Scharfe Bilder : HD-Fernsehen mit Zeitverzögerung

Industrie und Sender läuten die High-Definition-Zukunft ein. Bei Fernsehern mit eingebautem Empfänger startet diese etwas später.

Kurt Sagatz
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Die Sender haben HD-TV fest im Blick.Foto: dpa

Wie brillant ein Flachbildfernseher sein kann, das lässt sich von den meisten Besitzern eines solchen Gerätes häufig nur erahnen. Beim Abspielen hochauflösender Blu-ray-Filme zeigen besonders die größeren Displays bereits jetzt, was in ihnen steckt. Anders sieht es beim regulären Fernsehen aus. Selbst die besseren Flachbildschirme lassen bei einem Standard-Definition-Bild kein HD-Feeling aufkommen. Mit dem Start der High-Definition-Ausstrahlung von RTL und Vox über den Astra-Satelliten beginnt sich dieses Bild jedoch zu ändern. Die nötigen Flachbildschirme mit eingebauten Empfangsteilen gibt es ebenfalls bereits zu kaufen – auch wenn eine wichtige Komponente noch fehlt.

TV-SENDER RÜSTEN AUF

RTL und Vox senden über den Astra-Satelliten bereits in HD, bei Sat 1, Pro Sieben und Kabel 1 steht die zusätzliche HD-Verbreitung für Januar auf dem Programm. Und ARD und ZDF werden mit den Olympischen Winterspielen im Februar den HD-Regelbetrieb aufnehmen, nachdem zuvor noch über Weihnachten ein letzter HD-Schaulauf ausgestrahlt wird. Neben diesen Sendern strahlen noch Arte HD, Anixe HD und Servus TV in High Definition aus. HD-Fernsehen ist zurzeit, die Abo-Sender Sky und T-Home Entertain einmal ausgenommen – nur über Satellit möglich. Das digitale Antennenfernsehen DVB-T erlaubt nur das herkömmliche PAL-Fernsehen in Standardauflösung. Im digitalen Kabel wäre HDTV technisch möglich, hier mangelt es an den entsprechenden Verträgen. Aber auch für den Satellitenempfang gelten besondere Regeln. So wird nicht nur ein HD-fähiger Tuner für DVB-S benötigt. Da die HD-Sendungen zumindest der privaten Anbieter verschlüsselt übertragen werden, braucht man noch eine HD+-Karte. Im ersten Jahr ist die Karte kostenlos, danach werden 50 Euro pro Jahr fällig, wobei die Karte über eine Service-Telefonnummer oder das Internet unkompliziert aufgeladen werden kann.

FEHLENDE MODULE FÜR DAS NEUE HD+

Allerdings gibt es einen gewaltigen Schönheitsfehler. Die Industrie hinkt mit den Empfangsmodulen, genauer gesagt, mit den Modulen zum Entschlüsseln des HD+-Signals hinterher. Wer bereits jetzt RTL und Vox in HD-Qualität sehen möchte, muss einen HD-Receiver – wie zum Beispiel dem TechniSat DIGIT HD8+ für 330 Euro oder dem HUMAX iCord HD+ samt interner Festplatte für 650 Euro – kaufen. Für die Fernseher mit fest eingebautem HD-Empfangsteil stehen die Common-Interface-Einschübe (CI) für die HD+-Karten nicht zur Verfügung. So werden in den Elektronikkaufhäusern zwar Flachbildfernseher mit integrierten Tunern gleich für alle drei Empfangsarten, Antenne, Kabel und Satellit, verkauft, die sogar HD-fähig sind. Die Preise der Geräte unter anderem von Samsung und Sony liegen bei einer Bildschirmdiagonalen von 102 Zentimetern bei 1050 beziehungsweise 1500 Euro. Doch die CI-Einschübe für HD+-Karten wird es erst später geben. Das zum Satellitenbetreiber Astra gehörende Unternehmen HP Plus rechnet mit der Einführung der HD+-Module für das erste Quartal 2010, der stationäre Handel stellt sich auf Februar ein. Die Einschubmodule sollen noch einmal zwischen 70 und 100 Euro kosten. Wichtig ist die Zusage der Hersteller – derzeit Sony, Philips und Samsung – , dass die jeweiligen Flachbildfernseher mit dem entsprechenden CI+-Modul und der HD+-Karte aufgerüstet werden können.

PREISVERGLEICH LOHNT SICH

Während es aus technischer Sicht immer einen Grund gibt, mit dem Kauf noch etwas zu warten, haben die Preise inzwischen ein akzeptables Niveau erreicht. Die Durchschnittspreise für Flachbildfernseher sind im Jahr 2009 um 17 Prozent auf 720 Euro gefallen, teilte der Hightech-Verband Bitkom mit Verweis auf die Daten des Marktforschungsunternehmens GfK mit. „Die Preise für hochwertige Hightech-Produkte sind so niedrig wie nie zuvor“, sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. Mit weiteren Abschlägen sei vorerst nicht zu rechnen. Neben dem technischen Fortschritt habe das starke Absatzwachstum zu Kostenvorteilen in der Produktion geführt, so die Begründung. Das gilt auch für den Absatz von hoch auflösenden DVD-Playern (Blu-ray), der sich 2009 auf rund 450 000 Stück verdreifachen wird. Dabei sind die Preise um fast 30 Prozent auf durchschnittlich 226 Euro gefallen.

Der Verband rät den Verbrauchern, die Angebote sowohl im stationären Einzelhandel als auch im Internet sorgfältig zu vergleichen. Hier zeigen sich oftmals große Preisunterschiede bei einzelnen Modellen, wie eine Untersuchung des unabhängigen Preisvergleichsportals Gutenstein.de ergeben hat. Dabei wurden die Preise von 15 besonders beliebten Produkten verglichen. Den größten absoluten Preisunterschied gab es bei einem Flachbildfernseher, der zwischen 1240 und 1649 Euro kostete. Die größten Preisunterschiede findet man in der Regel bei Auslaufmodellen – und somit nicht bei HD-Fernsehern.

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