Digital : Napster schlägt zurück

Bereits im Sommer sollen alle Kaufsongs in Deutschland ohne Kopierschutz angeboten werden

Kurt Sagatz,Torben Waleczek

Als Sony BMG vor kurzem ankündigte, nach Warner, EMI und Universal Music als letzter der vier großen Musiklabels seine Songs künftig ohne Kopierschutz über den Online-Händler Amazon anzubieten, wurde dies vielfach bereits als das Ende des lästigen Kopierschutzes insgesamt gewertet. Tatsächlich war dies wohl etwas vorschnell, denn von den neuen kopierschutzfreien Zeiten profitieren bei Amazon vorerst nur die US-Kunden. Auf der deutschen Seite lassen sich derzeit nur kurze Ausschnitte anhören, per Download wird hier keine Musik verkauft. International will Amazon im Laufe des Jahres mit dem Verkauf von Musik ohne Kopierschutz beginnen, ein Termin für den Deutschlandstart ist noch nicht bekannt. Gleichwohl umtreibt das Thema Kopierschutz derzeit jeden Internet-Musikshop und lässt auch die Hörbuchplattformen nicht kalt. Wir haben nachgefragt, was iTunes, Musicload und Co. planen.

EHRGEIZIGE ZIELE: NAPSTER

Neben Amazon gehört der Musikdienst Napster – einst berühmt-berüchtigt als illegale Musiktauschbörse, nun zurückgekehrt mit einem speziellen Abo-Service – zu den Portalen, die besonders schnell vom Kopierschutz Abschied nehmen wollen. In den USA soll die Sperre bei Napster im zweiten Quartal fallen, im Sommer in Deutschland. Die zum Verkauf angebotenen Titel werden dann vom Format WMA auf das kopierschutzfreie MP3- Format umgestellt. Ob alle großen Labels dabei sein werden, ist unklar. Die Änderung betrifft bei Napster zudem nur den Einzelverkauf (99 Cent pro Titel) und Alben (ab 9,95 Euro), nicht das Abo-Modell. Die tragende Säule im Geschäftsmodell von Napster ist nämlich die Vermarktung von Musik-Flatrates. Zu einem monatlichen Pauschalpreis (9,95 Euro oder 14,95 Euro) kann der Nutzer aus einem Fundus von fünf Millionen Liedern unbegrenzt Musik herunterladen. Beim Flatrate-System bleibt der Kopierschutz erhalten: Das Brennen auf CD ist hier grundsätzlich nicht möglich, die Übertragung auf mobile Geräte je nach Tarif auf höchstens drei Player beschränkt.

ITUNES: EMI OHNE KOPIERSCHUTZ

Der iTunes-Shop von Apple ist sowohl weltweit als auch in Deutschland nach eigenen Angaben der Marktführer unter den Musik-Downloadportalen. Aktuell lassen sich über die Plattform gut sechs Millionen Songs herunterladen. Ein Teil des Angebots wird seit April 2007 auch ohne Kopierschutz angeboten. Dabei handelt es sich um den Bereich des iTunes-Katalogs, der mit Stücken von EMI gefüllt wird. Anfangs wurden diese als iTunes-Plus bezeichneten Songs für 1,29 Euro angeboten – alle anderen Einzelstücke kosteten 99 Cent, inzwischen sind aber auch die EMI-Titel für 99 Cent zu haben. Ob und wann auch die Songs der anderen großen Labels kopierschutzfrei verkauft werden, ist nicht absehbar. „Es bleibt unser Ziel, in unserem Katalog möglichst viele Songs ohne DRM (siehe Kasten) anzubieten“, erklärte der deutsche Apple-Sprecher Georg Albrecht. Aber auch bei einem Wegfall des Kopierschutzes will Apple an dem Format AAC festhalten, „da dies das beste Verhältnis aus Qualität und Komprimierung“ biete.

MUSICLOAD: EIN VIERTEL BEREITS OHNE

Wie auch iTunes bietet die Plattform Musicload bislang nur einen Teil des Musiksortiments im MP3-Format ohne Kopierschutz an, mit rund 750 000 Songs rund ein Viertel des Gesamtangebots. Dazu gehören die Titel der Firma EMI und vieler Independent-Labels. Mit den drei anderen großen Plattenfirmen verhandelt Musicload derzeit, um möglichst rasch den gesamten Katalog auf MP3 umzustellen. Ein Termin dafür steht noch nicht. Die Kosten für die Lieder liegen zwischen 79 Cent und 1,99 Euro. Der aktuelle Kopierschutz bei Musicload erlaubt bis zu zehn Kopien auf CD und mindestens 25 Übertragungen auf mobile Player.

AOL: INDEPENDENTS GEHEN VORAN

„Je eher, desto besser“, heißt es bei AOL Deutschland, wenn es um den Abbau des Kopierschutz-Hindernisses geht. Seit Ende Januar verkauft das Portal Titel der Independent Labels Kontor und Edel Music von Künstlern wie Scooter, Disco Boys und beFour als MP3s ohne Kopierschutz. Mit EMI ist AOL Deutschland im Gespräch, mit einer Einigung ist in naher Zukunft zu rechnen, sagt der AOL-Verantwortliche Stefan Betzold. Insgesamt umfasst der Musikkatalog von AOL Deutschland 1,5 Millionen Stücke. Die kopiergeschützten Titel werden im WMA-Format angeboten. Beim Preis werden zwischen geschützten und kopierschutzfreien Titeln keine Unterschiede gemacht.

HÖRBÜCHER MIT UND OHNE SPERRE

Der Kopierschutz ist auch für die Anbieter von Hörbüchern zum Download ein wichtiges Thema. Das Hörbuchportal Audible.de verwendet zum Beispiel ein spezielles Format (.aa) für seine Titel, das es erlaubt, auch ungekürzte Buchvorlesungen in einer akzeptablen Größe in einer einzigen Datei inklusive Lesezeichen zu übertragen und zudem mit einem Kopierschutz zu versehen. Derzeit gibt es nach Angaben von Audible keine Pläne, von diesem Format und dem Kopierschutz abzugehen. Wichtiger sei es, „dass sich die Branche auf einen Standard einigt, der mit allen Audioplayern kompatibel ist“, sagte Kathrin Rüstig, Leiterin Content & Editorial bei Audible. Andere Portale wie Libri.de mit seinem ebenfalls sehr breiten deutschsprachigen Hörbuchkatalog bieten neben den kopiergeschützten Titeln im WMA-Format auch MP3-Hörbücher an, die dann allerdings mit einem digitalen Wasserzeichen versehen werden. Die Auswahl an MP3-Titeln ist bei Libri sogar höher als die der WMA-Hörbücher, 90 Prozent der Titel werden als MP3 angeboten. Ganz ohne Kopiersperre geht es derzeit wohl noch nicht, vor allem amerikanische Autoren und Verlage bestehen auf dem Kopierschutz. Preislich macht der Kopierschutz keinen Unterschied. Allerdings kosten Hörbücher zum Herunterladen bei Audible und Libri.de grundsätzlich weniger als sonst die CD-Version.

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