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Siri sagt : Warum die Apple-Sprachsoftware nicht nur Geeks fasziniert

07.12.2011 17:10 Uhrvon

Das neue iPhone 4S spricht. Der Sprachassistent Siri hat zwar noch seine Schwächen, die Apple-Fangemeinde ist trotzdem begeistert. Wie intelligent ist das Smartphone wirklich? Zwei Forscher geben unterschiedliche Antworten.

Siri-Sprech, Künstliche Intelligenz und eine Katze, die sich in den Schwanz beißt.

Den Sprachwissenschaftler interessieren vor allem zwei Dinge. Erstens: die Qualität der Spracherkennung. „Da schlägt sich Siri ganz gut“, so das Fachurteil. Das Programm erkennt Worte selbst in einer lauten Umgebung und trotz undeutlicher Sprechweise. Hat das System die Worte identifiziert, muss es als nächstes den Sinn verstehen. Hier erkennt der Experte mangelnde Flexibilität. Es gibt viele Formulierungen, die ein und dieselbe Intention ausdrücken. Siri ist aber nur für eine übersichtliche Zahl an Sätzen empfänglich. „Siri-Sprech“ nennt Schlangen das. Am Ende bleibt dem iPhone-Nutzer nichts anderes übrig, als diese Sprache zu lernen.

Wie eng die Entwicklung von sprachfähigen Computersystemen und künstlichen Intelligenzen verwandt sind, wird deutlich, wenn man zwei Aussagen von Wachsmuth und Schlangen gegenüberstellt. „Das perfekte System müsste eine künstliche Intelligenz sein“, sagt der Computerlinguist. Aus Sicht des „Schöpfers“ solcher Künstlichen Intelligenzen ist es genau umgekehrt: „Die gesprochene Sprache war immer das schwächste Glied der Künstlichen Intelligenz.“ Da beißt sich die Katze wohl in den Schwanz.

Ein Bestandteil der menschlichen Intelligenz, die auf Künstliche Intelligenzen übertragen wird, ist die Fähigkeit zu lernen. Auch Siri soll lernfähig sein. Angeblich gewöhnt es sich an die Stimme und Sprechweise des Besitzers und versteht ihn mit der Zeit besser.

Jedes effektive Sprachsystem muss trainiert werden, erklärt Wachsmuth. Siri in einer unausgereiften Beta-Version auf den Markt zu bringen ist deshalb mehr als nur Marketingstrategie. Es ist auch Entwickler-Kalkül. Je mehr Datenmaterial zur Verfügung steht, desto besser wird das System. Apple setzt hier auf den freien Feldversuch, statt auf Labortests. Das dürfte sich rechnen: Jede Nutzeranfrage trägt zur Verbesserung der Deutschkenntnisse Siris bei. Gut möglich, dass Siri dank der deutschen iPhone-Gemeinde schnell gegenüber seinem amerikanischen Vorbild aufholt.

Nachholbedarf besteht aber noch in weiteren Punkten. Siri kann nur so „intelligent“ sein, wie das Netz, das es umgibt. Der Markt für mobile Webdienste in Deutschland ist aber bei weitem nicht so vielfältig, wie der in den Staaten. Geradezu sinnentleert wirkt Siri hierzulande vor allem dadurch, dass die Wissensdatenbank „Wolfram Alpha“ nur in Englisch verfügbar ist.

Auch als Navigationssystem taugt Siri hierzulande noch nicht. Zwar greift das iPhone standardmäßig auf den Google-Maps-Dienst zurück. Damit die Navigationshilfe aber in Kombination mit dem Sprachassistenten funktioniert, müsste jeder einzelne Orts- und Straßenname zunächst in eine phonetische Umschreibung „übersetzt“ und dem System beigebracht werden, erklärt der Computerlinguist Schlangen. Wie bei Eigennamen ist die Fehleranfälligkeit hoch.

Trotz aller noch vorhandenen Schwächen sind sich die Forscher einig: Siri ist für die Smartphone-Industrie ein guter Anfang. Für ihren Forschungsbereich aber könnte es ein Durchbruch sein. Sprachgesteuerte Geräte werden dank Apple und Co schon bald in der Mitte der Gesellschaft angekommen sein, so ihre Hoffnung. Ihr Kerngebiet wird dann nicht mehr als ferne Zukunftsmusik, als Science Fiction abgetan, sondern rückt in den Mainstream vor. Für die Institute bedeutet das nicht nur, dass sie mehr Aufmerksamkeit erhalten. Sie können auch auf Fördergelder hoffen. Die Hoffnungen sind nicht unbegründet. Die Konkurrenz auf dem Smartphone-Markt hat bereits nachgelegt. Der Sprachassistent für Google’s Betriebssystem Android heißt IRIS – Intelligent Rival Imitation of Siri (sic!).

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