PCs und Notebooks : Manchmal darf es auch gebraucht sein

Besonders Business-Notebooks der Oberklasse werden im Second-Hand-Markt zum Schnäppchen. Teilweise sind die Geräte sogar unter 200 Euro zu haben und überzeugen immer noch mit schnellen Prozessoren.

von und Thomas Schörner
Ausreichend Leistung, solide Verarbeitung: Vor allem beim Gebrauchtkauf älterer Oberklasse-Notebooks lässt sich ohne Verzicht Geld sparen. Foto: dpa
Ausreichend Leistung, solide Verarbeitung: Vor allem beim Gebrauchtkauf älterer Oberklasse-Notebooks lässt sich ohne Verzicht Geld...Foto: dpa-tmn

Das Latitude E4300 von Dell ist ein 13-Zoll-Business-Notebook der Oberklasse. Als es auf den Markt kam, kostete es über 1500 Euro und enthielt einmal abgesehen von der Webcam jede damals nur denkbare Technik bis zum integrierten UMTS-Modem. Von der Leistung her muss sich das Notebook auch heute nicht verstecken. Das Beste aber ist: Die robust konstruierten Profi-Geräte werden inzwischen für unter 200 Euro im Second-Hand-Markt verkauft. Selbst wenn man noch einen frischen Akku für 35 Euro hinzukauft, ist das ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Aktuelles Notebook-Spitzenprodukt von Dell ist übrigens das XPS 13. Ähnliche Erfahrungen lassen sich mit anderen Business-Notebooks zum Beispiel aus der Thinkpad-Reihe von Lenovo oder den Mobilrechnern von Fujitsu-Siemens machen. Sind gebrauchte Profi-Notebooks somit den Neugeräten vorzuziehen, weil deren Leistung ohnehin völlig ausreicht? Und gilt dies möglicherweise auch für Desktop-PCs? Auf diese Fragen gibt es keine allgemeingültigen Antworten.

Tempo bieten auch die Gebrauchten

„Bei Laptops lohnt es sich in der Regel eher als bei Desktop-Rechnern, auf ein gebrauchtes Gerät zu setzen“, meint Falko Hansen vom Telekommunikationsportal Teltarif.de. Interessante Notebook-Gebrauchtpreise fanden die Experten der Computerzeitschrift „c’t“ vor allem bei schnelleren Geräten mit einem Intel Core i5 der ersten oder zweiten Generation: „Um 250 Euro gibt es Business-Notebooks mit 12 bis 14 Zoll, praxistauglichem vier Gigabyte Speicher und Platten ab 160 Gigabyte.“ Diese ehemaligen Topmodelle rechnen mindestens doppelt so schnell wie neue Notebooks mit Atom-Prozessor für um die 200 Euro.

Bei Gebraucht-Notebooks muss man jedoch oft Abstriche bei der Auflösung machen. Meist erst ab 400 Euro gehe es über 1280 mal 800 Pixel hinaus, so die „c’t“. Auf der anderen Seite gebe es schon für 600 Euro neue Full-HD-13-Zöller mit SSD, die nur anderthalb Kilo wiegen. Außerdem sollte man bedenken: „Je älter ein Notebook oder ein PC, desto höher ist die Chance, dass die Abnutzung von Tastatur beziehungsweise Touchpad oder die Verschmutzung von Lüftern negativ ins Gewicht fällt“, warnt Florian Holzbauer von der „Chip“. Der Gesamtzustand sei im Zweifel wichtiger als das Alter. Gibt es Gehäuserisse, fehlende Tasten oder tote Pixel? „Solche Fehler, die der Verkäufer nennen sollte, reduzieren den Wert eines Gerätes viel stärker als ein vermeintlich alter Prozessor“, sagt Holzbauer.

Windows-10-Updates sind kein Problem

Von der Update-Garantie auf Windows 10 profitieren indes auch gebrauchte Computer. Voraussetzung ist, dass man für das Gerät über ein legale Kopie von Windows 7 oder Windows 8.1 verfügt. Allerdings ist der Umstieg auf das neue Microsoft-Betriebssystem, das in diesem Sommer auf den Markt kommt, gerade bei etwas älteren Geräten nicht in jedem Fall sinnvoll. Das eingangs erwähnte Latitude E4300 ist zwar von der Leistung her absolut in der Lage, den Sprung auf Windows 10 mitzumachen. Das Alter spielt jedoch in einer anderen Hinsicht eine Rolle: Das Notebook wurde für Windows Vista entwickelt. Für sämtliche Module des Notebooks gibt es zudem Windows-7-Treiber. Unter Windows 8 bekommt man den biometrischen Fingerabdrucksensor jedoch nicht mehr zum Laufen. Und welche Bestandteile von Windows 10 unterstützt werden, muss sich noch zeigen.

Für Desktop-PCs gilt eine andere Rechnung

Grundsätzlich machen die Experten der „c’t“ beim Gebrauchtkauf folgende Rechnung auf. Gebrauchte Desktop-PCs ohne Extras wie eine Gamer-Grafikkarte oder einen High-End-Prozessor sollten nicht mehr als 180 bis 200 Euro kosten. Denn ein neuer PC inklusive Windows 8.1 ist schon ab 250 Euro zu haben: „Er dürfte drei Jahre lang für einfache Büroaufgaben und zum Websurfen reichen.“ Wer sich für einen Gebraucht-PC entscheidet, sollte zunächst auf den Prozessor achten. Für Office reicht ein Doppelkernprozessor. Die „c’t“ rät, Core 2 Duos mit weniger als 2,4 Gigahertz zu meiden, obwohl selbst solche Prozessoren genügend Leistung für die meisten Arbeiten haben. Für Büroanforderungen sind vier Gigabyte Arbeitsspeicher ratsam – der ist günstig nachrüstbar. Während ein Office-Rechner fünf Jahre auf dem Buckel haben darf, gelte bei Gaming-PCs eine Zweijahresgrenze. Älter sollte er nicht sein, um auch aktuellen PC-Spiele noch bei ansprechender Grafikqualität spielen zu können.

Wo kauft man gebraucht?

Gebrauchte Rechner finden sich auf Online-Marktplätzen wie Ebay, dem Amazon Marketplace, aber auch in klassischen Onlineshops, wo Gebrauchtware und Kundenrücksendungen oft günstiger verkauft werden. Es gibt inzwischen auch Wiederaufbereiter, die gebrauchte Rechner aus Unternehmen oder Behörden teils mit neuen Komponenten und Windows-Lizenzen für den Verkauf aufrüsten. Händler prüfen die Ware im Allgemeinen auf Fehler und geben ein oder zwei Jahre Gewährleistung. Bei von privat angebotenen Waren muss man sich auf das Wort des Verkäufers verlassen. Privatanbieter dürfen die Gewährleistung ausschließen.

Noch ein Tipp: Wird die Festplatte durch eine SSD ausgetauscht, wirkt sich das wie ein Geschwindigkeitsturbo aus. Eine 120 Gigabyte-SSD kostet ab 60 Euro. Um genügend Platz für Daten zu haben, ist eine doppelt so große SSD jedoch sinnvoller. (mit dpa)

Autor

6 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben