Online im Urlaub : Surfen, ohne nass zu werden

Handy und SMS im Ausland kosten inzwischen weniger, für Internet und E-Mail gilt das nicht. Wer sich an einige Regeln hält, kann echte Horrorrechnungen vermeiden.

Adrian Pickshaus
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Am Pool im Internet zu surfen, kann teuer werden. Wer darauf nicht verzichten will, sollte sich vor Reiseantritt über geeignete...

Mails und Fotos verschicken, bei einer Online-Auktion mitbieten, sich kurz ins soziale Netzwerk einloggen. Was in der Heimat Teil der Lebenswelt ist, darauf soll auch am Strand nicht verzichtet werden. Viele Urlauber wollen surfen, ohne nass zu werden – im Internet. Aber es gibt ein Problem: die mobile Internetnutzung mit Handy oder Laptop kann im Ausland zum kostspieligen Vergnügen werden. Erst 2010 will die Europäische Union die Tarife für das sogenannte Daten-Roaming nach oben begrenzen. Bei Handytelefonie und SMS haben sich die Mobilfunkanbieter bereits in diesem Jahr dem Druck aus Brüssel gebeugt: Seit Anfang Juli sind Handyanrufe aus dem EU-Ausland erheblich billiger, das Versenden von Kurznachrichten vom Urlaubsort aus kostet – wenn überhaupt – kaum mehr als im Inland.

Tarifexperte Björn Brodersen vom Service-Portal teltarif.de rät Reisenden, die im Ausland nicht aufs Internet verzichten wollen, sich rechtzeitig zu informieren: „Bevor man das Handy oder den Laptop im Urlaub zum Surfen nutzt, sollte man sich vor Ort nach Alternativen umschauen. Internetcafés oder WLan-Hotspots in Hotels sind deutlich günstiger als die Tarife des eigenen Anbieters.“ 

Die Preise in Internetcafés oder für kostenpflichtige Hotspots im Ausland variieren stark, meistens liegen sie zwischen drei und zehn Euro pro Stunde. An vielen Urlaubsorten bieten auch Kommunen und private Anbieter einen öffentlichen und kostenfreien Zugang zum Internet an – ähnlich wie in Berlin am Kurfürstendamm. Einen guten Überblick über verfügbare kostenpflichtige und kostenfreie Angebote in vielen Reiseländern bieten Seiten wie www.hotspot-locations.de.

Stehen solche Angebote nicht zur Verfügung, sollte man sich vor Reiseantritt über die Auslands-Datentarife des eigenen Mobilfunkanbieters informieren. Denn die Internet-Flatrate-Angebote, die bei vielen Handyverträgen inzwischen integriert oder als kostengünstige Option hinzubuchbar sind, gelten ausschließlich im Inland. Mit den Standardtarifen im Ausland zu surfen ist bei allen Anbietern aber noch unverhältnismäßig teuer. Wer nicht aufpasst, dem drohen Kosten im vierstelligen Bereich.

Sinnvoller ist es, zu Hause einen speziellen Zusatztarif für Daten-Roaming im Ausland zu buchen. Laut Brodersen verfügen die großen deutschen Provider mit Ausnahme von E-Plus über ein vergleichbares Angebot. Für rund 15 Euro pro Tag lässt sich ein Datenvolumen von 50 Megabyte ausschöpfen – egal in welchem ausländischen Mobilfunknetz man sich befindet. Die Taktung der Angebote unterscheidet sich, entweder wird nach Kalendertag oder nach Stunden abgerechnet. Für den Ebay-Besuch und das Verschicken von Urlaubsgrüßen reichen 50 Megabyte, verzichten sollte man aber auf größere Datentransfers:: „50 Megabyte entspricht gerade einmal zehn bis 15 heruntergeladenen Songs. Man sollte sich am Urlaubsort also keine Alben oder Filme downloaden. Dadurch kommen die berühmten Horrorrechnungen zustande“, erklärt Brodersen.

Wer unbedingt Urlaubsfotos verschicken will, sollte die Bilder vor dem Versand bearbeiten, verkleinern und dann in geringerer Auflösung verschicken. Oft lässt sich die Größe der geschossenen Handyfotos schon in den Kameraeinstellungen des Mobiltelefons verringern.

Bei den Datenpaketen der großen Provider empfiehlt Brodersen in jedem Fall, das Kleingedruckte zu lesen. Denn die Angebote gelten nur für die Mitgliedsländer der Europäischen Union. So ist ein Surftrip im beliebten Urlaubsland Türkei gleich teuer wie in den USA, von Asien ganz zu schweigen. Brodersen hält hier die Informationspolitik der Anbieter für wenig transparent.

Weitere Kostenfallen verstecken sich in den Handyeinstellungen. So genannte Push-E-Mail-Dienste rufen regelmäßig und von ganz alleine die elektronische Post ab. Diese Funktion sollten Urlauber vor einer Reise unbedingt deaktivieren und Mails lieber gelegentlich manuell abrufen. Blackberry-Nutzer müssen sich dabei aber keine Sorgen machen: Ihre Geräte komprimieren die ein- und ausgehenden Mails so stark, dass nur wenig Datenvolumen beansprucht wird. Auch auf Kartendienste wie Google Maps sollte beim Stadtbummel im Urlaubsort verzichtet werden. Der Stadtplan auf Papier nimmt zwar mehr Platz in der Handtasche weg als der virtuelle Routenplaner, er ist aber in jedem Fall günstiger.

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