Multimedia : Spiel’s noch einmal, Sam!

Filmfreunde feiern im vernetzten Heim ganzjährig Berlinale. Viel Technik ist dafür nicht nötig

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Mit und ohne Kabel: Das Heimnetzwerk kann nicht nur zum Surfen im Internet genutzt werden. Über die gleiche Technik lassen sich auch Bilder, Songs oder Filme teilen, um sie zum Beispiel auf dem Wohnzimmer-Fernseher zu genießen. Foto: pa/gms
Mit und ohne Kabel: Das Heimnetzwerk kann nicht nur zum Surfen im Internet genutzt werden. Über die gleiche Technik lassen sich...Foto: picture-alliance/ gms

Die Filmfans sind derzeit im Berlinale-Fieber: Sie freuen sich auf Krimis wie „Margin Call“, auf den Wim-Wenders-Film „Pina“ oder das Westerndrama „True Grit“. Für viele Filmfreunde findet die Berlinale jedoch ganzjährig statt, zwar nicht am Potsdamer Platz, dafür aber gemütlich daheim. Mithilfe der digitalen Technik wird das Heimnetz zur eigenen Mediathek mit Hunderten von Filmen. Die Voraussetzungen dafür sind in fast allen Haushalten mit mehr als einem Internetcomputer bereits vorhanden.

Die einfachste Form der Heimvernetzung erfolgt über Wireless-Lan-Router der aktuellen Generation. Die Geräte stellen nicht nur für sämtliche im Haushalt befindlichen Computer eine Verbindung zum Internet her, sie schließen zudem die PCs und Notebooks untereinander zu einem leistungsfähigen Netzwerk zusammen. Dateien, die an einem Computer freigegeben werden, stehen den Nutzern der anderen Computer dann ebenfalls zur Verfügung. Am schnellsten werden die Daten per Netzwerkkabel übertragen. Router wie die AVM Fritz Box 7390 (ab 220 Euro) erlauben den Anschluss von bis zu vier Computern. Da dafür Kabel verlegt werden müssen, bietet sich diese Variante allerdings nur bei Computern oder anderen Geräten an, die an einem festen Platz stehen. Aber auch ohne Kabel lassen sich mit modernen Routern, die den schnellen Standard 802.11N mit bis zu 300 Megabit pro Sekunde unterstützen, Netzwerke für die gemeinsame Nutzung von Multimediadateien aufbauen. Obwohl die tatsächliche Übertragungsleistung in der Praxis weit unter den theoretischen Maximalwerten liegt, lassen sich damit dennoch Filme in High-Definition streamen. Zum Verständnis: Beim Streaming wird nicht erst die gesamte Datei übertragen, bevor ein Film angeschaut werden kann. Das Abspielen beginnt direkt nach dem Aufruf der Filmdatei.

Doch Wlan-Router wie die Fritz Box 7390 können noch mehr, in dem sie zugleich als zentrale Datenspeicher fungieren. Die 7390 enthält einen 500 Megabyte großen internen Speicher, auf dem Musik, Bilder oder kleine Filme zentral gespeichert werden können. Zudem können an die USB-Anschlüsse der Box auch externe Festplatten angeschlossen werden, so dass sich auch größere Datenmengen beispielsweise für Filme direkt im Heimnetz speichern lassen. Die Box dient dann als sogenannter Mediaserver, der nicht nur von Windows-Rechnern erkannt wird, sondern auch bereits von einigen TV-Geräten mit Netzwerkanschluss oder Videospielekonsolen wie der Playstation 3 oder der Xbox 360.

Für die ganz große Filmsammlung bieten sich hingegen Netzwerkspeicher wie die Diskstation 211+ von Synology für 329 Euro an. Das Gerät nimmt im Bücherregal kaum mehr Platz ein als Jonathan Franzens Roman „Freiheit“. Das Gerät arbeitet flüsterleise, im Inneren steckt ein Netbook-Prozessor, die Festplatten müssen gesondert gekauft werden. Die Diskstation ist nicht nur ein gemeinsamer Speicher für Fotos, Filme und Dateien, sondern auch ein Internetradio mit voreingestellten Sendern oder ein Sicherungsserver für Dateien anderer Rechner. Als heimische Kommandozentrale freigeschaltet, kann man Daten von unterwegs mit dem Smartphone abrufen. Zudem ist ein iTunes-Service integriert, der jedes Apple-Endgerät mit Fotos, Videos oder Musik versorgt. Sogar die eigene Homepage kann man auf der Diskstation hosten – und Gebühren sparen. Die Daten lassen sich per Passwort schützen, auch eine Übertragung über einen virtuellen Tunnel ist möglich. Im Praxistest konnte der Mediaserver überzeugen, selbst per Wireless-Lan laufen die Filme ruckelfrei. Auch der gleichzeitige Zugriff auf den Film von mehreren Rechnern gelingt komplikationsfrei. Das Übertragen eines 1,5 Gigabyte großen Films von einem anderen PC über das Netzwerk dauert rund zwei Minuten. Wer bei der Einrichtung seine ganze Terrabytegroße Filmsammlung überträgt, wird den externen USB- oder besser noch den Sata-Anschluss nutzen, über die externe Festplatten direkt mit der Station verbunden werden.

Das Abspielen der Filme auf den TV-Geräten und Konsolen ist denkbar einfach. Voraussetzung ist, dass die Geräte entweder per Kabel oder per Wireless-Lan mit dem Heimnetz verbunden sind. Die verfügbaren Mediaserver und die im Netz freigegebenen Computerordner werden automatisch erkannt. Auch die Bedienung erfordert keinerlei Vorkenntnisse. Zu den Medienarten Musik, Filme und Bilder werden sämtliche Datenquellen angezeigt, über ein Steuerkreuz werden die gewünschten Inhalte ausgesucht.

Mitunter stecken die Tücken dabei im Detail: Ein wenige Monate alter Bravia-Fernseher von Sony fand zwar den AVM-Mediaserver, doch die darauf gespeicherten mpg-Dateien konnte der Flachbildfernseher nicht erkennen, obwohl ihm dies bei der Windows-Freigabe auf einem Computer problemlos gelang. Die Playstation 3 hat diese Probleme nicht. Sowohl PC-Medienfreigabe als auch den AVM-Mediaserver mitsamt aller darauf gespeicherten Multimediainhalte erkennt die an das Netzwerk angeschossene Spielekonsole und gibt die Dateien über den Fernseher wieder.

Als Streaming-Box kann zudem Apple TV eingesetzt werden. Der kleine schwarze Kasten, der mittels HDMI-Kabel mit einem Flachbildfernseher verbunden ist, dient zwar in erster Linie als Zugang zur Onlinevideothek in Apples iTunes-Store. Sie kann aber auch Inhalte wiedergeben, die auf anderen Computern oder Mediaservern gespeichert sind. Voraussetzung ist, dass darauf die Apple- Software iTunes installiert ist und über einen Zugang zum iTunes-Store verfügt. Denn diese Anmeldedaten werden benötigt, damit Apple TV die gespeicherten Songs, Bilder oder Videos finden kann. Allerdings ist Apple eigen, wenn es um die richtigen Formate geht. Vor dem Import müssen einige Videos erst zeitraubend umgewandelt werden. Diese Tücken der Technik erinnern aber vielleicht auch nur daran, dass man manche Filme eben nur im großen Kino erleben sollte.

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