Microsoft-System im Test : Preview macht Lust auf Windows 10

Mit Windows 10 will Microsoft-Chef Satya Nadella positive Emotionen wecken. Von der Vorschau bis zum Marktstart vergeht zwar noch einige Zeit, aber die Richtung stimmt bereits.

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Gleichberechtigt: Programme und Apps teilen sich den Platz im neuen Startmenü.
Gleichberechtigt: Programme und Apps teilen sich den Platz im neuen Startmenü. Auch sonst herrscht zwischen alten und neuem...Screenshot: Tsp

Seit Anfang der Woche können technisch Interessierte das neue Microsoft-Betriebssystem Windows 10, das im Laufe des Jahres auf den Markt kommen soll, in einem frühen Stadium ausprobieren. Als Tester kennt man nun viele Wege, wie man die Vorschauversion nicht zum Laufen bekommt. Zwar sagt Microsoft, dass sämtliche Computer, auf denen Windows 8.1 läuft, prinzipiell geeignet sind. In der Praxis gilt dies jedoch wohl nur für nicht zu alte PCs oder Notebooks. Auf einem etwas älteren Laptop mit bekanntermaßen schwacher Grafikkarte stoppte die Installation immer an der vorletzten Stelle mit einer englischsprachigen Warnung, dass „der Computer ein Problem hat und nun neu gestartet werden“ muss. Aber selbst auf einem PC, auf dem sich die deutsche Version der Windows-10-Preview installieren ließ, bekamen wir die US-amerikanische Version nicht zum Laufen – darum ließ sich der Sprachassistent Cortana nicht ausprobieren, der nur in der englischen Version funktioniert. Das Umschalten der deutschen Version auf die US-englische führte nicht zum gewünschten Ergebnis.

Doch zuerst ein Schritt zurück. Voraussetzung für den Test ist eine Anmeldung beim Windows-Insider-Programm. Dort kann zwischen der 32- oder 64-bit-Version (sinnvoll, wenn mehr als vier Gigabyte Arbeitsspeicher zur Verfügung stehen) und verschiedenen Sprachversionen ausgewählt werden. Noch wichtiger ist jedoch die Entscheidung, wie Windows 10 installiert wird. Zwar lässt sich die Preview auch über ein bestehendes System mit Windows 7 oder Windows 8.1 installieren. Allerdings muss danach auf viele Funktionen wie unter anderem das Abspielen von DVDs verzichtet werden. Besser ist darum eine Neuinstallation auf einer eigenen Festplatte oder die Installation als sogenannte virtuelle Maschine mithilfe des Programms VMware. Der einzige Nachteil des zweiten Verfahrens besteht darin, dass sich Windows 10 dann die Leistung mit dem Betriebssystem des Wirtscomputers, auf dem die virtuelle Maschine läuft, teilen muss. In diesem Fall lassen sich dann keine verlässlichen Angaben darüber machen, wie flüssig das neue Windows wirklich läuft. Da Microsoft jedoch noch an vielen Stellen des neuen Betriebssystems arbeitet, sind solche Aussagen aber ohnehin kaum möglich. In unserem Test auf einem Computer mit Intel-i7-Prozessor und mit acht Gigabyte Arbeitsspeicher lief die 64-bit-Variante von Windows 10 kompromisslos flüssig.

Eine Technical Preview ist keine Public Beta

Doch selbst nach erfolgreicher Installation stellt man fest: Eine Technical Preview ist keine Public Beta - und erst recht kein Produktivsystem. Anders gesagt: Bereits nach kurzer Testzeit ist klar, warum es noch gut ein halbes Jahr dauern wird, bis Windows 10 in den Handel kommt. So gibt es Cortana bislang nur in der englischen Version, der neue Browser Spartan fehlt noch komplett und der neue Windows-Store befindet sich noch in der Beta-Phase. Das wiedergekehrte Startmenü öffnete sich in unserem Test zudem erst, nachdem wir auch die neuesten Updates für die Preview installiert hatten. Zudem gelten für die Preview gesonderte Lizenzbedingungen, die gegen den regulären Einsatz sprechen.
Zu den wichtigen Neuerungen in Windows 10 gehört das gleichberechtigte Nebeneinander von klassischen Computerprogrammen und modernen Apps, wie man sie von Smartphones und Tablets kennt. Der Unterschied zwischen diesen beiden Arten liegt dabei in der Komplexität der Anwendungen – wobei Microsoft seine Office-Apps so erneuern will, dass man auch mit ihnen den kompletten Funktionsumfang der Office-Suite bekommen soll.
Die neue Gleichstellung zeigt sich unter anderem im zurückgekehrten Startmenü. Neben den Symbolen zu den wichtigsten Speicherorten und den meistverwendeten Programmen lassen sich hier die favorisierten Apps unterbringen. Wie bei den mobilen Geräten werden auch im Startmenü wichtige Inhalte bereits in der Vorschau angezeigt.
Aber auch auf dem Desktop herrscht friedliche Koexistenz. Genau wie die Programme lassen sich nun auch Apps mit einem Klick auf das Kreuz in der Ecke schließen. Verschiedene Apps und Programme können zudem nun auf unterschiedlichen Desktops zusammengefasst werden, um mit einem Klick zwischen Beruf und Freizeit zu wechseln.

Auch sonst ist der Aufbau von Windows 10 erheblich klarer. Die von den Windows-8-Apps bekannte Nutzerschnittstelle Modern UI wird künftig in allen Bereichen aufzufinden sein. Die neuen Systemeinstellungen sind ein gutes Beispiel dafür, auch wenn derzeit viele Einstellungen noch über die alten Menüs abgewickelt werden müssen. Anstelle des ungeliebten Charms-Menüs auf der rechten Seite gibt es nun das deutlich sinnvollere Benachrichtigungscenter. Hier befinden sich wichtige Systemmeldungen, zudem lassen sich in diesem Bereich wie von Smartphones gewohnt wichtige Systemeinstellungen per Schnelloption aktivieren oder deaktivieren. Ebenfalls bemerkenswert: Die Verbindung von Windows mit der Microsoft-Cloud OneDrive wurde an verschiedenen Stellen verbessert. Und Xbox-Besitzer können ihre Konsolenspiele nun sogar auf dem PC weiterdaddeln.

Die Preview macht Lust auf das neue Windows

„Wir möchten, dass man Windows nicht nur nutzt oder braucht, sondern dass man es liebt“, hatte Microsoft-Chef Satya Nadella bei der Präsentation von Windows 10 gesagt. Hat man die Hürden bei der Installation erst einmal genommen, macht die Preview durchaus Lust auf das künftige Microsoft-Betriebssystem. Kurt Sagatz

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