Videospiele : Schöner rasen

Rund ein Jahr bevor der fünfte Teil der Rennspiel-Serie "Gran Turismo" erscheint, dürfen Fans der Serie schon mal Probe fahren. Mit einem umfangreichen Fuhrpark und sechs Rennstrecken ist der "Prologue" mehr als nur ein Vorgeschmack.

Bertram Küster
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Flitzer in HD. Grafikblender oder Rennspiel der Spitzenklasse? -Screenshot: promo

Mit Tempo 180 fliege ich im schwarzen BMW Z4 auf die Schikane der Rennstrecke von Suzuka zu, hinter mir drängelt ein Mitsubishi Lancer Evolution. Der Blick in den Rückspiegel dauert zu lange, schon brettere ich ungebremst in die Leitplanke. Totalschaden? Mitnichten. Mein schicker Flitzer wurde nur leicht unsanft von Hundert auf Null abgebremst. Während ich mich eben noch fühlte wie Lewis Hamilton, fühle ich mich nun dank des merkwürdigen Boxauto-Effekts wie Fritzchen auf dem Rummelplatz. Langsam biege ich wieder auf die Spur, nehme Geschwindigkeit auf. Das Rennen geht weiter.

Gran Turismo gehört zu den beliebtesten Rennspielen überhaupt. Rund 50 Millionen Mal wurden die vier seit 1998 erschienenen Titel verkauft. Soeben hat Sony den jüngsten Spross Gran Turismo 5: Prologue als "Appettithappen" auf den fünften Teil der Serie veröffentlicht. Das Aushängeschild der Serie sind stets die riesigen Fuhrparks mit hunderten original lizensierten und bis ins Detail nachgebildeten Autos, die auch in Sachen Fahrphysik ihren Vorbildern erstaunlich nahe kommen.

Um so erstaunlicher, dass die Japaner von Polyphony Digital bis heute auf ein ordentliches Schadensmodell verzichten. Kritiker sehen darin den gravierendsten Mangel von Gran Turismo und schmähen das Spiel als Grafik-Blender. Doch das wird dem Spiel nicht gerecht.

Online-Modus enttäuscht

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Screenshot: promo

Denn tatsächlich ist das Fahrgefühl der unterschiedlichen Modelle in kaum einem anderen Rennspiel so vollkommen nachgebildet wie im "Prologue". Ob ich mit einem Mini über die Piste düse oder später in jeder Kurve die Bodenhaftung des mit schwer verdienten Preisgeldern erstandenen Ferrari 599 spüre. Jedes Fahrzeug verhält sich in etwa so wie das reale Vorbild - das ist die Leistung von Gran Turismo. Neu ist, dass die Gegner nun endlich Fahrfehler fabrizieren, was den Rennverlauf wesentlich glaubhafter macht als noch im Vorgänger. Wirklich aggressiv verhalten sich die KI-Rivalen zwar nicht, aber Fortschritt bleibt Fortschritt.

Natürlich sieht das Spiel auch besser aus als alles was es derzeit an Rennspielen gibt. Ob man eine Wiederholung aus einem Rennen betrachtet oder einen Film, der Game-Designer Kazunori Yamauchi bei einer Probefahrt mit einem Nissan auf dem Nürburgring zeigt: Auf einem Full-HD-Fernseher ist dabei kaum noch ein Unterschied feststellbar.

Was hat das Hors d'oeuvre noch zu bieten? Ein Online-Modus, der im derzeitigen Zustand nicht wirklich viel Spaß bereitet. Denn die Rennen sind offen für jedermann und nicht im Entferntesten konfigurierbar. Die Folge: Crash-Rennen ohne Crashs. Meist rumpeln die Gegner ohne Rücksicht auf Verluste über die Strecken, als gebe es kein Morgen. Hier besteht noch Handlungsbedarf, bevor das Hauptspiel auf der Playstation 3 aufschlägt. Online aktualisierte Ranglisten geben Aufschluss über das eigene Können im Vergleich mit dem Rest der Welt.

Rund 70 Autos in der Garage

Nichts zu wünschen übrig lassen die Spielmodi. Im Arcade-Modus kann man in Zeitrennen gegen sich selbst fahren oder man tritt gegen einen Freund im Split-Screen-Modus an. Im Drift-Modus wird zudem der Fahrstil bewertet, wenn man gekonnt um enge Kurven schlittert. Mit dem Aufbau des rund 70 Autos umfassenden Fuhrparks werden selbst Profis eine Weile zu tun haben und wer vom Renngeschehen gerade eine Pause braucht, kann sich in Gran Turismo TV Motorsport-Videos wie die BBC-Serie "Top Gear" zu Gemüte führen.

Fazit:
Es ist schon merkwürdig. Einerseits fehlt Gran Turismo 5: Prologue nicht viel zur ultimativen Renn-Simulation, andererseits ist eine Renn-Simulation ohne Schadensmodell heutzutage eigentlich nicht mehr vorzeigbar. Vergleicht man Gran Turismo beispielsweise mit der schwedischen PC-Rennspiel-Serie GTR, so ziehen die Japaner, was das Renngeschehen angeht, deutlich den Kürzeren. Bislang sollen sich ja die Auto-Hersteller immer gegen die virtuelle Demontage ihrer wertvollen Boliden gewehrt haben. Doch es gibt Licht am Horizont: Angeblich soll das Spiel im Herbst per Update um ein Schadensmodell erweitert werden. Dann werden mit Sicherheit auch die Kritiker noch einmal Probe fahren.

"Gran Turismo 5: Prologue" von Sony, ca. 40 Euro. Die Playstation 3 gibt es im Paket mit dem Spiel für rund 400 Euro.

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