Technikneuheiten aus Las Vegas : Die Zukunft in 3D und virtuell

VR-Brillen, 77-Zoll-Fernseher, 2-in-1-Tablets, Kameradrohnen – die Technikneuheiten der CES in Las Vegas. Und für die Damenwelt: Swarovski-Glanz zu smarten Uhren.

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Nicht ganz von dieser Welt. 2016 wird das Jahr von VR-Brillen wie Samsung Gear (im großen Bild), Oculus Rift oder HTC Vive – auch wenn deren Träger seltsam entrückt in eine nur für sie sichtbare Zukunft schauen.
Nicht ganz von dieser Welt. 2016 wird das Jahr von VR-Brillen wie Samsung Gear (im großen Bild), Oculus Rift oder HTC Vive – auch...Foto: AFP

Wenn das Handy MotoX Force (rund 550 Euro) auf dem Steinboden knallt, zucken Besucher des Motorola-Standes schon mal zusammen. Unkaputtbar soll das Gerät sein. Wasserdicht ist es nicht, wohl aber das neue MotoG, das ins benachbarte Wasserbecken gehalten wird. „Im Ozean sollten Sie damit nicht abtauchen“, sagt ein Motorola-Standmitarbeiter – nicht wirklich ganz dicht halt.

Viel Show ist die größte Elektronikmesse der Welt, die CES in Las Vegas, eben auch. Überall dröhnen Beats und flackern Leinwände, bei 20.000 Technikneuigkeiten herrscht Wettkampf um Aufmerksamkeit. Gleich nebenan wird eine Schuhsohle ausgedruckt. Der 3-D-Drucker wird von einem Precision-Notebook von Dell gesteuert. Ein Viertel der Arbeit ist getan, in sechs Stunden ist der komplette linke Schuh fertig.

Der Chef des Chip-Riesen Intel, Brian Krzanich, hatte am Vorabend eine Partnerschaft mit dem US-Sportschuhhersteller „New Balance“ angekündigt. Lassen wir ab jetzt also im Laden unseren Fuß scannen und gleich danach einen maßgeschneiderten Laufschuh ausdrucken? „Ein Turnschuh besteht aus etwa zehn Materialien, längst nicht alle kann man ausdrucken“, sagt Karim Younes. Der Designer aus New York hat Schuhe für Calvin Klein gestaltet. 3-D-Druck ist noch eher etwas für Entwickler. Aber der Markt wächst um 40 Prozent, melden die CES-Analytiker.

Der Welt entrückt: VR-Brillen allerorten

Gleich nebenan sitzen vier Fremde vereint auf einem schaukelnden Sofa, dicke schwarze Brillen auf dem Kopf. Sie blicken vom Schiff auf den Ozean, diese virtuelle Welt spielt ihnen die HTC Vive vor. Die soll in diesem Jahr auf den Markt kommen und wird ähnlich wie die Oculus Rift (siehe Kasten) wohl knapp 600 Euro kosten. 2016 könnte den virtuellen Welten den Durchbruch bringen. Analysten rechnen mit 1,2 Millionen Brillen-Verkäufen allein in den USA, vier Mal so viel wie 2015. Dabei ist die Zahl der Spiele und Anwendungen noch gering. Immerhin kündigte Tim Baxtor, US-Chef von Samsung Consumer, 400 Videos und Spiele für die Gear-VR-Brille der Südkoreaner an, die mit Hunderten von marktüblichen Galaxy-Smartphones zusammenarbeitet.

Noch im Entwicklungsstadium: Schuhe aus dem 3-D-Drucker.
Noch im Entwicklungsstadium: Schuhe aus dem 3-D-Drucker.Foto: Ralf Schönball

Der koreanische Riese stellte zur CES das neue Galaxy TabProS vor, das „dünnste und leichteste 2-in-1-Tablet“. 12 Zoll groß bietet es, einen neuen Intel-Core-M-Prozessor, ansteckbare Tastatur und statt Android Windows10. Experten handeln das TabProS als „iPad-Killer“. Es folgt dem Trend zu Kombigeräten. So auch Lenovo mit seiner Yoga-Reihe, deren Bildschirm 180 Grad dreh- und mit der Tastatur zusammenklappbar ist. Das kann nun auch das Business-Notebook X1, das außerdem noch Intels neuen kabellose Vernetzung (vPro) mit Docking-Stationen bietet. Hinzu kommt ein 14 Zoll großer Oled-Touch-Bildschirm mit grandioser Auflösung (2560x1440) für rund 1500 Dollar.

Huawei drängt auf Platz zwei

Für Evolution nicht Revolution bei fallenden Preisen stehen die CES-Neuigkeiten. Auch auf dem Markt für Smartphones, den Huawei aus China aufrollt. Rasch aufgestiegen zum drittgrößten Anbieter nach Samsung und Apple, will Vorstand Richard Yu nun Platz zwei erobern. Mit dem neuen 6 Zoll großen Mate8 enthält es einen Acht-Kern-Prozessor, der fast so schnell wie Notebook-CPUs arbeitet (2,3 Gigahertz). Und vor allem mit einem Akku, der doppelt so lange wie beim iPhone durchhält und dabei doppelt so schnell arbeitet, sagt Huawei. Der Preis ist heiß: 600 Euro.

Samsungs neuer Kühlschrank hat einen Bildschirm, der anzeigt, wenn Butter oder Bier ausgehen, und einen Laden vorschlägt, der Nachschub liefert. Der Konzern hat dazu mit Mastercard ein Bezahlsystem gestartet, das nicht an diesen Kreditkarten-Riesen gebunden ist. Der Kühlschrank teilt sich Daten mit Handy oder auch Fernseher, die nun bis zu 170 Zoll groß sind und doppelt so viel Auflösung (8K) wie Ultra-HD (4k) haben.

Dabei gibt es schon für Ultra-HD wenig Inhalte. Das wollen die Branchengiganten um Disney und Warner mit einer Allianz, die Logo und Standards („Ultra HD Premium“) definiert, ändern und schnell mehr Filme und Spiele auf den Markt bringen. Zu den schönsten TV-Neuheiten zählen LGs neue Oled-Fernseher LG Signature, dünn wie vier aufeinandergestapelte Kreditkarten, mit 66 oder 77 Zoll als neue Standardgröße. Amerikaner stehen auf Größe.

Wasserdicht, aber nicht im Ozean: Das MotoG von Motorola.
Wasserdicht, aber nicht im Ozean: Das MotoG von Motorola.Foto: Ralf Schönball

Und Chipgigant Intel? Will wieder cool werden, wie Google es ist. Dazu holte Konzernchef Krzanich MTX-Biker, den dreimaligen Iron-Man-Gewinner Craig Alexander und einen Parkour-Star zur CES, um Höhe, Weite und Tempo ihrer Sprünge und Läufe live zu messen. Intels Curie-Chip erledigt das in Echtzeit, was auf der Bühne bei der CES klappte. Der Großeinsatz erfolgt bei den „X-Games“ in Aspen, einer Freestyle-Show für Snowboarder, wobei die Sensoren in der Tasche der Sportler stecken. Die digitalen Schiedsrichter werden die Sportberichterstattung revolutionieren, glaubt Krzanich.

Drohnen sind außerdem noch so ein „big thing“ auf der CES: Wer knapp 2000 Euro übrig hat, sollte sich die Yuneec Typhoon H ansehen. Die ist mit einer Kamera ausgestattet, nutzt Intels Realsense-Technologie und weicht selbständig unerwarteten Hindernissen aus. Auf der CES stürzte sie nicht ab, als vor ihr ein Stamm umgeworfen wurde. Ihre Aufnahmen spielt die Drohnenkamera in Echtzeit auf den Bildschirm des Controllers. Hundertprozentig sicher sind Drohnen nicht, wie man weiß, seit eine beim Skiweltcup im Dezember fast auf einen Athleten abgestürzt wäre. Leben retten sollen sie dafür in Katastrophengebieten: Ford bietet dazu den F-150 Pickup zusammen mit einer Drohne von Marktführer DJI, Kostenpunkt: 100 000 Dollar.

Und übrigens, die Damen, noch etwas: Huawei verziert neue smarte Uhren („Juwel“, „Elegant“) mit Strasssteinen von Swarovski und verlangt dafür bis zu 599 Euro. Auch Samsung bringt zwei neue Gear-Uhren für Frauen in Platin und Gold („S2classic“), die bei Bedarf sogar mit dem Apple-Betriebssystem kommen – soll niemand sagen, Technik sei reine Männersache.

Kosten von Reise und Unterkunft für die Berichterstattung über die Elektronikmesse hat der Veranstalter CES finanziert.

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