Telekommunikation : In der Flatrate-Falle

Je flacher, desto teurer: Das umfassende Tarifangebot für alle Fälle ist allerdings noch nicht in Sicht.

Kurt Sagatz

Was hat der Besitzer eines Dönerladens mit einer Frau gemeinsam, die einen Freund in Frankreich hat? Beide haben ein großes Interesse, möglichst preiswert ins Ausland telefonieren zu können. Sei es, um den Dönerkunden einen Mehrwert in Form freier Telefongespräche anbieten zu können, oder im anderen Fall, den Kontakt zum Liebsten zu halten. Doch genau da trennen sich die Wege. Während die Freundin auch weiterhin die Arcor-Auslandsflatrate Euro-Flat benutzen darf, hat das Telekommunikationsunternehmen beim Dönerladen sein Sonderkündigungsrecht wegen gewerblicher Nutzung des für Privatnutzer vorgesehenen Tarifs wahrgenommen. "Der Flatrate-Vorreiter Arcor hat sich dabei zwar nicht sonderlich geschickt angestellt, dennoch war das Vorgehen verständlich und zudem zulässig", urteilt der Experte für Telekommunikationsdienstleistungen Björn Brodersen. "Die Aktion zeigt zudem, dass es eine umfassende Flatrate für Telefonie und Internet nicht gibt", ergänzt der Experte des Verbraucherportals teltarif.de.

Grundsätzlich sollte man sich als Verbraucher darüber im Klaren sein, dass eine Flatrate immer nur einen Teil der Leistungen abdeckt. Das größte Handicap sind die im Kleingedruckten aufgeführten Einschränkungen. Die meisten Telefon-Flatrates umfassen nur das deutsche Festnetz. Handytelefonate und Auslandsgespräche können aber mitunter dazugebucht werden. "Mobilfunk-Flatrates gibt es beispielsweise von Freenet und Base. Sie sind mit 80 Euro jedoch recht teuer. Das gilt auch für die Zubuchoptionen von Arcor, die je Netz mit 15 Euro zu Buche schlagen", sagt Teltarif-Experte Brodersen. Für Sonderrufnummern will allerdings niemand aufkommen.

Probleme mit kleinen Providern

"Ärgerlich wird es, wenn Provider mit schwammigen Formulierungen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen arbeiten und später mit Kündigung des Vertrages drohen, wenn zu viel telefoniert oder gesurft wird", weiß Brodersen. Dies gilt besonders für kleinere, preisaggressive Anbieter, deren Mischkalkulation gefährdet wird, wenn die Kunden von den Flatrate-Verheißungen uneingeschränkt Gebrauch machen. Das Problem betrifft nicht nur Telefon- und DSL-Flatrates, auch Schmalband-Flatrates sind davon betroffen. Aktuell werde gerade die Beschwerde eines Kunden des bundesweit agierenden Providers Alster24 aus Hamburg untersucht, der überdurchschnittlich viel surfenden Kunden Warn-Mails zukommen lässt.

Eine verhältnismäßig harmlose Flatrate-Falle stellen bei den Flatrate-Produkten der Deutschen Telekom die Durchleitungsgebühren zu anderen Festnetzanbietern (außer Arcor) da. "Mit 0,21 Cent pro Minute merken die meisten Verbraucher davon jedoch nichts", so Brodersen, zudem weist die Telekom darauf offen hin. Das gilt auch für die Versatel-Doppelflat, aus der nicht genau hervorgeht, welche Hardware dazugehört. Dass der Funkrouter als Mietgerät die Rechnung am Ende um vier Euro verteuert, zeigt darum auch eher, wie scharf die Provider kalkulieren müssen.

Auch wenn es nach wie vor leichte Preissenkungen bei den Flatrates gibt, so gehen die Experten doch davon aus, dass man keinen Fehler macht, sich jetzt für einen Vertrag selbst mit 24-monatiger Laufzeit zu entscheiden. Wichtig ist jedoch, dass man grundsätzlich anhand der letzten Rechnungen für Telefon, Handy, Internet die eigenen Nutzungsgewohnheiten ermittelt und so errechnet, ob und welche Flatrate sich lohnt. Internetseiten wie teltarif.de oder dslteam.de helfen dabei, auch besondere Angebote wie die Offerte DSL3+ von Strato zu finden, die sogar das mobile Surfen mit einem Blackberry-Smartphone abdeckt. Auf den Seiten kann man sich auch darüber informieren, welche Alternativen wie den entbündelten DSL-Zugang ohne Telekom-Telefonanschluss oder die Tarife von Firmen wie Kabel Deutschland es noch gibt.

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