Mobilität : Die Handtaschen-Liga

Für die kleinen Netbook-Computer spricht der Preis, für die etwas teureren Subnotebooks die Leistung. Zwei Konzepte im Vergleich.

Kurt Sagatz,Ralf Schönball
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Passen fast in jede Handtasche: das Hercules eCafé (in der Tasche) und das Acer Aspire. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Sie sind klein, aber fein: In keinem anderen Computersegment ist derzeit die Auswahl so groß wie bei den Leichtgewichten unter den Mobilrechnern. Vor allem zwei Entwicklungen sind in der Handtaschenliga hinzugekommen. Einerseits entwickeln sich die ultrakleinen Netbooks immer mehr zu ausgewachsenen Zweitrechnern. Auf der anderen Seite haben die Hersteller von Notebooks ihre Geräte inzwischen so weit geschrumpft, dass sie sich äußerlich kaum noch von den Rechenzwergen unterscheiden – mit der Ausnahme, dass sie etwas teurer sind. Doch was muss ein Handtaschencomputer wirklich leisten? Und was darf er dann kosten? Wir haben die beiden Gerätetypen miteinander verglichen.

DAS DESIGN-NETBOOK ECAFÉ

Bei unserem Netbook-Testgerät handelt es sich um das Hercules eCafé EC-1000 W für rund 380 Euro, das über den in dieser Klasse typischen Intel-Atomprozessor mit 1,66 Gigahertz mitsamt einem Gigabyte Arbeitsspeicher verfügt. Der sehr helle 10-Zoll-Bildschirm bleibt auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen gut ablesbar und die 250-Gigabyte-Festplatte ist äußerst großzügig bemessen. Die Tastatur kommt auf 88 Prozent der Standardgröße, die Umgewöhnungszeit ist damit selbst für Männerhände recht kurz. Das trendige Design mit dem lila-blaumetallic Motivdeckel und den getrennten weißen Tasten dürfte allerdings eher den weiblichen Interessentenkreis ansprechen. Lautsprecher, Mikrofon und Webcam sind integriert, das WLAN funkt bereits im schnellen N-Standard (max. 300 Megabit/sec) und der Sechs-Zellen-Akku sorgt dafür, dass man die Steckdose fast vergessen könnte. Der größere Akkupack trägt nicht auf, wie bei Netbooks üblich muss man auf ein CD/DVD-Laufwerk verzichten. Nur den Nahbereichsfunk Bluetooth – praktisch, um per Handy ins Internet zu gehen – kann man erst nutzen, wenn man sich zusätzlich einen entsprechenden Adapter kauft, was rund 20 Euro kostet.

ACER: LEISTUNG AUF KLEINSTEM RAUM

Das Subenotebook Acer Aspire 1810 TZ für rund 510 Euro ist ein hübsches Stück Technik: 1,4 Kilo leicht passt es mit dem knapp 12 Zoll großen Bildschirm in fast jede Tasche. Immer und überall einsatzfähig ist es auch deshalb, weil Rechen- und Akkuleistung gut aufeinander abgestimmt sind. Das Gerät hält locker einen Achtstundentag durch, in der Praxis, und das heißt: Wenn man surft, schreibt, ein Video ansieht, aber zwischendurch auch mal ein Telefonat annimmt oder austritt – und somit den Mobilrechner zwischendurch in den Standby-Modus wechseln lässt. Weil der Prozessor (2 X 1,3 Gigahertz, dual) nicht zu viel Energie benötigt, wird auch das Gehäuse nicht allzu heiß und der Lüfter schaltet sich nur selten an, kurzum: der Acer bleibt cool. Die Mobilität erkauft man sich aber auch beim Acer Aspire mit einigen kleinen Abstrichen: Die Tastatur ist zwar größer als in dieser Geräteklasse üblich – sie reicht fast an die Standardmaße heran – aber Tippvirtuosen werden beklagen, dass die Absatztaste etwas zu weit vom rechten kleinen Finger entfernt liegt und die linke Shift-Taste sehr klein für den linken kleinen Finger ist. Weil die sonstigen Tasten sehr groß gehalten sind, kommt es zudem besonders bei den Cursor-Tasten zu einem unangenehmen Gedränge. Das Display wäre eigentlich hervorragend – spiegelt aber. Ein matter Bildschirm wäre die bessere Wahl, setzt sich am Markt aber nur mühsam durch, weil Kontrast und Farben dann weniger knackig leuchten. Genial ist das bewegungssensitive Touchpad. Zwei Finger auflegen und auseinanderzuziehen wie beim iPhone von Apple, schon verändert sich die Größe der Fenster und damit auch Schrift und Bild. Zum analogen Bildschirmanschluss gibt es zusätzlich einen HDMI-Anschluss zum Anschluss an aktuelle Flachbildfernseher. Dem Rotstift fiel dagegen das CD-Laufwerk zum Opfer. Im Zeitalter von USB-Sticks und kleinformatigen Speicherriesen (die Festplatte fasst 220 Gigabyte) ist das aber zu verkraften. Wie beim Hercules-Mobilcomputer haben wir auch beim Aspire auf Bluetooth verzichten müssen. Das Einstecken einer Sim-Card für das Surfen außerhalb von WLAN-Netzen ist nur bei ausgewählten Varianten des Aspire 1810 TZ möglich.

DAS LETZTE QUÄNTCHEN MEHR

Fazit: Das Acer-Subnotebook ist ein guter Kompromiss aus Leistung und Preis. Die nächste Notebook-Generation wird zwar bereits mit schnelleren Core-I7-Prozessoren verkauft. Doch diese Geräte sind nochmals erheblich teurer. Das Edelnotebook HP envy 15 (mit Lasergravur verziertes Alu-Gehäuse) kostet zum Beispiel 2000 Euro. Und die Leistung des Aspires reicht selbst zum Abspielen von HD-Videos aus, wenngleich der Import der Filme wegen des fehlenden optischen Laufwerks etwas komplizierter ist. Dieses Laufwerk fehlt freilich dem Hercules-Portable ebenfalls. Allerdings gehört das bei dieser Geräteklasse auch zum Konzept. Ein Computer wie das eCafé zeichnet sich hingegen dadurch aus, dass auf unnötige Funktionen verzichtet wird. Man kann unterwegs im Internet surfen, Mails abrufen und schreiben, Texte verfassen, Filme schauen oder einen Videochat führen. Dafür ist die nötige Software sogar schon vorinstalliert. Allerdings sollte man nicht auf die Idee kommen, mit einem Netbook – auch nicht einem der aktuellen Generation – Videos zu schneiden oder 3-D-Games zu spielen. Für alles andere reicht ein Micro-Notebook aus, einschließlich Windows 7 Starter Edition, einem ansprechenden Äußerem und genügend Ausdauer. Wer allerdings den Sprung von 370 zu 510 Euro mitmachen will, hat mit dem Acer Aspire ein Subnotebook mit Windows 7 Home Premium 64 Bit, das bei nahezu gleichen Mobilitätswerten doch das Quäntchen mehr an Leistung vorhält, auf das es mitunter ankommt.

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