Schnurloses Internet : So klappt’s auch mit den Nachbarn

Wenn die Daten nur noch tröpfeln: Treffen zu viele Funknetze aufeinander, sind Störungen an der Tagesordnung. Mit unseren Tipps lässt sich viel Ärger vermeiden

Kurt Sagatz

Wenn daheim das Internet mal wieder träge ruckelt, liegt das nicht unbedingt an der Telekom oder deren Konkurrenten. Einige Probleme sind vielmehr hausgemacht und entstehen, weil zu viele Menschen schnurlos ins Internet wollen. Denn der große Erfolg der kabellosen Wireless-Lan-Technik macht sich mittlerweile negativ bemerkbar. Sobald in der direkten Nachbarschaft mehr als drei WLan-Netze konkurrieren, wird es eng im Funknetz. Statt mit dem DSL-Turbo tröpfeln dann die Internetdaten nur noch im gefühlten Modemtempo.

ABHILFE ZUM NULLTARIF

Bevor man Geld in neues Equipment investiert, sollte man zuerst versuchen, nach preiswerteren Lösungen zu suchen. Viele Probleme lösen sich bereits in Wohlgefallen auf, wenn die Basisstation für das Funknetz – der so genannte Access Point enthält zumeist auch die Router-Technik für die DSL-Verteilung – an zentraler Stelle zum Beispiel im Flur aufgestellt oder montiert wird, und zwar in Tischhöhe. Ziel ist es, dass die Funkwellen auf dem kürzesten Weg zu den Computern gelangen und dabei möglichst wenig Mauern durchdringen müssen. Schwierig wird es, wenn dabei mehrere Etagen versorgt werden sollen. Für optimale Ergebnisse kommt man dann häufig an der Anschaffung einer zweiten Basisstation nicht vorbei. Beim Aufstellen sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht neben Störquellen wie Bluetooth-Sendern oder einem Babyphone platziert wird, die im gleichen Frequenzband von 2,4 Gigahertz funken. Mikrowellenherde verursachen ebenfalls häufig Probleme. In jedem Fall sollte manuell oder – falls vorhanden – per Automatik ein möglichst freier Kanal gesucht werden. Hilfreich sind dabei Programme wie der „Netstumbler“, der die Kanalbelegung anzeigt. Bei der Kanalauswahl sollte darauf geachtet werden, dass fünf Kanäle davor und danach frei bleiben. Bei Störungen kann aber auch ein Gespräch mit den benachbarten Wireless-Lan-Betreibern helfen. Viele Basisstationen verfügen über eine automatische Anpassung der Sendeleistung. Ist diese gegenseitige Rücksichtnahme aktiv, entfallen viele Überschneidungen.

KANÄLE FAST OHNE ENDE

Die Do-it-yourself-Tricks enden allerdings dann, wenn zu viele Funknetze aufeinanderprallen. Einen Ausweg aus dem Dilemma können dann die technischen Weiterentwicklungen für das schnurlose Internet bieten. Der neue Standard mit dem Namen „IEEE 802.11n“ befindet sich zwar noch im Entwurfsstadium, doch die Eckpunkte sind bereits so festgeklopft, dass die großen Gerätehersteller inzwischen Modelle nach dem 11n-Standard auf den Markt gebracht haben. Wichtig ist, dass die neuen Basisstationen später per Update auf den neuesten Stand gebracht werden können. Ein Vorteil von 11n: Der neue Standard ist erheblich schneller. Statt mit 54 Megabit pro Sekunde (Mbps) wird nun ein Tempo von 300 Mbps angeboten. Zudem arbeiten viele der neuen Geräte nicht nur im überlaufenen 2,4-Gigahertz-Frequenzband, sondern mit 5 Gigahertz. Dieser Bereich ist leerer, hat weniger Konkurrenten und bietet eine erheblich größere Auswahl an überschneidungsfreien Kanälen. Durch eine neue Technik namens Multiple Input Multiple Output (Mimo) lassen sich die neuen Netze zudem besser zur Übertragung von Multimediadateien (Musik, Filme, Spiele) nutzen. Um den neuen Standard im leeren 5-Gigahertz-Band einsetzen zu können, müssen aber alle Computer, Notebooks und sonstigen Geräte über entsprechende Adapter verfügen.

DER NEUE STANDARD IM TEST

Für unseren Test haben wir den neuen AVM-Router „Fritz!Box Fon WLan 7270“ zusammen mit dem passenden Adapter „Fritz!WLan USB Stick N“ nach dem neuen Standard 11n ausprobiert. Der Marktpreis für beide Produkte liegt bei zusammen rund 280 Euro. Wer sparen will, wartet auf ein Bundle-Angebot mit einem DSL-Tarif. Die Ergebnisse unserer Messungen haben wir mit einer Geräte-Kombination nach dem bisherigen Standard 11g verglichen. Dabei blieben beide Kombinationen bei der Übertragung einer großen Videodatei von drei Gigabyte deutlich unter den theoretischen Maximalwerten (siehe Kasten), auch wenn der neue Standard am Ende klar vorne lag. Der Wlan-Router 7270 übertrug die Datei in 18 Minuten, während das ältere Gerät selbst im günstigsten Fall 30 Minuten benötigte. Noch wichtiger war die geringe Störanfälligkeit: Während im alten 2,4-Gigahertz-Netz insgesamt acht Router um die vorhandenen Ressourcen konkurrierten, war der neue Zugangspunkt im 5-Gigahertz-Bereich allein auf weiter Flur. Die eingebaute Sendeleistungs- und Kanalwahlautomatik sorgt zudem dafür, dass dies in Zukunft so bleibt. Ein weiterer Pluspunkt des Geräts: Neben Anschlüssen für analoge und digitale Telefone enthält es eine Basisstation für Schnurlostelefone – ohne Störungen der WLan-Funktion

INTERNET AUS DER STECKDOSE

Als Alternative zum neuen Schnurlos-Standard bietet sich die so genannte Powerline-Technologie an, bei der die Verbindung über das hauseigene Stromnetz erfolgt. Die Powerline-Technik wird derzeit mit drei verschiedenen Geschwindigkeiten angeboten. Die 14-Megabit-Technik ist mit einer Nettorate von vier Megabit pro Sekunde nicht mehr zeitgemäß. Mit der 85-Megabit-Klasse ist man in Punkto Internet auf der sicheren Seite. Um zwischen zwei Rechnern größere Dateien auszutauschen, ist ein Adapter mit einer Übertragungsrate von 200 Mbps die richtige Wahl. In unserem Test mit zwei Adaptern vom Typ „HDX101-100GRS“" der Firma Netgear (zusammen rund 160 Euro) erzielten wir sowohl sehr gute Ergebnisse beim Surfen im Internet als auch bei der Netzwerkübertragung. Das Kopieren unseres 3-Gigabyte-Filmes dauerte rund 30 Minuten, also ungefähr so viel wie mit dem derzeit verbreiteten WLan-System. Allerdings dürfen die Adapter weder an einer Verlängerungsschnur noch an einer Mehrfachsteckdose mit Kabel hängen, sonst sinkt die Übertragungsrate rapide. Der Aufbau eines Powerline-Netzes ist sehr einfach. Allerdings kritisieren Amateurfunker die Technik, weil sie Empfangsstörungen im Kurzwellenband verursachen soll.

DAS GUTE ALTE NETZWERKKABEL

So schön Wireless-Lan und Powerline sind, der einfachste Weg ist häufig auch der beste. Als wir zwei Computer per Netzwerkkabel über die Netzwerkbuchsen des AVM-Routers verbanden, wurde die 3-Gigabyte-Filmdatei in acht Minuten übertragen. Auch das Herunterladen einer großen Datei aus dem Internet klappte so mit Abstand am besten. Um Tempo und Komfort miteinander zu verbinden, bietet sich somit eine Kombination an. So sollte der nächste DSL-Router sowohl die Schnurlos-Standards 11g und 11n sowohl im 2,4- als auch im 5-Gigahertz-Band unterstützen und zudem genügend Anschlüsse für herkömmliche Netzwerkkabel bieten. Fast immer sinnvoll ist es zudem, wenn in der Basisstation bereits die nötigen Funktionen zum Telefonieren per Festnetz oder Internet-Telefonie vorhanden sind. Noch wichtiger ist allerdings, dass die Geräte den Internetstrom mit dem Verschlüsselungssystem WPA2 sichern können – und dass diese Funktion ab Werk eingeschaltet ist.

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