Unser digitales Leben: Action-Cams : Kameras für Adrenalinjunkies

Es muss ja nicht gleich ein Stratosphärensprung wie bei Felix Baumgartner sein. Action-Cams halten auch sonst die spektakulärsten Erlebnisse als Video fest.

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Wird die Action-Cam am Helm angebracht, vermitteln die Aufnahmen beim Betrachter den Eindruck, selbst dabei gewesen zu sein.
Wird die Action-Cam am Helm angebracht, vermitteln die Aufnahmen beim Betrachter den Eindruck, selbst dabei gewesen zu sein.Foto: AFP/Juan Mabromata

Das schwere Motorrad neigt sich nach links, dann nach rechts. Wie in einem Ballett gleitet es durch die Kurven, auf der einen Seite die Schräge des Berges, auf der anderen der Blick auf ein weites Tal. Minutenlang tänzelt das Bike durch die Landschaft, so sehen wohl die glücklichsten Momente für einen Zweirad-Enthusiasten aus. Und diese Momente wollen immer mehr Menschen festhalten, Motorrad-Cruiser ebenso wie Skateboard-Fahrer, Segler oder Taucher. Kein Wunder also, dass in der Digitalfotografie derzeit kein anderes Segment so boomt wie der Markt für Action-Cams.
Die wohl spektakulärsten Aufnahmen, die je mit einer Action-Cam gemacht wurden, stammen vermutlich von Felix Baumgartner. Das Video seines Stratosphärensprungs im vergangenen Herbst zeigt auf extreme Weise, wozu Action-Cams in der Lage sind. Von der Bodenkamera aus ist Baumgartner nur als kleiner weißer Fleck zu sehen, der sich hektisch trudelnd bewegt. Das wenige Tage später auf Youtube veröffentlichte Action-Cam-Video zeigt den Freifall-Rekord aus der Sicht des Österreichers. Fast ist es so, als sei man selbst dabei, wie Baumgartner auf die sich unter ihm drehende Erde zufällt, bis er dann den Fallschirm öffnet, noch einmal an den Steuerleinen reißt und sicher landet.

Die kleinen Action-Cams kommen mit einem Überschallsprung aus 39 Kilometern Höhe genauso zurecht wie mit einer Wassersäule von 60 Metern. Feuchtigkeit und hoher Druck machen ihnen ebenso wenig aus wie Schmutz und heftige Erschütterungen. Einige Modelle sind so klein, dass nicht einmal Platz für ein Display vorhanden ist. Was sonst wie ein Zoom-Objektiv als Selbstverständlichkeit gilt, spielt bei den Action-Cams keine Rolle. Sie nehmen die Welt aus der Sicht eines Weitwinkel-Objektivs auf. Während andere Kameras in der Preisklasse zwischen 300 und 450 Euro mit immer mehr Tasten und Drehknöpfen ausgerüstet werden, beschränken sich die Bedienelemente der Action-Cams auf das absolut Notwendige. Das gilt auch für die Fernbedienungen. Wichtig ist, dass man auch mit dem Motorradhandschuh im entscheidenden Moment den Auslöser betätigen kann. Wer mehr möchte, findet bei den teureren Modellen inzwischen praktische Apps für iPhones und Android-Smartphones, mit denen sich genauere Einstellungen vornehmen lassen. Die Verbindung zwischen Kamera und Smartphone wird dabei per Wifi aufgebaut. Das reicht überdies aus, um ein Vorschaubild auf die Handy-Displays zu übertragen.

GoPro und Rollei sind die derzeit härtesten Konkurrenten bei den Action-Cams

Einen besonders harten Kampf um die Gunst von Extremsportlern und Action- Fans führen derzeit zwei Hersteller: Die Firma GoPro hat mit den Hero-Modellen maßgeblich dazu beigetragen, den Trend überhaupt erst auszulösen. Herausgefordert wird GoPro von der Traditionsmarke Rollei, die Action-Cams für unterschiedlichste Anforderungen und Preissegmente anbietet. Der Trend zu Digitalkameras für robustere Einsatzzwecke hat inzwischen aber auch die Kompaktkameras zum Beispiel mit der Nikon Coolpix AW 110 und die Spiegelreflex-Klasse mit der Pentax K30 WR erreicht.
Für Einsteiger gibt es Action-Cams für unter 150 Euro. Dafür müssen aber gerade in puncto Auflösung gravierende Abstriche gemacht werden. Während die Spitzenmodelle in Full HD oder noch besser aufnehmen, unterstützen die Action-Cams in der unteren Preisklasse zumeist nur den einfachen HD-Standard 720p. Und auch die Objektive spielen in einer anderen Liga.
Die GoPro Hero 3 hat gerade erst wieder in einem Test der Fachzeitschrift „c’t“ (Heft 15/13) besonders gut abgeschnitten. Beeindruckt waren die Tester unter anderem über die Vielzahl der Videomodi. Die Hero 3 nimmt Full-HD-Videos mit bis zu 60 Aufnahmen pro Sekunde auf. Selbst schnellste Kamerafahrten können so ruckelfrei in bester Qualität in Zeitlupe wiedergegeben werden. Aufnahmen mit einer Auflösung von 2716 mal 1524 Pixeln werden von der Hero 3 immer noch mit 30 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet. Zwar hätten die Farben nach Meinung der „c’t“-Tester etwas kräftiger ausfallen können, aber bei Schärfe, Detailreichtum und der Güte des Weitwinkelobjektivs ist die Zeitschrift voll des Lobes. Allerdings führt die GoPro Hero eben auch den Preis an.
Die Rollei 5S Wifi gilt als preisgünstige Alternative zur Hero 3 von GoPro. Die Action-Cam von Rollei gibt es in mehreren Varianten wie die Outdoor Edition, die Ski Edition oder die Motorbike Edition, die eine besondere Halterung für Motorrad-Lenker enthält. Das Kameragehäuse der Rollei 5S Wifi Diving Edition ist in Orange gehalten. Sollte sich die Kamera bei einem Tauchgang lösen, findet man sie so besser wieder. Während die Kameras von GoPro im Wesentlichen nur mit einem Saugnapf-Stativ ausgeliefert werden, liegen den Action-Cams von Rollei gleich mehrere Befestigungsmöglichkeiten bei – und auch ein Zweitakku, der bei der GoPro mit rund 50 Euro zu Buche schlägt.
Ein Tipp unter Fachleuten: Egal wie viele Halterungen der Kamera beiliegen oder man extra hinzu gekauft hat: Eine Rolle Panzerband gehört ins Gepäck jedes Adrenalinjunkies. Es verleiht vielen Konstruktionen erst jene Sicherheit, mit der man sich beinahe in jedes Abenteuer stürzen kann.

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