Umstrittene Onlinedienste : "Street View" bleibt, "Streetside" kommt

Google plant entgegen anders lautender Berichte keine schleichende Abschaffung des Onlinedienstes "Street View". Zugleich steht Mitbewerber Microsoft unmittelbar vor ersten eigenen Aufzeichnungsfahrten.

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Keine neuen Großaufnahmen: Google plant vorerst keinen großformatigen Ausbau seines "Street View"-Dienstes.
Keine neuen Großaufnahmen: Google plant vorerst keinen großformatigen Ausbau seines "Street View"-Dienstes.Foto: dpa

Google dementierte am Montag eine Meldung des Blogs netzpolitik.org, das unter Berufung auf die englischsprachige Seite searchengineland.com behauptet hatte, man habe sich bei Google entschieden, „den Dienst in Deutschland aussterben zu lassen“. "Wie im Januar schon verkündet, haben wir derzeit keine Pläne, neues Bildmaterial von deutschen Straßen in Street View zu veröffentlichen. Unsere Priorität ist es, mit Hilfe von Fahrzeugen Daten wie Straßennamen und -schilder zu erfassen, um unsere Karten für unsere Nutzer zu verbessern - ähnlich wie andere Firmen das auch tun“, so Pressesprecherin Lena Wagner gegenüber dem Tagesspiegel. Dies geschehe, so Wagner wörtlich, „weil sich unsere Prioritäten verändert haben und wir uns nun auf die Verbesserung von Google Maps konzentrieren". Der „Street View"-Dienst für die bereits fotografierten 20 deutschen Städte bleibe weiterhin online, lediglich  ein Ausbau sei derzeit nicht geplant.

Die besten Schnappschüsse von Google Street View
Gefragt nach seiner Adresse, antwortete der Bewohner: "Dritter Laternenpfahl links".Weitere Bilder anzeigen
1 von 48Foto: Google Streetview
07.11.2011 13:09Gefragt nach seiner Adresse, antwortete der Bewohner: "Dritter Laternenpfahl links".

Keine Auswirkung wird diese neuerliche Aufregung auch bei den Planungen des Mitbewerbers Microsoft haben, der, wie in der vergangenen Woche berichtet, bereits im Mai mit den Kamerafahrten für sein Konkurrenzprodukt „Streetside“ starten möchte. Derzeit wirbt das Unternehmen mit einer eigenen Internetseite und Transparenzbekenntnissen um das Vertrauen der Öffentlichkeit. Im Gegensatz zu Google möchte Microsoft jeweils vier Wochen im Voraus offen legen, wo die Kameraautos an einem bestimmten Tag vorbeikommen werden. "Präziser können wir es leider nicht machen, allein aufgrund von Verkehr und Witterung", so Sprecher Thomas Baumgärtner. Ein weiterer Unterschied zum Google-Vorgehen ist, dass Microsoft den Dienst ohne präventive Einspruchmöglichkeiten launchen möchte, nach Aussage von Baumgärtner, "um unnötige Datensammlungen zu vermeiden". Es werde aber nach Einführung des Dienstes die Möglichkeit bestehen, unmittelbar online der weiteren Veröffentlichung einer Ansicht zu widersprechen. "Erst im Falle, dass dem Widerspruch widersprochen wird, werden wir uns datenkundig machen."

Für Betroffene ohne eigenen Internetanschluss werde die Möglichkeit bestehen, auch telefonisch oder brieflich zu widersprechen. "Da arbeiten wir noch dran." Microsoft plant auch, zur verbesserten Satellitennavigation mit Smartphones bei seinen Kamerafahrten offene Wlan-Netzwerke abzuscannen. Eine ähnliche Praxis hatte vor einem Jahr im Fall der "Google"-Arbeiten für "Street View" für Irritation gesorgt. "Streetside" war in der Vorwoche von Bundes-Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) jedoch vor allem für das Fehlen einer präventiven Widerspruchsmöglichkeit gerügt worden: „Ich finde es sehr bedauerlich und schwer nachvollziehbar, dass Microsoft deutlich hinter dem Standard zurückbleibt, den Google in Deutschland gesetzt hat“, sagte Aigner der „Passauer Neuen Presse“.

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