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Siri sagt : Warum die Apple-Sprachsoftware nicht nur Geeks fasziniert

07.12.2011 17:10 Uhrvon

Das neue iPhone 4S spricht. Der Sprachassistent Siri hat zwar noch seine Schwächen, die Apple-Fangemeinde ist trotzdem begeistert. Wie intelligent ist das Smartphone wirklich? Zwei Forscher geben unterschiedliche Antworten.

Warum es Mut braucht, um dem Smartphone eine Stimme zu verleihen.

Das neue iPhone mit einer Sprachverarbeitungssoftware auszustatten sei gar ein mutiger Schritt gewesen, meint der Computerlinguist David Schlangen, denn: „Die Erfahrungen der Nutzer mit Sprachsystemen sind nicht positiv." Weder automatisierte Ansagen im Zug noch im Callcenter haben bisher Begeisterungsstürme ausgelöst. Ihre Fehleranfälligkeit lassen den Verbraucher viel eher verzweifeln. Und auch Siri hat Schwächen, die die Geduld des Nutzers oft genug auf eine harte Probe stellen.

Ein so unausgegorenes System auf den Markt zu bringen, käme für die meisten Konzerne nicht in Frage. Nicht so für Apple. Es ist paradox: Statt eines erwarteten iPhone 5 bringt der Smartphone-Pionier im Herbst 2012 ein iPhone 4S mit einem Sprachassistenten in der Beta-Version auf den Markt – und wird dafür auch noch belohnt. Die Marketing-Wirkung ist phänomenal. Dem Sprachassistenten wurden schon ganze Webseiten und sogar ein Liebeslied gewidmet. Nach der „Touchscreen-Revolution“ (Schlangen) hat der Apfel wieder mal den Stengel vorn und zementiert seinen Ruf als innovatives, wegweisendes Unternehmen.

Dabei spielt das Design eine ebenso wichtige Rolle wie die Technologie, glaubt David Schlangen. „Es wurde offensichtlich viel Mühe darauf verwendet, den Umgang mit dem Assistenten angenehm und hübsch zu machen“, folgert er. Man habe Siri sogar eine Persönlichkeit verpasst. Siri ist schlagfertig, kühl und distanziert – und gerade deshalb so charmant. Kurz gesagt: Siri bedient Fantasien. „Das ist alles Handarbeit“, sagt Schlangen. Die Entwickler haben so genannte „Ostereier“ versteckt; schlagfertige Antworten auf alle denkbaren und undenkbaren Fragen. Schon kurze Zeit nach dem Verkaufsstart des iPhone 4S ist es zum Volkssport geworden, dem Gerät lustige Antworten zu entlocken und auf Webseiten zu veröffentlichen.

Die natürliche Sprache, also die Alltagssprache, steckt voller Tücken für die Entwickler von Sprachsystemen. Es ist längst nicht damit getan, dem System ein umfangreiches Vokabular und die Grammatik einzuimpfen. Auch sei zweitrangig, welche Sprache das System sprechen soll, erklärt Wachsmuth. So sei die deutsche Grammatik zwar komplexer als die Englische. Dafür gäbe es im Englischen aber weitaus mehr Wörter. Ein stabiles Sprachsystem hat mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: Es muss mit Dialekten und undeutlicher Artikulation zurechtkommen. Eines der größten Hindernisse war lange Zeit, die richtige Verarbeitung von Sprechpausen. Die sprechenden Roboter in den Forschungslaboren können mittlerweile minutenlange Dialoge aufrechterhalten, berichtet Schlangen. Siri scheitert daran. Kurzes Nachdenken, während man eine Nachricht diktiert, interpretiert Siri als das Ende der Ansage.

Überraschend sei das nicht, sagt Schlangen. Dennoch sei er fast erleichtert gewesen, als er sich das neue iPhone gekauft und erkannt habe, dass Siri weit hinter den Erwartungen zurück bleibt. „In dem Werbeclip sieht es ja so aus, als ob Siri alle Probleme löst“, sagt der Fachmann für angewandte Computerlinguistik.

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