Nachrichtenzentralen : Mails für Millionen

GoogleMail, Hotmail, Web.de und GMX: Nicht nur der neue Message-Dienst von Facebook bietet Kommunikation aus einer Hand.

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Viele junge Facebook-Nutzer werden bei der Frage, wann sie zuletzt eine E-Mail verschickt haben, verdutzt reagieren. Die 500 Millionen Mitglieder des weltweit größten sozialen Netzwerkes kommunizieren zwar, was das Zeug hält, und verschicken dabei täglich vier Milliarden Kurznachrichten innerhalb von Facebook. Die eigene E-Mail-Adresse benötigen sie jedoch immer seltener. Ganz verzichten können aber selbst die Social-Media-Fans nicht auf die klassische Mail. Im offiziellen Schriftverkehr, zum Beispiel bei einer Bewerbung, macht sich eine E-Mail-Adresse erheblich besser als ein Facebook-Account mit einem ausgefallenen Nutzernamen.

DIE „SOCIAL INBOX“ VON FACEBOOK

Bei vielen Gelegenheiten können die Facebook-Nutzer künftig tatsächlich auf die normale Mail verzichten. Mit dem Anfang der Woche vorgestellten neuen Message-Dienst und der sogenannten „Social Inbox“ macht es Facebook seinen Nutzern möglich, E-Mails mit der Adresse Nutzername@facebook.com zu verschicken oder Mails an diese Adresse zu erhalten. Egal, ob sie nun vor dem Computer sitzen oder auf ihrem Smartphone die Facebook-App installiert haben, können sie sich zudem vom Chat bis zur SMS auf alle erdenklichen Arten austauschen. Dabei ist Facebook weder der erste noch der einzige Dienst, der seine Nutzer mit solchen Kommunikationszentralen an sich binden möchte, zumal es für die Facebook-Message weder eine Betreffzeile noch eine Funktion für Blindkopien gibt und es nicht möglich ist, die Mails mit einem externen Programm abzurufen oder zu bearbeiten.

STÄNDIG NEUE FEATURES IN GOOGLEMAIL

GoogleMail, oder kurz GMail, wie Googles Maildienst außerhalb Deutschlands heißt, ist noch relativ jung. Beim Start des Regelbetriebs vor drei Jahren machte der kostenlose Maildienst insbesondere mit der Größe seines Postfaches – damals ein Gigabyte – auf sich aufmerksam. Die Größe wurde seither mehrfach aufgestockt. Weil es darum kaum noch nötig ist, Mails zu löschen, kann Google seine Stärken beim Durchsuchen des Mailbestands ausspielen. Aber auch zum direkten Austausch taugt GoogleMail mit seiner Chatfunktion, die sowohl Text- als auch Sprach- und Videochats erlaubt. Äußerst praktisch sind die Schnellansichten: So lassen sich Anhänge von Office-Dokumenten (Microsoft und OpenOffice) sowie PDF-Dateien, aber auch Fotos und Videos direkt anzeigen. Die entsprechenden Programme müssen nicht extra auf dem eigenen PC installiert werden. Dass GoogleMail dennoch von vielen Internetnutzern kritisch gesehen wird, hängt damit zusammen, dass Google den Inhalt der Mails analysiert. So wird versucht, dem Nutzer möglichst zielgerichtete Werbung zu präsentieren.

VIEL PLATZ BEI HOTMAIL

Microsoft hat seinen E-Mail-Service Windows Live Hotmail – mit 360 Millionen Konten die Nummer eins – gerade erst runderneuert und dabei kräftig ausgebaut. Zum einen können die Mails nun leichter sortiert werden. Zum anderen wurde das Versenden großer Bilder erleichtert. Die Nutzer von Hotmail können nun Bilddateien mit bis zu zehn Gigabyte Größe verschicken. Dazu hat Microsoft den Hotmail-Dienst mit der Online-Festplatte Skydrive gekoppelt. Die Bilder werden automatisch in Skydrive gespeichert. Der Empfänger der Mail erhält die großen Bilddateien nicht direkt, sondern lediglich Vorschaubilder der angehängten Fotos, die dann von Skydrive nachgeladen werden können. Wie bei GoogleMail können auch die Hotmail-Nutzer Office-Dokumente von Word, Excel, Power Point oder OneNote direkt in der Mail öffnen und sogar online bearbeiten. Wie alle Freemailer wird dieser Dienst mit Werbung finanziert.

DIE DEUTSCHEN: GMX UND WEB.DE

Die deutschen E-Mail-Anbieter GMX und Web.de, die beide zum Unternehmen United Internet gehören, unterscheiden bei ihren E-Mail-Diensten zwischen kostenfreien Freemail-Angeboten und kostenpflichtigen Premiumdiensten. Web.de hat sich dabei als zuverlässiger, aber eher klassischer E-Mail-Dienstleister positioniert. GMX spricht hingegen den technikaffinen Nutzer an. Das macht sich unter anderem beim Speicherplatz bemerkbar. Bei der kostenlosen Web.de-Variante ist er auf zwölf Megabyte beschränkt. GMX erlaubt hingegen ein Gigabyte. Die neue GMX-Oberfläche „Mail 2010“, die demnächst vom kostenpflichtigen Teil auf den Freemail-Bereich ausgeweitet wird, ist bereits klar am Netzwerkgedanken ausgerichtet. So lassen sich Facebook-Kontakte importieren, die gesamte Kommunikation mit Mail, Fax, SMS, Chat orientiert sich daran, auf welche Arten eine Person erreichbar ist. Schnellansichten von Dokumenten, Bildern und Videos sind ebenfalls integriert. In Web.de sollen die neuen Funktionen im zweiten Quartal 2011 eingeführt werden.

DIE ZUKUNFT DER E-MAIL

Auch in Zeiten von Social Media ist die E-Mail noch lange nicht tot. Allerdings nehmen die anderen Kommunikationsformen wie besonders der direkte Chat-Kontakt an Bedeutung zu. Dienste wie GoogleMail und Facebook haben sich darauf eingestellt und integrieren alle Kommunikationsformen an einer zentralen Stelle, die anderen stehen in den Startlöchern. Fest steht aber auch: die Anbieter sind daran interessiert, dass sich die Investitionen auszahlen. Mehr Service geht somit auch mit mehr Werbung einher.

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