Schneller als DSL : Auf der Überholspur

Mit der neuen Mobilfunktechnik LTE werden die Staus auf dem Datenhighway beseitigt. Ein Praxistest.

von
Unterwegs schneller surfen als mit dem DSL-Anschluss: Noch gibt es in Berlin viele Lücken bei der Versorgung mit LTE, doch die sollen bald geschlossen werden. Foto: Fotolia
Unterwegs schneller surfen als mit dem DSL-Anschluss: Noch gibt es in Berlin viele Lücken bei der Versorgung mit LTE, doch die...Foto: forcdan Fotolia

Geschwindigkeit ist relativ, das gilt insbesondere für die neue mobile Übertragungstechnik LTE, die seit etwas über zwei Wochen in größerem Umfang genutzt werden kann. Theoretisch ist diese neue Funktechnik genauso schnell wie die derzeit schnellste kabelgebundene Internetverbindung. Mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde reisen die Daten per LTE durch den Äther. Diesen Wert erreicht sonst nur eine Internetverbindung der Kabelfernsehanbieter. Selbst die sehr schnelle VDSL-Technik der Telekom kommt „nur“ auf 50 Megabit/Sekunde.

Ausgeschrieben heißt LTE „Long Term Evolution“ und nutzt die Frequenzen, die vor der Digitalisierungswelle für Radio und TV verwendet wurden. Im ersten Schritt wurde die Technik dazu eingesetzt, die Breitband-Versorgungslücke auf dem flachen Land zu schließen. Nun wird LTE auch als mobiler Datendienst für die Internetgeräte der nächsten Generation, also für die immer leistungsfähigeren Smartphones, Tablet-PCs und Ultrabooks (siehe Kasten) genutzt.

In unserem Praxistest haben wir einen LTE-Surfstick der Deutschen Telekom eingesetzt. Das Unternehmen bietet LTE seit gut zwei Wochen auch als mobile Lösung an. Zur Zeit steht der Datendienst in 50 Städten zur Verfügung, bis Jahresende sollen die 100 größten Städte der Bundesrepublik erschlossen sein. In unserem Test lag die tatsächliche Datenübertragung weit unter dem theoretischen Maximalwert. Wir haben die Übertragungsleistung an verschiedenen Orten in Berlin, in denen bereits die Nachfolgetechnik von UMTS (Universal Mobile Telecommunications Systems) verfügbar ist, gemessen – und sind dabei nicht über einen Wert von 30 Megabit/Sekunde gekommen. Das Versenden von Daten erfolgte mit maximal 9,5 Megabit in der Sekunde.

Tatsächlich teilen sich auch bei der Mobilfunktechnik LTE die Nutzer einer Funkzelle die verfügbare Bandbreite. Je mehr Nutzer, desto geringer das Tempo. Die Netzplaner der Mobilfunkfirmen versuchen nun, durch Anpassung der Leistung und den optimalen Zuschnitt der Funkzelle das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Doch wie gesagt: Tempo ist relativ. Verglichen mit den realen Übertragungsraten eines 16-Megabit-DSL-Anschlusses surften wir mit LTE doppelt so schnell durch das Internet. Das Hochladen von Daten ist sogar zehnmal schneller. Besonders dort, wo die mobile Internetnutzung via UMTS zur Geduldsprobe wird, kann LTE seine Vorzüge ausspielen, auch weil diese Technik innerhalb von Gebäuden gut funktioniert.

Ein weiteres wichtiges Thema sind die Reaktionszeiten. Bis bei UMTS die angeforderte Internetseite auf dem Bildschirm erscheint, vergehen mitunter einige Sekunden. Anders bei LTE: Das Netz reagiert so flüssig, wie man es daheim vom kabelgebundenen Surfen gewohnt ist. Dies ist vor allem für Cloud-Anwendungen wichtig, damit der Nutzer nicht durch zu lange netzbedingte Wartezeiten in seiner Arbeit ausgebremst wird.

Noch weist das LTE-Versorgungsgebiet in Berlin große Lücken auf, sowohl bei der Telekom als auch beim Konkurrenten Vodafone. Überall dort, wo LTE noch nicht zur Verfügung steht, wird auf UMTS mit den jeweils verfügbaren Beschleunigungstechniken umgeschaltet, so dass dann immerhin noch auf DSL-Niveau gesurft werden kann.

Bislang waren die mobilen Internetanschlüsse im Vergleich zum stationären Internet immer im Nachteil. Sobald ein W-Lan-Hotspot oder ein Firmennetzwerk zur Verfügung stand, wurde automatisch dorthin gewechselt. Mit LTE gibt es dafür technisch keinen Grund mehr, der limitierende Faktor ist nun der Datentarif. Um im Netz von T-Mobile mit der höchsten LTE-Geschwindigkeit surfen zu können, wird der Tarif Mobile Data Eco XL für 69,95 Euro monatlich benötigt. Mit diesem Tempo können maximal 30 Gigabyte Daten ausgetauscht werden, danach wird die Geschwindigkeit massiv gedrosselt. In unserem Test, bei dem auch Webvideos gestreamt wurden, hatten wir nach zwei Stunden 1,7 Gigabyte des Kontingents verbraucht. Man benötigt allerdings für LTE nicht immer den größtmöglichen Tarif, um die inzwischen recht häufigen UMTS-Engpässe zu umfahren. Zum Internetsurfen und Abrufen von Mails ist darum auch ein Tarif wie der Mobile Data Eco M mit Drosselung nach drei Gigabyte für 29,95 Euro monatlich sinnvoller.

Während die Telekom erst zur Funkausstellung im September LTE-Smartphones vorstellen wird, bietet Konkurrent Vodafone neben einem Surfstick bereits jetzt eine Auswahl von LTE-fähigen Smartphones an, darunter das Samsung Galaxy S 2. Der dazu angebotene Tarif SuperFlat LTE Plus für 59,99 Euro monatlich ist jedoch auf ein Surftempo von 21,6 Megabit/Sekunde beschränkt, die Drosselung setzt bereits bei einem Gigabyte Daten ein. Für den Internetzugang per Surfstick ist darum bei Vodafone der Tarif Mobile Internet Flat 50 für 44,99 Euro monatlich sinnvoller. In diesem Tarif beträgt die Übertragungsleistung 50 Megabit/Sekunde, gedrosselt wird erst ab zehn Gigabyte.

Zusammengefasst gibt es an der LTE-Technik außer den Preisen für die Tarife wenig auszusetzen. Nun kommt es darauf an, in welchem Tempo die Mobilfunkunternehmen den Ausbau in Angriff nehmen, damit nicht die steigenden Nutzerzahlen den neuen Datenhighway gleich wieder verstopfen. Die Preisgestaltung orientiert sich derzeit an den Business-Nutzern. Aber je mehr Privatleute unterwegs auf ihren schicken Smartphones und Tablets mit Highspeed surfen wollen, desto stärker werden sich die Provider auf diese Zielgruppe einstellen.

Die LTE-Netzabdeckung:

www.telekom.de/funkversorgung

www.vodafone.de/privat/hilfe-support/netzabdeckung.html

Autor

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben