Neid im Netzwerk : Macht Facebook unglücklich?

Facebook-Fotos zeigen gern die schönen Seiten des Lebens. Urlaub am Pazifik, Sandsurfen in Dubai, Ausflüge ins Grüne. Wer das sieht, denkt: Alle haben ihren Spaß, nur ich muss arbeiten. Wie soziale Netzwerke unser Selbstwertgefühl beeinflussen.

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Klassische Motive sind strahlende Menschen vor exotischer Kulisse, blaue Himmel und Extremsport.
Klassische Motive sind strahlende Menschen vor exotischer Kulisse, blaue Himmel und Extremsport.privat

Unsere Freundin Sarah saß auf dem Sofa und tippte auf ihrem Smartphone. Facebook-App. Nur mal gucken, was der Freundeskreis gerade so macht. Während sich die anderen auf der Party unterhielten, blätterte sie durch die Leben ihrer Bekannten. Musik dudelte, die Stimmung war nett, doch ihr Blick wurde finster. Plötzlich platzte es aus ihr heraus. „Schon wieder ist der Typ im Urlaub“, motzte sie, das Telefon in die Luft haltend, „und wir sitzen hier nur ’rum und müssen morgen wieder zur Arbeit!“

„Was denn?“, fragte jemand, und Sarah hob an, wie sehr ihr die permanenten Gute-Laune-Meldungen ihrer Facebook-Freunde auf den Keks gingen. Überall lächelnde Kinder, spielende Welpen, ausgelassene Menschen. Eine glückliche Welt, die dank der Retrofilter der Handykameras auch noch aussehe wie ein Musikvideo. „Das eigene Leben“, sagte sie und guckte in den Raum, „ist dagegen doch total langweilig.“ Sie steckte das Handy ein und nahm sich noch ein Bier.

Mich machte das nachdenklich. Dass die anderen ein spannenderes Leben führen als man selbst, den Verdacht teilen ja viele. Doch warum eigentlich? Und warum macht uns vermeintliches Glück anderer unglücklich – und was hat Facebook damit zu tun?

„Sich zu vergleichen, ist Teil der menschlichen Natur“, sagt der Biopsychologe Peter Walschburger, der an der Freien Universität Berlin lehrt. Fast alles ergibt für unseren Verstand nur dann Sinn, wenn es in Relation zu einer Bezugsgröße steht. Und wer innerhalb der sozialen Rangordnung weit oben stehen möchte, braucht Anerkennung und Aufmerksamkeit – er muss lernen, sich möglichst gut in Szene zu setzen.

Im vergangenen Jahrhundert klang das dann zum Beispiel so: „Mein Haus, mein Auto, mein Boot.“ Zack, zack, zack wurden die Bilder auf den Tisch geknallt. Wer in den späten 1990er Jahren einen Fernseher besaß, wird sich an den Angeberdreisatz aus dem Werbespot für Anlageberatung erinnern. Unsere Identität konstruieren wir zu einem guten Teil aus der Akzeptanz, die uns eine soziale Gruppe entgegenbringt. Ich bin, was die anderen denken, was ich bin.

In sozialen Netzwerken wie Facebook, das inzwischen von einer Milliarde Menschen genutzt wird, geschieht prinzipiell dasselbe wie in dem Werbespot – nur mit erweiterten technischen Mitteln. Die Pinnwände der Nutzer sind gepflastert mit Meldungen, in denen Freunde ihren Ausflug zum Badesee oder auch nur den letzten Einkaufsbummel als Event präsentieren, und Bildern, die aussehen wie Werbefotografien.

Ein Blick auf meine Facebook-Wand: Meine Schwester macht gerade Stopover auf dem Flughafen von Dubai, auf dem Weg zum Arbeiten in Tokio, ein Kumpel lädt regelmäßig seine Joggingrunden plus dabei verbrannten Kalorien hoch, eine Bekannte steht im Sari auf einer indischen Hochzeit, ein amerikanischer Kollege aus Montana war Jagen… Und was hab’ ich heute gemacht? Ich bin aufgestanden, habe gefrühstückt, Zeitung gelesen, sitze jetzt am Schreibtisch, arbeite und versuche, in den Pausen mit dem Kundenberater der Telekom rauszufinden, warum das Internet dauernd ausfällt. Klingt im direkten Vergleich alles nicht nach etwas, das man posten würde. Jedenfalls nicht, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

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