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Print vs. Online : Druck mir das Wichtigste aus!

22.12.2012 18:25 Uhrvon
Manchmal nervt es, was die Menschen meinen, einem mitteilen zu müssen.Bild vergrößern
Manchmal nervt es, was die Menschen meinen, einem mitteilen zu müssen. - Foto: pa/dpa

Wieso dürfen 50-Jährige über das Internet meckern, 25-Jährige nicht? Maris Hubschmid wundert sich über Gereiztheiten bei ihren Kollegen und will mit dem gleichen Recht offline leben wie ihre älteren Mitmenschen.

Dieser Text ist dazu angetan, mich unglücklich zu machen. Um mir und Ihnen, die vielleicht lieber aussteigen wollen, eine Chance zu geben, will ich den Schock vorwegnehmen und den Beitrag ausnahmsweise zu Beginn kurz zusammenfassen: Ich werde mich im Folgenden kritisch über das Internet äußern. Zur allgemeinen Beruhigung sei vorangeschickt, dass ich niemanden bekehren möchte, ich spreche allein für mich, darüber, wie ich die Dinge sehe. Sie sagen vielleicht: Das interessiert doch keinen Menschen. Aber das ist falsch, mindestens eine Person interessiert das sehr, das ist unser Redaktionsleiter Online.

Er versucht seit längerem, mich zu verstehen und bat mich, ihm meine Gedanken schriftlich darzulegen. Tatsächlich bewegt meine Sicht der Dinge sogar noch viel mehr Menschen, scheint es.

Was bisher geschah

Ich hatte die Ehre, von einem Magazin befragt zu werden, wieviel mir die gedruckte Zeitung noch bedeutet. Sie bedeute mir nach wie vor mehr als Berichterstattung im Internet, habe ich erklärt, und dann zugegebenermaßen einen etwas unglücklichen Satz von mir gegeben: „Online schreibt ja jeder Hans und Franz“. Gemeint habe ich: Im Internet kann jeder alles veröffentlichen und verbreiten. Der Platz am Kiosk ist dagegen begrenzt. Ich habe Gedrucktes immer geliebt. Als erstmalig eine Rezension von mir gedruckt wurde, hat mir das mehr bedeutet als die Tatsache, dass sie online zu finden war, wo es unzählige selbst ernannter Literaturkritiker bei Amazon gibt. Bis heute hat sich an dieser Wertschätzung nichts verändert. Einen Artikel auf einer der rarer werdenden Zeitungsseiten gedruckt zu sehen, erfüllt mich mit mehr Zufriedenheit als einer von tausenden Links im Netz. Soweit die Eitelkeit und das wie gesagt vollkommen subjektive, emotionale Erleben der Autorin.

Ein Freudsches Missverständnis?

Eine nicht unerhebliche Anzahl von Kollegen hatte den Eindruck, ich nähme Online-Journalismus nicht für voll. Mehrere Online-Journalisten haben mir entrüstete Mails geschrieben. Unser Online-Chef warf mir Arroganz vor. Ich hatte mich nie damit beschäftigt, Print- und Onlinejounalismus zu trennen geschweige denn gegeneinander aufzuwiegen. Offenbar habe ich aber einen Nerv getroffen: Die einen ächteten mich, andere gratulierten mir zu meiner Einschätzung, die ja gar keine Einschätzung war. Ein äußerst online-affiner Kollege, den ich sehr schätze, titulierte mich als Holzfrau. Frau mit Wurzeln? Hat er wohl nicht gemeint. Ein anderer machte sich den Spaß, wann immer ich ihm über den Weg lief einen imaginären Hut zu ziehen: „Gestatten, mein Name ist Franz.“ „Verlogenes Pack, das sich so künstlich echauffiert: Jeder Spiegel-Online-Redakteur würde lieber beim Spiegel Magazin arbeiten!“ schrieb mir dagegen jemand. Das sei mal so dahingestellt. Ich jedenfalls wurde mit einem Mal zur Vorkämpferin in einem Krieg, von dem ich bis dato nicht gewusst hatte, dass er geführt wird.
Was mich jedoch am meisten irritierte: Besonderen Anstoß nahmen meine "Gegner" daran, dass die vermeintliche Herabwürdigung von einer ausging, die Mitte zwanzig ist. „Solchen Unsinn kenne ich sonst nur von älteren Kollegen, die beschlossen haben, blind zu sein gegenüber der neuen Welt“, nahm ein Kollege auf mich in einer Rede bei einer Preisverleihung Bezug. „Ausgerechnet von einer jungen Frau, das darf doch nicht wahr sein“ wurde die Äußerung bei Twitter kommentiert.

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