Mobile Datenspeicher : Der Computer am Schlüsselbund

Vom USB-Stick können ganze Büroprogramme und sogar ein komplettes Betriebssystem gestartet werden.

Kurt Sagatz

Äußerlich haben sie sich wenig verändert, innerlich dafür um so mehr: Ein aktueller USB-Speicherstick fasst vier oder sogar sechzehn Gigabyte und damit häufig mehr, als die meisten Computer vor einigen Jahren auf ihre gesamte Festplatte packen konnten. Die ungeheure Speicherkapazität reicht damit nicht nur aus, um mehr als ein paar PowerPoint-Präsentationen oder Fotos vom letzten Urlaub aufzunehmen. Vielmehr können von den Sticks ganze Programmsammlungen und sogar ein eigenes Betriebssystem gestartet werden, so dass man seinen Computer quasi am Schlüsselbund mit sich herumtragen kann. Ob im Internet-Café oder an einem anderen Arbeitsplatzrechner, man hat das gewohnte Programm fürs Internet, das Abrufen der Mails, zum Verfassen eines Briefes oder sein eigenes Pokerspiel immer dabei.

WELCHE HARDWARE WIRD BENÖTIGT?

Der USB-Stick selbst ersetzt keinen Computer. Er kann jedoch alle Programme und Daten enthalten. Ein Stick mit einem Mindestvolumen von einem Gigabyte ist sogar groß genug, um ein komplettes Linux mitsamt aller Büro- und Kommunikationsprogramme sowie der Einstellungsdateien aufzunehmen und zudem noch Platz für Mails, Briefe und Präsentationen zu lassen. Wofür man sich entscheidet, ist Geschmackssache. In den meisten Fällen reicht es aus, sich über die Internetplattform PortableApps.com die speziellen Programmvarianten für den USB-Stick zu besorgen. Dann können die auf dem Stick gespeicherten Programme und eigenen Einstellungen mit fast jedem Windows-Computer unter XP oder Vista ausgeführt werden. Die Programme müssen dazu weder installiert werden, noch hinterlassen sie irgendwelche Spuren auf dem PC. Man kann die Stick-Idee aber noch weiter treiben und auf dem Datenspeicher ein komplettes Betriebssystem installieren. Theoretisch könnte es sich dabei sogar um Windows handeln. Allerdings sind die Schritte dahin sehr kompliziert, wie die Zeitschrift „com!“ in der Ausgabe 3/2008 gezeigt hat. Erheblich einfacher ist der Einsatz eines Portable-Linux. Die aktuelle „PC Praxis“ (5/08) liefert die Software und den Artikel dazu.

DAS KOMPLETTBÜRO FÜR UNTERWEGS

Die Basis für die Büroarbeit unterwegs stellen die Kommunikationswerkzeuge dar. Das Portal PortableApps.com bietet dazu im Bereich „Anwendungen“ die beiden kostenfreien Programme Mozilla Firefox und Thunderbird an. Ebenfalls sehr sinnvoll sind die beiden Chat-Programme Pidgin oder Miranda, die sowohl MSN, AOL als auch Yahoo unterstützen. Von „Werkzeugen“ ist der Passwort-Manager KeePass sowie das Programm Eraser Portable zum sicheren Löschen von Daten zu empfehlen. In jedem Fall sollte man prüfen, ob auf dem Stick noch Platz für das kostenfreie Büro-Komplettprogramm OpenOffice ist, das so gut wie alle Büroaufgaben erledigt. Download und Installation brauchen allerdings etwas Zeit. Um unterwegs für alle Fälle gerüstet zu sein, kommt nun noch der VLC Media Player sowie das Bildbearbeitungsprogramm Gimp auf den Stick. Und weil auch Büroarbeit seit der Erfindung von Solitär mal Zeit zur Entspannung lässt, sollte man gleich noch das eine oder andere portable Spiel auf den Stick überspielen. Portable-Apps bietet dafür unter anderem ein Sudoku-Spiel oder ein Poker-Programm für Texas Holdem an. Um die Anwendungen zu installieren, lädt man sich zuerst die PortableApps-Suite herunter, entweder komplett (90 Megabyte) oder besser noch in der gerade einmal einen Megabyte großen Version „Download Base Edition“. Sie installiert nur das Menü und die Basis-Funktionalität. Nun lädt man die gewünschten Anwendungen von PortableApps. Die Installation selbst erfolgt über die Optionen der kleinen PortableApps-Suite, die man zuvor auf dem Stick installiert und gestartet hatte. Die Suite sorgt dafür, dass die Programme in die richtigen Verzeichnisse kopiert und in die Menüstruktur aufgenommen werden. Zudem richtet sie eigene Ordner für Dokumente, Musik, Fotos und Filme ein, damit es auf dem Stick zu keinem Datenchaos kommt.

VOM USB-STICK LINUX BOOTEN

Das Mobillinux der „PC Praxis“ läuft auf allen Computern, die statt von der Festplatte auch vom USB-Stick gestartet werden können. Das trifft auf die meisten PCs und Notebooks für Windows oder Linux zu, die nach 2004 auf den Markt gekommen sind. Wichtig ist: Damit der Datenaustausch reibungslos und zügig funktioniert, sollten PC und Stick das schnelle USB 2.0 beherrschen. Ein Vorteil der von der Redaktion der „PC Praxis“ modifizierten Linux-Version besteht darin, dass dieses Sidux nicht nur einfach installiert, sondern genauso einfach auch wieder entfernt werden kann.

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