Pirat zu Urheberrechtsstreit : "Künstler sollen von ihrer Kunst leben können"

Christian Hufgard, der erste Vorsitzende der Musikpiraten, äußert sich zu Sven Regeners Kritik und der so genannten Kostenlos-Kultur.

Malte Meißner
Die Piratenpartei weist die Vorwürfe Regeners von sich.
Die Piratenpartei weist die Vorwürfe Regeners von sich.Foto: dapd

Herr Hufgard, ich zitiere aus Ihrem Blog, in welchem Sie Ihren Antrag zur Reform des Urheberrechts erklären: "Urheber verlieren, sobald die Position der Piratenpartei umgesetzt ist, die exklusive Kontrolle über veröffentlichte Werke.“ Warum sollen Künstler denn noch weniger Kontrolle über ihr geistiges Eigentum haben?

Die Künstler müssen die moderne Realität anerkennen. In den Zeiten des Internets ist es unmöglich, das Urheberrecht im nicht gewerblichen Umfeld durchzusetzen und zu schützen. Die totale Kontrolle jeder einzelnen Kopie ist schlicht und ergreifend nicht mehr zeitgemäß. Alle Versuche in dieser Richtung enden mit einer unangemessenen Einschränkung der persönlichen Freiheit.

Sven Regener, der Musiker und Autor, lebt also in einer Traumwelt, wenn er dafür plädiert, dass Musiker anständig entlohnt werden sollen?

Wir Piraten wollen, dass Künstler von ihrer Kunst leben können. Festhalten an physischen Kopien ist in Zeiten des Internets allerdings nicht mehr zeitgemäß. Pauschalgebühren werden auch für CD-Rohlinge und Brenner erhoben. Das muss es auch im Internet geben. „Künstler bekommen nichts“ ist eine Verallgemeinerung.

Herr Regener bezieht sich ja auch auf den Rechtsstreit zwischen YouTube und der Gema und die freie Herausgabe von Musik auf dieser Plattform. Dafür können wir allerdings nichts. Ein Gericht muss nun klären, ob die Forderung der Gema an Youtube angemessen ist, oder die Gebührenstelle zu viel verlangt.

Inwiefern distanzieren Sie sich denn von der, zugegebenermaßen, grob skizzierten Kostenlos-Gesellschaft, die Regener in seinem Interview beschreibt?

Wir verstehen Herrn Regener gut und kämpfen auch gegen den Begriff der Kostenlos-Kultur an. Künstler verdienen allerdings heutzutage nicht unbedingt weniger, verschiedene Studien zeigen dies. Im Netz besonders aktive Künstler verdienen durch gute Promotion, Merchandise und Konzerttickets mehr als durch den klassischen physischen Datenträger, dessen Verkaufszahlen weiter zurückgehen.

Was ist denn mit Künstlern, die allerdings hauptsächlich von CD-Verkäufen leben oder zumindest einen substanziellen Teil ihrer Einkünfte daher beziehen?

Die haben zur Zeit die meisten Probleme, da bei denen der Umsatz am stärksten einbricht. Verkauf von Digitalkopien steigt allerdings kontinuierlich an. Es ist natürlich so, dass der Konsument sich seltener ein Album kauft, sondern lieber digital einzelne Lieder erwirbt. Im Gegensatz zu früher, wo eine Single 14 Mark kostete, kann man halt jetzt eine Mp3 für deutlich weniger Geld bekommen. Deshalb fließen insgesamt weniger Euros durch den Verkauf von Musik-Kopien.

Dem Parteiprogramm der Piraten kann man entnehmen, dass sie die Förderung von Kultur befürworten. Allerdings scheinen Ihre Ideen über den freien Austausch von Kulturgut zu suggerieren, dass Subventionen die einzige Art des Einkommens für Künstler sind.

Nein, das wäre vollkommen falsch und würde jeglichen Musikmarkt aushebeln. Es soll auf keinen Fall Gremien geben, die bestimmen, welche Musik gefördert werden soll. Stattdessen wollen wir einzelne Förderungen prüfen, wie zum Beispiel in Berlin, wo wir die Fördergelder, die der Deutschen Oper zugute kommen, anderweitig benutzen wollten.

… um kleinere Künstler zu fördern. Die müssen ja auch erstmal aus der Politik bestimmt werden.

Es geht da nicht zwingend um einzelne Künstler. Hier in Hessen möchten wir zum Beispiel in den Kommunen Proberäume für junge Bands finanzieren, so dass sie dort regelmäßig und umsonst Musik machen können. So möchten wir eine Künstlerlandschaft aufbauen, die gerade junge Kunstschaffende fördert.

Möchten sie dann auch die "Historische Staats-Rock-Arena“, subventioniert vom Kultusministerium, bauen?

Nein, das wäre viel zu viel und die Verkehrung unseres Ansatzes. Es wäre ein weiteres gigantomanisches Projekt, welches nur wenigen Superstars nutzen und nicht eine breite kreative Kulturlandschaft fördern würde.

Herr Regener wirft Ihnen ja auch Heuchelei vor. Was würden Sie denn machen, wenn jemand morgen die Piratenpartei 2.0 gründen würde, mit komplett anderen Themen, aber gleicher Präsentation?

Nach unserer Ansicht würde da das Markenrecht greifen. Neben dem Urheberrecht gibt es ja auch dieses. Das wäre so, als würde jemand Alete-Baby-Brei verkaufen und es wäre ein völlig anderes Produkt. Dem Name einer Partei kommt ja auch eine gewisse Schutzfunktion zu. Es gibt Hochschulgruppen, die sich Piraten nennen, ohne mit der Piratenpartei tatsächlich in Verbindung zu stehen. Da müssen weder wir, noch die Hochschule intervenieren. Wenn diese Gruppen das Gegenteil von dem postulieren, wofür wir stehen, dann können die Leute die billige Kopie durchaus vom Original unterscheiden.

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