Smartphones : Viele Funktionen, wenig Rechte

App-Stores pflegen einen laxen Umgang mit Kundendaten und bieten zu wenig Informationen.

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Erst in den realen Smartphone-Laden, dann zum App-Store ins Netz. Stiftung Warentest hat zehn Shops für Handy-Apps durchleuchtet – mit ernüchterndem Ergebnis. Foto: Reuters
Erst in den realen Smartphone-Laden, dann zum App-Store ins Netz. Stiftung Warentest hat zehn Shops für Handy-Apps durchleuchtet –...Foto: REUTERS

Zwei von drei derzeit verkauften Handys sind Smartphones. Ob iPhone, Android-Handy oder Windows Phone: mit ihrer beinahe unendlichen Funktionsvielfalt lassen sie die gewöhnlichen Handys ziemlich alt aussehen, zumal für nahezu jede Lebenssituation zusätzliche Anwendungen aus den App-Stores hinzugefügt werden können. Von der Fahrplanauskunft und der Kontostandsabfrage über den SMS-Ersatz WhatsApp und die Webradio-App TuneIn Radio bis hin zu vielen nützlichen Helfern oder den unterhaltsamen Zwischendurchspielen – die gigantische Vielfalt verstellt mitunter den Blick darauf, dass viele Shops die Verbraucherrechte und das Datenschutzbedürfnis der Kunden vernachlässigen. Stiftung Warentest hat zehn App-Stores („test“ 8/2011) untersucht und ist zu einem ernüchternden Ergebnis gekommen. Kein Shop verdient die Note gut, nur zwei erreichen ein befriedigend. Und der mit Abstand größte App Store von Apple wurde nur mit einem ausreichend bewertet.

SHOPS FÜR SECHS PLATTFORMEN

Die in den Test aufgenommenen Shops decken sechs Smartphone-Plattformen ab. Neben dem iPhone-System handelt es sich um Android, Windows Phone 7, Symbian von Nokia, Blackberry OS und das Samsung-System Bada. Am App Store von Apple – der es trotz allem auf den dritten Platz schaffte – missfallen den Testern besonders die deutlichenMängel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Sie enthalten unzulässige Klauseln, zudem sind die Datenschutzerklärungen schwammig formuliert. Am Komfort und der technischen Umsetzung der Plattform gibt es hingegen nichts auszusetzen. Das gilt auch für Testsieger Windows Phone Marketplace. Zwar ist die Plattform bei Weitem nicht so groß wie Apples App Store, dennoch vermerken die Tester positiv, dass es für Windows Phones vergleichsweise viele Testversionen gibt. Der Android Market, der auf den zweiten Platz kommt, ist auch für technisch weniger versierte Nutzer gut zu nutzen, positiv fällt auf, dass Apps zumindest für eine Viertelstunde storniert werden können.

Drei Shops erreichen nicht das Klassenziel: Die Blackberry App World kommt ebenso wie der Opera Mobile Store und der Ovi Store (Nokia) nur auf ein Mangelhaft. Zu deutlichen AGB-Mängeln gesellen sich technische Probleme wie zu langsame Downloads.

ZUGRIFF AUF DAS ADRESSBUCH

Ein genereller Kritikpunkt betrifft den mitunter sehr laxen Umgang mit den Kundendaten. Das betrifft die Shops, aber gleichwohl auch die Apps selbst, die sich in einigen Fällen unverhältnismäßig große Rechte herausnehmen. Dass eine Bahn-Applikation auf die aktuellen GPS-Daten zugreifen will, um eine Zugverbindung herauszusuchen, ist nachvollziehbar. Das gilt auch für eine Spiele-App, die den aktuellen Punktestand verschickt, um damit eine zentrale Highscore-Liste zu füllen. Ganz und gar nicht nachvollziehbar ist jedoch, wenn die App für die Londoner U-Bahn sich Zugriff auf das Adressbuch des Smartphones verschafft und darüber hinaus noch das Geschlecht des Besitzers abfragt. Aber auch der Service in den Shops liegt längst nicht auf dem Qualitätsstandard deutschsprachiger Seiten von Internethändlern. Die Informationen zu den einzelnen Apps sind häufig sehr dürftig. Die teilweise maschinell ins Deutsche übersetzen Texte sind ein weiterer Missstand.

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