Software : Ein Königreich für Kinder

Von Experten empfohlen: die besten Softwaretitel für den Nachwuchs. Der Kindersoftwarepreis "Tommi" wird auf der Frankfurter Buchmesse verliehen und gibt eine Orientierung für Eltern.

Kurt Sagatz,Markus Ehrenberg

Welche Computer-Software ist für mein Kind geeignet? Diese Frage stellt sich Eltern jedes Jahr aufs Neue. Eine wichtige Orientierung geben Auszeichnungen wieder der Kindersoftwarepreis „Tommi“, der am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse zum sechsten Mal verliehen wird. Aus 60 Einreichungen hatte zuvor eine Jury aus Pädagogen und Fachjournalisten von Tagesspiegel, „Zeit“, „FAZ“, „Spiegel online“ und „Stern“ die zehn besten Titel ausgewählt, die dann von einer Kinderjury ganz genau geprüft wurden. Bevor heute in Frankfurt der Gewinner offiziell bekannt gegeben wird, stellen wir die besten Kindersoftwaretitel dieser Saison vorab vor. Eins haben alle diese Titel gemeinsam: Gewalt wird bei Spielen nicht benötigt, um Spannung zu erzeugen.

FÜR TIERFREUNDE

Für Tierfreunde stehen gleich zwei besonders schöne Titel auf dem Programm. Der eine Titel: „Meine Tierklinik in Afrika“ (Braingame), der Nachfolger des „Tommi“-Gewinners von 2006. Wer erst einmal angefangen hat, die Tierklinik im afrikanischen Busch zu leiten, kann fast nicht mehr aufhören. Das Urteil der Jury: „Tierisch!“ Freigegeben ab drei Jahren, sinnvoll nach Erwerb der Lesefähigkeit. Windows ab 98, rund 25 Euro. Der zweite Tiertitel ist „Wild Earth Africa“ (Empire). Diese 3-D-Fotosafari durchs wilde Afrika ist auf spektakuläre Weise realistisch. Viele Tierarten und viele Missionen sorgen für großen Spielspaß: Und die Spieler lernen, die wilden Tiere nicht zu bedrängen. Schießen ja, aber nur Fotos. Das gefiel auch der „Tommi“-Kinderjury: „Eine Safari für das Kinderzimmer, bei der es einiges zu lernen gibt. Stark!“, so ihr Urteil. Keine Altersbeschränkung, sinnvoll ab sechs Jahren. Voraussetzung: leistungsstarker Windows-Rechner ab 2000 oder XP, rund 26 Euro.

FÜR WELTENBAUER

„Die Siedler: Aufstieg eines Königreichs“ (Ubisoft). Im sechsten Teil des erfolgreichen Aufbaustrategiespiels darf im Mittelalter gewerkelt und gewuselt werden. Der neueste „Siedler“-Ableger gefällt vor allem durch seine außergewöhnliche Detailtiefe, sowohl in Bezug auf die Grafik als auch auf die Handlungen der Bewohner dieser Miniaturwelt. Was die Weltenbauer besonders freuen dürfte: Die Kritik an den vielen Kämpfen im fünften Teil wurde beherzigt. Es geht viel friedlicher zu. Zudem wurde das Wirtschaftsmodell vereinfacht, das Strategische am Aufbauspiel stärker betont. Die „Tommi“-Jury meinte dazu: „Komplex, aber nicht kompliziert – und klasse“. Freigegeben ab sechs Jahren, sinnvoll aber eher ab zwölf Jahren. Für Windows ab XP, rund 35 Euro.

FÜR DEMOKRATEN

„Genius: Im Zentrum der Macht“ (Cornelsen). Vom Dorfbürgermeister zum Bundeskanzler: Diese Politiksimulation ist lehrreich und unterhaltsam. Vor allem zeigt sie, wie komplex politische Entscheidungsprozesse sind – und das nicht erst auf höchster politischer Ebene. Wer meint, ein Bürgermeister könnte mal eben einen Kindergarten bauen lassen, um Familien in seinen Ort zu locken, wird eines Besseren belehrt. Egal, wie sinnvoll etwas ist, ohne demokratische Abstimmung läuft nichts. Und dieses Prinzip zieht sich gleichermaßen durch Spiel und Realität, bis hoch zum Bundeskanzleramt. Das Juryurteil: „Sehr gelungene Kombination aus Lern- und Spielsoftware. Und absolut spannend.“ Freigegeben ab zwölf Jahren, wegen der Komplexität auch erst dann sinnvoll. Durchaus für den Schulunterricht geeignet. Benötigt Windows 2000, XP oder Vista, ab 25 Euro.

FÜR MÄRCHENFANS

„Die märchenhaften Abenteuer des Hans Christian Andersen“ (Braingame). Unter und über den Dächern von Kopenhagen spielt dieses schön animierte 3-D-Adventure um Hans Christian Andersen. Der junge Däne muss, um ein berühmter Schauspieler zu werden, jede Menge Abenteuer bestehen. Keine Gewalt, sondern mehr List und Tricks sind gefragt. Immer wieder spielen Gespräche die wesentliche Rolle, die zur Lösung führen. Kinder lernen, Probleme zu lösen. So bekannt Andersens Märchen sind, den Schwierigkeitsgrad dieses Spiels sollte niemand unterschätzen. Den „Tommi“-Juroren hat vor allem die Botschaft des Spiels gefallen: „Kommunikation ist alles.“ Keine Altersbeschränkung, sinnvoll frühestens ab sechs Jahren. Voraussetzung: ab Windows 2000 und XP, Computer muss 3-D-Spiele beherrschen, rund 23 Euro.

FÜR JUNGGEBLIEBENE

„Apselut Spunk! Die große Astrid-Lindgren-CD-ROM“ (Oetinger). Aus Buch wird Spiel: Pippi Langstrumpf, Madita, Karlsson auf dem Dach, Michel aus Lönneberga, die freche Lotta – dieses Spiel verbindet wahrlich Generationen. In vielen kleinen Spielen gibt es die Welt und die Figuren von Astrid Lindgren zu entdecken. Dabei ist die CD-ROM nach Ansicht der Experten nicht kindisch, sondern hat vielmehr etwas Seltenes: einen eigenen Stil. Das Urteil der „Tommi“-Kinderjury: „,Apselut Spunk!‘ geht sehr liebevoll mit Astrid Lindgrens kleinen Helden um und macht Lust, die Bücher (noch einmal) zu lesen.“ Es gibt keine Altersbeschränkung, auch für Kinder unter sechs Jahren ist die Software gut geeignet. Zu spielen mit den Betriebssystemen Windows 2000 oder XP, durchaus auch für etwas ältere Rechner, im Handel ab 19 Euro. Kurt Sagatz/Markus Ehrenberg

Alle Titel unter:

www.kindersoftwarepreis.de.

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