Strategiewechsel : Wer bei Facebook gesehen werden will, soll zahlen

Facebook wird immer kostenlos bleiben? Nein, nicht das ganze Facebook. Wer seine Postings prominent anzeigen lassen will, muss das nun kaufen – für sieben Dollar.

Kai Biermann
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg verweist auf eine Milliarde aktive Nutzer.
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg verweist auf eine Milliarde aktive Nutzer.Foto: dpa

Facebook werde immer kostenlos bleiben, hatte Mark Zuckerberg, der Chef der Plattform einst gesagt. Noch vor einem Jahr hieß es in einer offiziellen Erklärung, dass man keine Pläne habe, Gebühren zu erheben: "We have no plans to charge for Facebook. It's free and always will be."

Das stimmt nicht mehr so ganz. Denn es gibt nun die erste Funktion, für die auch Nutzer zahlen sollen. Wer mehr Aufmerksamkeit für seine Postings will, kann sie in den Chroniken seiner Freunde hervorheben lassen – für sieben US-Dollar das Stück. Bisher konnten nur Werbekunden bei Facebook so einen Service kaufen. Allein an ihnen – und mit Spielen – verdient das Unternehmen bisher sein Geld.

Doch mit Werbung auch weiterhin so hohe Gewinne zu erzielen wie bisher wird schwieriger, je mehr Nutzer die Seite auf ihren Mobiltelefonen aufrufen. Weil die Bildschirme der Handys so klein sind, wirkt Werbung darauf kaum. Es fehlen zudem bisher gute mobile Werbekonzepte – entsprechend weniger lässt sich an Mobilnutzern verdienen.

Eine Milliarde Nutzer

Gleichzeitig hat Facebook mittlerweile wahnsinnig viele Nutzer und damit ein großes Potenzial. Gerade erst schrieb Zuckerberg in einem Post, dass nun eine Milliarde Menschen bei Facebook jeden Monat aktiv seien. Wenn auch nur einige Prozent davon bereit wären, Geld auszugeben für ihre wichtigste Website, wären das erhebliche Einnahmen.

Genau dieser Gedanke steht offensichtlich hinter dem Experiment namens "Promoted Posts", das Facebook gerade ausdehnt. Vor ungefähr einem halben Jahr wurde das noch unter dem Namen "Highlight" in Neuseeland gestartet. Nun soll es, beginnend mit den USA, schrittweise auf 20 Länder erweitert werden.

Im offiziellen Firmenblog heißt es dazu: "Wenn Du einen Beitrag bewirbst – seien es Hochzeitsfotos, einen Flohmarkt oder besondere Neuigkeiten – wird dieser weiter oben im Newsfeed angezeigt, sodass die Chance steigt, dass deine Freunde und Abonnenten ihn sehen."

Wie bei Facebook gearbeitet wird
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Das Hervorheben eines Beitrages kostet in den USA ungefähr sieben Dollar, in anderen Ländern können die Preise variieren, schreibt das Technikblog Techcrunch. Die Preisgestaltung hänge von den ökonomischen Möglichkeiten ab und sei Teil des Tests. Nutzen können das Instrument derzeit nur Leute, deren Account weniger als 5.000 Freunde oder Abonnenten hat.

Das Angebot ist ein Strategiewechsel. Facebook experimentiert genau wie Google seit einiger Zeit mit Filterfunktionen. Bislang tauchen vor allem die Meldungen in der Timeline auf, die viele Menschen mögen und weiterverbreiten. Oder die von engen Freunden gemocht oder weiterverbreitet wurden. Das kann man unsinnig oder unpraktisch finden – Facebook jedenfalls wollte damit bisher erreichen, dass den Nutzern vor allem die Meldungen angezeigt werden, die für sie möglichst relevant sind.

Mit den Promoted Posts gibt es nun für Absender die Möglichkeit, diese Filterblase zu durchbrechen und sich Aufmerksamkeit zu kaufen. Die errechnete Relevanz für den Empfänger ist dann kein Kriterium mehr. Das könnte auch dazu führen, dass die Meldungen in der Timeline, der Hauptspalte eines Profils, insgesamt als weniger relevant betrachtet werden.

Letztlich ist der neue Dienst eine Werbe-Möglichkeit für jedermann. Firmen zahlen schon länger Geld an Facebook, um in der Timeline von Nutzern aufzutauchen. Dass sich nun jeder solche Anzeigen kaufen kann, ist einerseits demokratisch. Andererseits entwertet es die Nachrichten insgesamt.

Dieser Text erschien zuerst bei Zeit Online.

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