Senioren-Computerkurse : Kleine Schritte führen ins Netz

Die Hälfte aller Senioren in Deutschland besitzt einen Computer. Doch sie müssen erst lernen, mit den Geräten umzugehen. Speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnittene Kurse sollen jetzt Abhilfe schaffen.

Susanne Thams
Im Internet mit 99. Die Hamburgerin Irmgard Palusinski ist regelmäßig online. Seit mehr als sieben Jahre nimmt sie an Computerseminaren in ihrem Altenheim teil. Foto: ddp Foto: ddp
Im Internet mit 99. Die Hamburgerin Irmgard Palusinski ist regelmäßig online. Seit mehr als sieben Jahre nimmt sie an...Foto: ddp

Vor kurzem bekam Christel Tantow den aussortierten Laptop einer Freundin geschenkt. Schnell orderte sie bei ihrer Telefongesellschaft einen Internetzugang und holte sich einen Fachmann ins Haus, der alle nötigen Programme installierte. Nur bedienen, stellte sie dann fest, konnte sie den Computer nicht. „Ich habe ja auch ein Handy, mit dem ich gut umgehen kann“, sagt die 73-Jährige. „Da habe ich gedacht, ich kann nicht zu blöd sein, um das in meinem Alter noch zu begreifen.“ Sie meldete sich bei einem Senioren-Computerkurs des Humanistischen Verbands (HVD) am Standort Neukölln an. Speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene PC-Kurse geben älteren Menschen die Möglichkeit, altersgerecht in die digitale Welt einzusteigen. Denn laut Statistischem Bundesamt besitzt die Hälfte der deutschen Senioren zwar einen eigenen Computer, aber nur jeder Dritte kann damit auch umgehen.

Eine im November vorgestellte Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom ergab, dass rund 40 Prozent der potenziellen Nutzer Sicherheitsbedenken haben. Dabei hat das Web Senioren viel zu bieten. Alten Freunden E-Mails schreiben, Informationen im Netz suchen, Reisen buchen und online shoppen ist bei den Silver Surfern, wie die Generation der über 65-jährigen Internetnutzer genannt wird, ausgesprochen beliebt. Für 86 Prozent der befragten Senior-User bedeutet der Zugang zur digitalen Welt sogar einen Gewinn an Lebensqualität.

Aber um ältere Menschen ans Internet heranzuführen, muss zunächst eine gewisse Scheu überwunden werden. „Als Erstes versuchen wir, den Teilnehmern die Angst vor der Technik zu nehmen“, sagt Michael Teuber, Projektkoordinator des Senioren-Internetcafés „Weltenbummler“ des HVD in Berlin, der die Kurse mit Schwerpunkt in Betriebssystemen, Textverarbeitung oder Einführung ins Internet anbietet. „An unseren Rechnern können sie nichts verstellen oder löschen. Das gibt ihnen die Sicherheit, den Computer einfach mal auszuprobieren.“

Einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgt die Initiative „Internet erfahren“ des Bundeswirtschaftsministeriums. In Kooperation mit Partnern sollen für die gesellschaftlichen Gruppen, die bisher noch keine Erfahrung mit der digitalen Welt gemacht haben, erste Kontakt- und Erfahrungsräume geschaffen werden. Das betrifft in hohem Maße auch ältere Menschen. Wenn der Mediabus der Initiative, ein rollendes Internetcafé mit zwölf Computerarbeitsplätzen, vor Seniorenwohneinrichtungen Halt macht, bringen Anwohner oft auch ihren eigenen PC mit und fragen um Rat. „Häufig tritt für die Senioren ein unerwartetes Problem mit dem Rechnern auf und alleine kommen sie dann nicht weiter“, sagt Jutta Croll, Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Chancen und Programmpartner der Initiative „Internet erfahren“. Auch die Nachfrage nach Trainingsangeboten der Stiftung für Mitarbeiter der sozialen Arbeit, die wiederum ihre Klientel mit dem Internet vertraut machen wollen, sei in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. „Der Computer ist nicht länger nur ein Arbeitsgerät des Berufslebens, sondern das Web 2.0 durchdringt mehr und mehr auch das private Leben“, sagt sie. „Der Rechner ist sozusagen auf dem Wohnzimmertisch angekommen.“ Die Aufmerksamkeitsspanne sei bei älteren Menschen aber geringer und das Lerntempo ein anderes als bei jüngeren Erwachsenen, sagt Jutta Croll von der Stiftung Digitale Chancen. Das muss berücksichtigt werden.

„Wir vermitteln den Unterrichtsstoff deshalb Schritt für Schritt in kleinen Gruppen und über mehrere Wochen hinweg,“, sagt Michael Teuber vom HVD. „Jeder Teilnehmer hat einen anderen Wissensstand. Manche haben noch nie eine Maus bedient, andere können schon ihre Digitalbilder auf dem Rechner speichern. Das ist ganz unterschiedlich.“ Steigt der Frust vor dem Bildschirm, ist der Kursleiter zur Stelle und kann behutsam weiterhelfen. Zu Hause das Neuerlernte zu üben sei wichtig, um die Handgriffe selbstverständlich zu machen.

Seit 2003 haben etwa 1300 Senioren die „Weltenbummler“-Kurse des HVD in Berlin besucht. „Die Teilnehmer fühlen sich nach dem Kurs selbstständiger“, sagt Michael Teuber. „Sie müssen nicht mehr ständig andere um Hilfe mit der Technik bitten.“ Sechs Doppelstunden dauert ein Kurs, für Christel Tantow ist es heute die letzte Stunde. Beim letzten Mal war sie bereits im Internet unterwegs, jetzt will sie sich an das E-Mail-Programm wagen. Ihre Freundin, von der sie den Computer zu Hause hat, warte doch schon seit Wochen sehnsüchtig auf die erste E-Mail, sagt sie.

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