Überall-Computer : Mobile Unabhängigkeitserklärung

Ultrabook, Tastatur-Tablet und Netbook im Vergleich: Welche Stärken und Schwächen die verschiedenen Geräteklassen haben.

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Drei Modelle, drei Konzepte: Das Toshiba-Ultrabook (hinten) macht bei der Leistung keine Kompromisse. Das Transformer Prime (rechts) ist sowohl Android-Tablet als auch Mobilcomputer. Und der Preis des Acer-Netbooks ist nicht zu schlagen. Foto: Mike Wolff
Drei Modelle, drei Konzepte: Das Toshiba-Ultrabook (hinten) macht bei der Leistung keine Kompromisse. Das Transformer Prime...

Am Freitag kommt das neue iPad in den Verkauf. Die dritte Generation von Apples Flachcomputer trifft dort auf eine stattliche Zahl von Wettbewerbern. Anders als noch beim iPad 2 konkurrieren nun diverse Geräteklassen um die Gunst der mobilen Computernutzer. Wir haben uns je einen Vertreter der Ultrabooks und Netbooks angesehen und mit einem Tablet-Computer mit ansteckbarer Tastatur verglichen. Denn jede Klasse hat ihre Stärken und Schwächen.

VIEL LEISTUNG, BESCHEIDENE

REICHWEITE BEIM ULTRABOOK

Gibt es ein größeres Lob für ein technisches Gerät als diese Worte aus dem Munde einer Frau: „Das ist aber schick.“ Ist wirklich vorgekommen, als ich das Toshiba Ultrabook Satellite Z830-10J aufgeklappt habe. Dabei leuchtet nicht mal ein weißer Apfel auf dem Deckel, obwohl die Vorgaben von Intel an die Hersteller von Ultrabooks stark an Apples MacBook Air erinnern: dünn müssen sie sein, leicht und in wenigen Sekunden arbeitsbereit. Das Satellite bringt dies durchaus mit: 1110 Gramm, 16 Millimeter dick, schneller Core-i5-Prozessor, 999 Euro, so sehen die maßgeblichen Werte aus. Dabei hat das Toshiba die Anmutung eines schmalen Büchleins, das man sich gerne unter den Arm klemmt. Freude kommt auch im aufgeklappten Zustand auf: Der Bildschirm ist matt und spiegelt nicht, was in dieser Geräteklasse eher eine Ausnahme ist. Wunderbar ist auch die Tastatur, die im Dunkeln leuchtet: Wer abends auf der Couch bei gedimmten Licht surft und mailt, ist dafür dankbar. Liegt es aber daran, dass die Betriebsdauer des guten Stückes überschaubar ist? Dies gilt jedenfalls für den „ausbalancierten“ Energiemodus, der bei Tageslicht einen ordentlichen Kontrast auf dem Bildschirm sicherstellt, aber die gespeicherte Energie in gut drei Stunden verbraucht. Wer den vorgeschriebenen Standard von über fünf Betriebsstunden erreichen will, muss den „Öko-Modus“ wählen. Leider gilt für Notebooks, Smartphones und andere mobile Geräte dasselbe wie für Elektroautos: Die Akku-Entwickler haben noch einen langen Weg vor sich, bis sich die Sorge um die nächste Steckdose erledigt hat.

Womit wir bei den Schwächen der schicken Technik wären: Es dauert rund 25 Sekunden, bis Windows hochgefahren ist. Das schafft ein billiges Subnotebook, das mit modernem Flashspeicher-Speicher-SSD aufgerüstet ist, genauso schnell. Mit Windows 8 soll das besser werden. In der Praxis hilft man sich aus mit dem Ruhezustand, aus dem das Gerät in wenigen Sekunden erwacht. Ärgerlicher ist der Lüfter, der gerne mal hysterisch aufheult. Die kompakte Bauform lässt nur eine kleine Lüfterfläche zu, weshalb der Lüfter sich schnell drehen muss. Das wird sich bessern mit der neuen Generation der Intel-Prozessoren, die im April kommt: Ivy-Bridge braucht weniger Strom und deshalb weniger Kühlung. Auch die scharfen Kanten des coolen Gehäuses sind nicht jedermanns Geschmack. Das wär’s aber schon mit der Krittelei. Unter dem Strich ist der Toshiba ein wunderbarer Wegbegleiter, schnell und schlank, der selbstverständlich HD-Videos tadellos abspielt – und gegen Apple punktet mit vielen Schnittstellen: USB 3.0, Lan-Kabel, HDMI und sogar VGA für ältere Displays.

TABLET MIT TASTATUR: 

DAS AUSDAUERWUNDER

Das bevorzugte Revier eines Tablet-PCs ist das Wohnzimmer. Das Konzept des Asus Eeepad Transformer Prime ist anders. Als Tablet-PC mit Googles Mobilsystem Android 4 ist es zwar ebenfalls wohnzimmerkompatibel, aber dieses Tablet drängt es genauso nach draußen. Die Tafel lässt sich mühelos mit der dazugehörigen vollwertigen Qwertz-Tastatur verbinden und bildet nun eine stabile Einheit. An den USB-2.0-Anschluss der Tastatur lässt sich eine Maus anschließen, auch ein SD-Karten-Einschub befindet sich unter den Tasten. Zusammengeklappt ist das Transformer Prime für alle Alltagsfälle gut geschützt, aufgeklappt lässt sich mit ihm fast genauso arbeiten wie mit jedem anderen Mobilrechner. Bei einem Gewicht von unter 1130 Gramm und einer Dicke von 18 Millimetern erfüllt das Transformer Prime sogar viele der Anforderungen an ein Ultrabook, auch wenn in ihm kein Intel-Prozessor seinen Dienst verrichtet. Der Tegra-3-Chip von Nvidia mit seinen vier Kernen ist jedoch leistungsfähig genug, sämtliche Aufgaben ohne spürbare Verzögerungen zu erledigen. Das zehn Zoll große HD-Display mit dem kratzfesten, aber leider nicht komplett entspiegelten Gorilla-Glas zeigt Multimedia-Inhalte gestochen scharf, HD-Filme aus dem Internet werden ruckelfrei wiedergeben, Fotos lassen sich absolut flüssig zoomen, und beim Spielen zum Beispiel der Flipper-Simulation Zen Pinball THD spielt dieses Tablet seine Stärken aus, via MicroHDMI auch auf dem Flachbild-TV. Besonders angenehm ist, dass das Tablet von jetzt auf gleich zur Stelle ist und bis zu 18 Stunden ohne Steckdose auskommt. Der Akku des Tablets reicht für bis zu zwölf Stunden, den Rest erledigt die Batterie unterhalb der Tastatur. Dennoch, und diese Einschränkungen sind vor allem für Business-Nutzer von Bedeutung, handelt es sich eben nicht um einen vollwertigen Mobilrechner. Mit knapp 600 Euro ist das Transformer Prime zwar erheblich preiswerter als ein Ultrabook und zudem nicht allzu viel teurer als ein Netbook. Doch während auf Ultrabooks und Netbooks wie gewohnt Windows läuft und ein MacBook Air mit Apples MacOS betrieben wird, stehen dem Android-Tablet nur die Funktionen zur Verfügung, für die es Apps bei Google Play gibt. Auch wenn sich dort inzwischen viele produktive Programme befinden, auf Outlook und andere Firmenlösungen muss man verzichten. Zudem lassen sich die Apps-Optionen nicht so fein einstellen wie bei Windows, iOS oder Linux. Google Chrome Beta lässt sich zwar installieren, aber Add-ons sind (noch) nicht möglich. Insgesamt ist das EeePad Transformer Prime dennoch eine ebenso schicke wie praktische Alternative zu den anderen Mobilrechnern.

DER EXOT: EIN PREISWERTES

NETBOOK MIT AMD-HERZ

Das Acer Aspire One 722 ist eine Seltenheit unter den Netbooks: Anders als in den meisten anderen Modellen taktet darin keine Intel-Atom-CPU, sondern der neue Doppelkernprozessor C-60 von AMD mit einer leistungsfähigeren Grafikkarte. Und dadurch schaffte es unser Testgerät zum Beispiel, Youtube-Videos in Full-HD-Qualität über ein Wlan aus dem Netz zu streamen, was bei herkömmlichen Netbooks an starkem Ruckeln scheitert. Auch das aktuelle Browserspiel „Battlestar Galactica Online“ von Bigpoint lief problemlos. Die Straßenpreise liegen nur geringfügig unter der unverbindlichen Preisempfehlung von 349 Euro. Einen schnellen SSD-Datenspeicher kann man in dieser Klasse nicht erwarten, stattdessen hat Acer eine 320 Gigabyte große Festplatte eingebaut. Dadurch braucht Windows vom Einschalten bis zur Betriebsbereitschaft rund 50 Sekunden; aus dem Ruhezustand wacht das Netbook blitzschnell auf. Anders als Tablets verbraucht es im Ruhezustand auch keinen Strom für den Empfang eingehender E-Mails – natürlich mit dem Nachteil, dass die Nachrichten beim Wiedereinschalten nicht sofort lesbar sind. Der Bildschirm ist mit 29,5 Zentimetern (11,6 Zoll) rund vier Zentimeter größer als bei den üblichen Zehn-Zoll-Netbooks, spiegelt aber leider stark und ist kein Touchscreen. Das in Schwarz, Rot oder Blau erhältliche Kunststoffgehäuse wirkt stabil, wenn auch nicht sonderlich hochwertig, der glänzende Deckel ist rasch von Fingerabdrücken übersät. Schreiben macht Freude, die Tasten sind vergleichsweise groß. Nur halb so groß fielen allerdings die Scrolltasten aus, was die Navigation auf Internetseiten erschweren kann.

Abstriche gegenüber einem Ultrabook oder Tablet muss man beim Gewicht und der Akku-Laufzeit machen. Mit 1,46 Kilogramm wiegt das Netbook spürbar mehr, und der Sechs-Zellen-Akku hält laut Herstellerangaben höchstens sieben Stunden lang durch. Bei den Schnittstellen ist das Wichtigste an Bord: Ein HDMI- und ein VGA-Monitorausgang, ein Netzwerkkabelanschluss, ein Universal-Kartenleser, Mikrofoneingang, Lautsprecherausgang sowie drei USB-Buchsen – die allerdings noch nicht dem neuen Standard 3.0 entsprechen, sondern nur das langsamere USB 2.0 bieten. Das vorinstallierte Windows 7 Home Premium in der 64-Bit-Version bietet alle Grundfunktionen, die Anwender vom Heim-PC kennen. Darüber hinaus sind nur wenige Gratisprogramme wie Skype – für Videotelefonate über die integrierte Webcam – oder das werbefinanzierte „Microsoft Office Starter 2010“ dabei. Als Netbook für das mobile Büro und als HD-Videospieler macht das Aspire One 722 insgesamt eine gute Figur.

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