Nach dem Virus : Alles zurück auf Anfang

Viren, Hacker, Phishing-Fallen: Irgendwann kommt der Moment, da hilft nur noch die Windows-Neuinstallation. Was man dabei beachten muss.

Jörn Hasselmann,Kurt Sagatz
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Zugang gesperrt. Die Passwort-Fischer haben es bei ihren Attacken vor allem auf sensible Zugangsdaten für Online-Banking oder auf...dpa-Zentralbild

„Aus Sicherheitsgründen haben wir am 1. 10. 2009 Ihren Zugang zum Online-Banking gesperrt. Bitte rufen Sie unsere Online Banking Hotline an.“ Nach einem solchen Brief kann man glücklich sein, wenn das Konto nicht bereits restlos geplündert wurde. Dabei handelt es sich um einen durchaus realen Fall. „Wir haben leider Grund zu der Annahme, dass ohne Ihre Einwilligung auf Ihr eBay-Mitgliedskonto zugegriffen wurde. Bis zur vollständigen Wiederherstellung Ihres eBay-Mitgliedskontos haben wir dieses sicherheitshalber gesperrt“, informierte zugleich das Internet-Auktionshaus den gebeutelten Internetnutzer. Aber es kam noch schlimmer. Bei einem kompletten Suchlauf wurde der Virenscanner fündig. Doch der Versuch, den Schädling zu entfernen, führte dazu, dass Windows nicht mehr gestartet werden konnte. Der Computer-Besitzer entschied sich für eine radikale Lösung. Da mit dem Computer neben dem Online-Banking auch andere Finanztransaktionen abgewickelt werden, ließ er sich davon überzeugen, dass eine Neuinstallation die einzig vernünftige Lösung ist.

SCHRITT 1: RETTUNG DER ALTEN DATEN

Zuerst wurden alle wichtigen Daten und Einstellungen des verseuchten PCs gerettet. Mit Blick auf die Zukunft wurde ein externe USB-Festplatte von Toshiba mit einer Kapazität von 500 Gigabyte ausgewählt, die später Platz für mehrere vollständige Abbilder des Systems bietet. Der Computer wurde dafür über eine sogenannte Live-CD gestartet, da der normale Systemstart nicht möglich war. Wir haben dazu die von der Zeitschrift „Computer-Bild“ erstellte „Windows Service-CD für XP und Vista“ eingesetzt, vergleichbare CDs liegen regelmäßig den Computerzeitschriften bei. Nach dem Start des Systems kann mit einem Explorer auf die Dateien des Computers zugegriffen werden. Neben dem kompletten Verzeichnis sämtlicher Nutzer des PCs, das sich unter Windows XP in „Dokumente und Einstellungen“ befindet, sollte auch der Programme-Ordner nach persönlichen Daten durchsucht werden. Ist das Kopieren auf die externe Festplatte abgeschlossen, wird ein lauffähiger Computer mit aktuellem Virenscanner benötigt. Damit wird der Inhalt der externen Festplatte zuerst per Komplettscan auf eine mögliche Verseuchung getestet. Erst danach sollte mit dem Windows Explorer untersucht werden, ob die Datensicherung erfolgreich war.

SCHRITT 2: DAS NEUE SYSTEM

Im nächsten Schritt wird Windows komplett neu installiert wird. Dabei gehen sämtliche zuvor gespeicherten Daten verloren. Zugleich wird die Festplatte in zwei Teile aufgeteilt: In einen Bereich (Partition) für Windows und die installierten Programme und eine zweite Partition für alle Nutzerdaten. Sollte später einmal die Systempartition beschädigt werden, bleiben so die persönlichen Daten davon unberührt. Bei der Aufteilung hilft das Windows-Setup-Programm. Bei der Frage, in welcher Partition sich Windows befinden soll, wird das alte Systemlaufwerk zuerst gelöscht. Nun können in dem freien Platz die neuen Partitionen eingerichtet werden. Für die erste Windows-Partition sollten 50 Gigabyte freigehalten werden, der Rest steht dann den Nutzdaten zur Verfügung.

SCHRITT 3: SICHER IST SICHER

Sobald der Computer nach der Neuinstallation mit dem Internet – also mit dem Router – verbunden wird, muss der Virenscanner installiert und aktualisiert werden. Wer gerade einen Viren-Gau hinter sich hat, entscheidet sich sinnvollerweise für den Rundum-Schutz einer kompletten Security-Suite. Laufen Virenscanner und Firewall, wird das System per Windows Update (zu erreichen über den Windows Startbutton) auf den neuesten Stand gebracht. Ganz wichtig: Vor allem ältere Versionen des Internet Explorers gelten als Einfallstor für neue Viren. Nach Abschluss der Aktualisierung können nun die gewohnten Programme neu installiert und die zuvor kontrollierten persönlichen Daten zurückgespielt werden. Nun heißt es, eine erneute Totalkatastrophe zu verhindern. Dies erreicht man unter anderem, indem von dem gerade erstellten, neuen System ein genaues Abbild erstellt wird, das im Ernstfall in wenigen Minuten wiederherzustellen ist. Ein gutes Programm für diesen Zweck ist Acronis True Image Home, das gerade in der Version 2010 veröffentlicht wurde, die auch für Windows 7 geeignet ist.

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