Verhaltenstipps : Für weniger Unsittlichkeit: Google Street View

Waren Sie in der Vergangenheit auch brav? Wenn nicht, könnte das bald peinlich für Sie werden. Google Street View hat Sie vielleicht dabei fotografiert.

Lisa Forgber
Ist die Hose auch angezogen? Wer sich unsittlich verhalten hat, findet sich vielleicht bald in peinlicher Pose im Netz.
Ist die Hose auch angezogen? Wer sich unsittlich verhalten hat, findet sich vielleicht bald in peinlicher Pose im Netz.Foto: ddp

Eines ist sicher: Google Street View kommt. Bis Ende 2010 kann man online 20 deutsche Großstädte per 360°-Fotoaufnahmen erkunden. Menschen sind auch zu sehen. Die werden zwar verpixelt, aber trotzdem spielen alle verrückt: besorgte Datenschützer, entrüstete Bürger, hilflose Politiker.

Dabei kann man das Ganze auch anders sehen: Wir erkennen das große Potenzial dieses Dienstes einfach noch nicht. Stellen Sie sich vor, was man damit alles machen kann! Die Welt wird nicht mehr dieselbe sein: Verbrechen werden aufgeklärt, Sittenstrolche enttarnt und Verkehrssünder erwischt. Das ist alles schon passiert – in Ländern, die den Start des Online-Dienstes bereits hinter sich haben. Wunderbar, oder? Auch für Knigge-Muffel kann es unangenehm werden. Fühlen Sie sich angesprochen? Dann passen Sie gut auf, die folgenden Dinge könnten auch Ihnen passieren:

Unfreiwillig freizügig
Eine kuriose Klage flatterte Google Street View im letzten Jahr aus Finnland ins Haus: Ein Mann wurde "Unten ohne" in seinem Garten fotografiert. Durch Berichte aus der Presse fand er sein unfreiwilliges Halb-Nackt-Foto schließlich bei Google Street View wieder. Die Klage hat er mittlerweile zurückgenommen, die Aufnahme wurde entfernt. Falls auch Sie in der Vergangenheit in Ihrem Garten blank gezogen haben oder öfter mal an der frischen Luft urinieren, sollten Sie bei der Gelegenheit gleich die Google-Aufnahmen Ihrer Lieblingsecken checken. Einige unbedarfte Frischluft-Pinkler aus anderen Ländern können ein Lied davon singen. Im Ernstfall gilt: Die intime Momentaufnahme an Google melden.

Untreue schwer gemacht
Auch Ehebrecher müssen jetzt schwitzen. Sonst könnte es Ihnen zum Beispiel so ergehen wie diesem Engländer: Seine Frau erkannte über Google Street View die ausgefallenen Radkappen des familiären Autos. Nur stand der Wagen nicht vor der Arbeitsstelle, sondern vor dem Haus einer Bettaffäre. Immerhin konnte sich die Betrogene so den Privatdetektiv sparen.

Open-Air-Ausnüchtern
Sie gehen aus, trinken einen, zwei, drei über den Durst, schaffen es nicht mehr nach Hause ins Bett. "Ach", denken Sie sich "der Bordstein tut's auch". Einem Australier passierte genau das und anschließend fand er sich in unvorteilhafter Position auf Google Street View wieder: Er hatte es nur bis vor das Haus seiner Mutter geschafft, nicht mehr hinein. Auch hier wurde das Bild nach Protest des Mannes gelöscht.

Monster und Mutanten
Sie leben wirklich – unter uns. Und wer hat's entdeckt? Google Street View. So manche Aufnahme von Gruselgestalten kursiert im Netz. Da gibt es dreibeinige Omas, eine Riesenzange, die ein Haus angreift, eine Person, die mit ihren vier Klonen in derselben Straße spazieren geht. Laut Google sind das lediglich Bildfehler – doch wenn eine der oben genannten Beschreibungen auf Sie zutrifft und Sie Ihre Existenz geheim halten wollen, melden Sie den "Fehler" besser.

Jetzt ist es zwar schon zu spät, um etwas an den Aufnahmen zu ändern, jedoch sollte sich jeder einzelne von uns der Botschaft bewusst sein: Umdenken ist angesagt. In einer Zeit, in der jeder wissen könnte, was der andere gerade tut, können wir uns so unfeine Dinge wie an Zäune zu pinkeln einfach nicht mehr leisten. Google Street View sei Dank.

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