, das für Feedback immer offen ist.“

"Google gibt keine Ergebnisse vor, sondern stellt die lernende und lauschende Eingabemaske bereit"
Jens Best, Politikwissenschaftler, Netzaktivist und selbst in einer der Co:llab-Arbeitsgruppen aktiv, sieht in dieser Strategie eine Analogie zu Googles Geschäftsmodell: „Google gibt keine Ergebnisse vor, sondern stellt die lernende und lauschende Eingabemaske bereit. Es geht nur darum, dass wir bei ihnen suchen sollen. Und nicht irgendwo anders.“ Man könnte die Metapher noch ein wenig weiter strapazieren: Google versucht nicht, die Inhalte der deutschen Datenschutz- oder Urheberrechtsdebatte zu kontrollieren, will aber über seine Algorithmen trotzdem Einfluss auf die öffentliche Meinungsfindung nehmen. Was wird wie gewichtet, welche Aspekte des Themas werden wann hervorgehoben? Google arbeitet mit der Agentur dimap communications zusammen, nach eigenen Aussagen eine „Beratungsgesellschaft für Government Relations, Corporate Communications, Public Diplomacy und Meinungsforschung“. Die Anliegen der Mandanten kommuniziere man „zielsicher in der politischen Arena und im öffentlichen Diskurs“.

Mozilla ist angeblich auch dabei - deren Büro sagt, es weiß nichts davon
Personelle Querverbindung innerhalb des Google-Zirkels bleiben nebulös: Über Ahmet Emre Açar, einen der Teilnehmer des aktuellen Co:llabs, heißt es in einer Kurzbiografie, er helfe Unternehmen bei der Entwicklung neuer Dienstleistungen. Doch Açar ist auch eines der sechs Gründungsmitglieder des Instituts für Internet und Gesellschaft. Er ist dort für Kooperationen zuständig.
Während das Logo der Google-Uni ausgespart wird, schmückt das Co:llaboratory sich mit anderen Partnern. Google-Mitarbeiter Senges berichtet, dass auch Mozilla den Think Tank unterstützt. Im Kreuzberger Mozilla-Büro wusste man davon nichts. Man stehe lediglich lose in Kontakt, von einer Kooperation könne keine Rede sein. Vielleicht nur ein Missverständnis? Googles warmer Umarmung entkommt zurzeit kaum noch jemand.

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