Neuvorstellungen : Die Techniktrends der Ifa 2013

Smarte Uhren fürs Handgelenk, Ultra HD fürs Wohnzimmer und Retrotechnik für Auge und Ohr. Wir stellen die Techniktrends der Ifa vor.

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Beste Aussichten: Vom 6. bis zum 11. September findet in den Messehallen unterm Funkturm die Internationale Funkausstellung statt. Bei der Präsentation von Samsung wird's bunt.Weitere Bilder anzeigen
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06.09.2013 16:17Beste Aussichten: Vom 6. bis zum 11. September findet in den Messehallen unterm Funkturm die Internationale Funkausstellung statt....

Große Überraschungen verstecken sich oftmals hinter kleinen Dingen. Das haben zumindest die mehreren hundert Journalisten gehofft, die am Mittwochabend in langen Schlangen vor dem Berliner Tempodrom ausharrten, um die Vorstellung von Samsungs Smartwatch Galaxy Gear zu verfolgen – und um die Computeruhr selbst ausprobieren zu können. Tragbare Computer gelten als der letzte Schrei. Mit der Vorstellung der Galaxy Gear hat Samsung vorgelegt, andere Unternehmen wie Apple, Google und offenbar auch Microsoft werden folgen. So klein die Uhren sind, so groß sind die Einsatzfelder einer Smartwatch. Wird ein ankommender Anruf angezeigt, hebt der Besitzer den Uhrenarm Richtung Kopf und kann lostelefonieren. Fotos lassen sich quasi mit versteckter Kamera über die im Armband integrierte Linse aufnehmen. Eine Suchanfrage lässt sich per Sprachsteuerung mit der Uhr absetzen, das Ergebnis wird entweder vorgelesen oder auf dem dazugehörigen Samsung Smartphone oder Smart-Minitablet angezeigt. Tatsächlich funktioniert die Smartwatch nur in Kombination mit einem dieser Samsung-Geräte. Fest steht: Das Interesse an den „intelligenten“ Uhren ist groß, am Samsung-Stand auf der Ifa in Halle 20 sollte man Geduld mitbringen.

MEHR LICHT FÜR E-BOOKS

Keine Premiere, aber eine interessante Weiterentwicklung zeigt Amazon während der Ifa. Das E-Book-Lesegerät Kindle Paperwhite 2 wurde mit einem schnelleren Prozessor aufgewertet, vor allem die Displaybeleuchtung wurde überarbeitet. Bei der ersten Generation des Paperwhite gab es am unteren Rand unschöne Schattenmuster, dieses Problem soll nun behoben worden sein. Andere Neuerungen sollen vor allem das Lesen selbst komfortabler gestalten, so wurde unter anderem die Lesezeichen-Verwaltung verbessert und auch das Nachschlagen von Fremdwörtern wurde überarbeitet. Wer häufig Vokabeln in fremdsprachigen Texten nachschlägt, dürfte sich über das eingebaute Vokabeltraining freuen. Insgesamt verspricht Amazon, dass mit dem Paperwhite 2 Buchseiten kaum noch von denen eines gedruckten Buches zu unterscheiden sein sollen. Mit W-Lan-Modul kostet der Paperwhite nach dem Verkaufsstart am 9. Oktober rund 130 Euro, mit mobilem Internetzugang rund 190 Euro.

COMPUTER RUND UM WINDOWS

Neben Super-Flach-Fernsehern mit gestochen scharfer Ultra-HD-Technik wird es auf der Ifa aber auch zahlreiche Neuigkeiten aus dem PC-Bereich geben. „Wir werden auf der Ifa den größten Hardware-Aufschlag für Windows 8.1 sehen“, kündigte Oliver Kaltner von Microsoft an. Neben dem Surface-Tablet aus eigenem Hause handelt es sich dabei um rund 25 neue Geräte der Hardwarepartner vom Tablet über Notebooks bis zu Proficomputern mit dem neuen Betriebssystem Windows 8.1. Das Ultrabook Aspire P3 von Acer (großes Bild) mit der in die Schutzhülle integrierten Tastatur lässt sich zum Beispiel genauso gut als Tablet nutzen. Mit dem Gerät will Acer (Halle 12, Stand 101) trendbewusste Anwender und Vielreisende ansprechen, die in puncto Mobilität und Leistung keine Kompromisse eingehen wollen. Mit einem Preis von rund 600 Euro ist das 1,4 Kilogramm schwere Tablet-Notebook durchaus erschwinglich.

AUF TEUFEL KOMM RAUS

Die Berliner Hifi-Spezialisten von Lautsprecher Teufel sind Partner des Musik-Streamingdienstes Spotify. Mit dem Lautsprecher iTeufel Air Blue und Spotify Connect kann von Spotify Premium bei der Musikwiedergabe erstmals nahtlos zwischen Mobilgeräten und Lautsprechern umgeschaltet werden, ohne dabei einen einzigen Takt zu verpassen. Weil Spotify-Connect-fähige Geräte nun direkt aus dem Internet streamen, beeinträchtigen Smartphones mit instabilen Netzverbindungen und leeren Akkus nicht länger den Musikgenuss. Die Steuerung von Spotify Connect wird in den kommenden iPhone- und iPad-Apps von Spotify möglich sein, Android- und Desktopversionen folgen bald darauf, kündigte das Unternehmen an.

WIE EINE RAUMSTATION

Das AEG-Telefon Eclipse erinnert vage an die Internationale Raumstation ISS. Der Design-Grundsatz „Form follows Function“ kommt hier nicht zur Anwendung. Die Basis und der Hörer des schnurlosen Telefons bilden zusammen einen runde und elegante Einheit. Auf der Ifa ist das Eclipse in Halle 11.2 am Stand 107 bei IVS zu sehen. Das Telefon gehört zur Retroserie von AEG, die verbaute Dect-Schnurlostechnik ist jedoch auf dem aktuellen Stand mitsamt Anrufbeantworter und Freisprechfunktion.

3-D-DRUCKER IM COLANI-DESIGN

Der 3-D-Druck bietet ungeahnte Möglichkeiten: Bastler können Ersatzteile ausdrucken, Modellbauer eigene Projekte verwirklichen, Kreative Geschenke entwerfen und Profis individuelle Werbemittel erstellen. 3-D-Drucker werden bereits als Grundlage der „dritten industriellen Revolution“ bezeichnet. Die Design-Legende Luigi Colani gehört zu den Verfechtern der 3-D-Philosophie. Gemeinsam mit der Firma Pearl hat er einen 3-D-Drucker entwickelt, der an diesem Freitag in Berlin vorgestellt werden soll. „Damit erfüllen sich alle meine Träume, den Menschen eine dreidimensionale Darstellungsmöglichkeit zu geben“, sagte Professor Colani. Der FreeSculptEX1 ist Pearl zufolge der erste 3-D-Drucker für unter 800 Euro. Er wird – wie bei Colani nicht anders bei zu erwarten – nicht nur in der Funktion, sondern auch in der Form Maßstäbe setzen.

OHNE UMWEGE ZUM ZIEL

Navi-Hersteller TomTom hat zwei neue Modelle mit komplett überarbeiteter Bedienung vorgestellt. Käufer des GO 5000 und 6000 können ab sofort direkt in der Kartenansicht Routen festlegen. Gezoomt wird mit der gleichen Fingerbedienung, die Nutzer schon von Smartphones und Tablets kennen. Wichtige Gebäude und Sehenswürdigkeiten werden während der Fahrt außerdem in 3-D-Grafik angezeigt, das soll die Orientierung erleichtern. Das GO 5000 mit 13-Zoll-Display steht ab sofort für 299 Euro im Handel, das GO 6000 ist einen Zoll größer und kostet 50 Euro mehr. Im Preis enthalten sind Verkehrsinformationen per Mobilfunk und Kartenupdates. Beides ist so lange kostenlos, bis TomTom den Support für die Geräte einstellt.

TABLET UND BEAMER IN EINEM

Der Pocket-Beamer-Spezialist Aiptek hat zur Ifa (Halle 17, Stand 109) ein Android-Tablet mitgebracht, das über einen eingebauten Projektor verfügt. Das sieben Zoll große Projector Pad P100 strahlt mit 100 Lumen und schafft so ein mobiles Kino für zu Hause und unterwegs, ist aber auch für den geschäftlichen Einsatz geeignet. Der Beamer ist abnehmbar und als Stand-alone-Gerät ebenso mit anderen Multimediaquellen einsetzbar. Ab November 2013 ist das Projector Pad P100 laut Hersteller zu einer unverbindlichen Preisempfehlung von 399 Euro im Handel erhältlich.

KAMERAS FÜR SMARTPHONES

Sony hat auf der Ifa Aufsteckkameras für Smartphones vorgestellt, mit denen sich Computerhandys in vollwertige Fotoapparate verwandeln sollen. Von außen ähneln die Geräte mit dem Namen SmartShot einem kleinen Objektiv. Innen steckt eine vollwertige Kamera, die ihre Vorzüge erst in Verbindung mit einem Smartphone zeigt. Sobald etwa über die Nahfunk-Technologie NFC eine berührungslose Verbindung der Geräte aufgebaut ist, schenkt die SmartShot dem Smartphone – sowohl Android als auch iPhones werden unterstützt – volle Kamerafunktionalität. Das Smartphone dient dabei als Menüdisplay. Die SmartShot bringt Sony in zwei Varianten heraus. Die DSC-QX100 soll rund 450 Euro kosten, das Einsteigergerät DSC-QX10 rund 200 Euro. Die Geräte können auch über W-Lan kommunizieren.

THE BRICK IS BACK

Binatone stellt in Berlin in Halle 7.2c an Stand 103 The Brick vor. Das Telefon im Retrolook ist als Accessoire für Nutzer, die sich nostalgisch an die Anfänge der Mobiltelefonie erinnern wie auch für junge Trendsetter, die schon mit modernen Smartphones aufgewachsen sind, gedacht. Das Retrotelefon wird auf zwei Arten in Betrieb genommen: entweder durch Einsetzen einer Sim-Karte oder in Kombination mit einem Smartphone durch eine Bluetoothverbindung. Der Lautsprecher ermöglicht es, ebenfalls via Bluetooth, auf dem Mobiltelefon gespeicherte Musik abzuspielen. Ein langlebiger Akku garantiert eine Laufzeit von bis zu drei Monaten. Das Mobiltelefon kann über ein Mini-USB-Kabel geladen werden.

TV-HERSTELLER SETZEN AUF ULTRA HD

Größter Hingucker bei Grundig (Halle 23, Stand 101) ist der 65 Zoll große Fine Arts FLX 9490 SL, das erste Modell der Firma mit Ultra HD. Der Fernseher kann auch Inhalte von DVD oder Blu-ray auf die neue Auflösung hochrechnen. Grundig will den silberfarbenen Fernseher im Alugehäuse Anfang 2014 auf den Markt bringen, zum Preis macht das Unternehmen noch keine Angaben. Samsung stellt seinen ersten Flachbildfernseher mit Ultra-HD-Auflösung auf einem OLED-Display vor. Die Produktion von organischen LED-Panels (OLED) gilt noch immer als aufwendig und teuer im Vergleich zu LCD- oder LED-Displays. Sie ermöglichen aber hauchdünne Geräte mit deutlich brillanteren Farben. Ähnlich wie LG produziert Samsung nun auch Fernseher mit leicht gebogener Bildfläche. (mit dpa)

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