Vier Monate nach dem US-Start : Erstes iPhone auf dem deutschen Markt

Überraschend sinnlich: Das neue Apple-Handy wird mit Fingern statt vielen Tasten bedient. Mit 399 Euro und hohen Monatsgebühren ist es entsprechend teuer. Mit schnellen Preissenkungen ist vorerst nicht zu rechnen.

Kurt Sagatz
iphone
Heute beginnt in Deutschland der Verkauf der begehrten iPhones. -Foto: dpa

Die Deutschland-Premiere dürfte dem Start des ersten Apple-Handys iPhone Ende Juni in den USA in nichts nachstehen. Knapp nach Mitternacht um 0 Uhr 01 soll der Telekom-Shop in der Schildergasse in der Kölner Fußgängerzone öffnen, um das von vielen sehnlich erwartete Technikspielzeug zu verkaufen. Für stolze 400 Euro und einen 24-Monats-Vertrag von T-Mobile erhalten die Technikfans dann einen kleine, schwarze Schachtel, mit der sie glücklich in die Nacht ziehen können.

WAS DAS IPHONE KANN

Knapp zusammengefasst ist das iPhone eine Kombination eines weltweit nutzbaren Vierband-Handys, eines Acht-Gigabyte-iPods zum Abspielen von Musik und zum Betrachten von Fotos und Videos sowie eines mobilen Organizers mit E-Mail- und Internetfunktion. Darüber hinaus wurden eine Digitalkamera sowie Funktechniken wie Wifi und Bluetooth 2.0 eingebaut. Dieses Funktionsspektrum ist zwar groß, aber durchaus nicht untypisch für aktuelle Handymodelle wie beispielsweise das Nokia N95 und das neue Samsung Qbowl oder Smartphones und Blackberrys. Doch es gibt Unterschiede, die das iPhone einmalig machen. Augenfällig ist unter anderem das Äußere: Zwar ist das iPhone weder klein noch leicht, doch mit seinem schlichten Design, das mit Ausnahme der Home-Taste auf der Frontseite und zwei Tasten für Lautstärke und Stand-by auf der Oberseite auf normale Tasten verzichtet, scheint es nur aus einem einzigen Display zu bestehen. Mit einer Diagonalen von 3,5 Zoll oder knapp neun Zentimetern und einer Auflösung von 480 mal 320 Pixeln stellt das berührungsempfindliche Multi-Touch-Glasdisplay selbst die Minimonitore der Handheld-Computer in den Schatten. Das liegt auch daran, dass es die Apple-Entwickler geschafft haben, jeden Quadratzentimeter dieses Displays für das durchdachte und fast sinnlich zu nennende Bedienungskonzept auszunutzen. Beim iPhone werden nicht einfach irgendwelche Knöpfe gedrückt. Hier werden virtuelle Schalter betätigt und Regler geschoben. Auf diesem Display lassen sich Listen von Kontakten sowie Karussells mit Musikalben per elegantem Fingerstreich durchstöbern. Und wer etwas löschen will, streicht behutsam von links nach rechts über die Glasfläche, um den Vorgang dann mit einer weiteren Taste zu quittieren. Die so entstandene Lücke wird nicht einfach durch ein neues Element gefüllt. Nein, die anderen Einträge schieben sich sanft an die frei werdende Stelle. Nicht die Technik, nicht die Funktionen, die vielen Details sind es, die das iPhone unterscheiden und es sowohl äußerlich als auch von der Software zu einer Design-Ikone machen. Selbst das mitgelieferte Zubehör passt sich diesem Konzept an, denn das darin enthaltene Reinigungstuch zum Säubern des Glasdisplays ist für das iPhone tatsächlich wichtiger als der sonst bei Smartphones übliche kleine Stift, auf den Apple verzichtet hat.

WORAUF MAN VERZICHTEN MUSS

Rein technisch betrachtet bleibt das iPhone hinter den aktuellen Möglichkeiten zurück. Auf die schnelle Datenkommunikation UMTS wurde verzichtet. Damit E-Mails und Internetseiten zügig aufs Display gelangen, setzt Apple auf die Edge-Technik, bei der die Daten in ungefähr halbem UMTS-Tempo übertragen werden. Bis zum Jahresende sollen über das T-Mobile-Netz über 95 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Edge haben. Für Tempo sorgt zudem die Wifi-Funktion. Sobald ein Wireless-Lan zur Verfügung steht, schaltet das Handy automatisch auf die schnellere Kommunikationstechnik um. Ebenfalls nicht dabei: die GPS- Navigation, obwohl das iPhone über Google-Maps mit seinen Karten, Satellitenansichten, und regionalen Suchfunktionen verfügt. Der Verzicht hat einen guten Grund: Man habe Rücksicht auf die Akkulaufzeit nehmen wollen, hatte Apple-Chef Steve Jobs erklärt. Je nach Nutzungsart – im Handy-Stand-by, als MP3-Player oder als Videoabspielgerät – muss das iPhone ohnehin jeden oder jeden zweiten Abend aufgeladen werden. Abstriche gegenüber der Konkurrenz muss der iPhone-Nutzer auch bei der Fotografie machen. Zwar lassen sich die Fotofunktionen auf bequeme Art nutzen – um ein Bild zu vergrößern, zieht man mit Daumen und Zeigefinger einfach ein Fenster auf dem Display auf. Mit seinen zwei Megapixeln ist die Auflösung der Kamera eher bescheiden. Die iPhone- Nutzer werden zudem an der langen Leine der iTunes-Software gehalten: Was iTunes nicht mag, kommt auch nicht aufs Handy. Dazu gehören nicht zuletzt umgewandelte DVDs oder typische Internetvideos in Formaten wie Div-X oder Realvideo. Anders als bei vielen anderen Handys ist es zudem nicht möglich, Fotos, Klingeltöne oder andere Daten per Wifi oder Bluetooth auszutauschen – mit einer Ausnahme: dem iTunes Wifi-Shop von Apple. Über diesen Ableger des iTunes-Shops kann man sein iPhone unterwegs kostenpflichtig mit neuer Musik betanken.

WAS DAS IPHONE NICHT MAG

Bereits kurz nach dem Marktstart des iPhones in den USA wurde die Sim-Lock- Sperre des Handys, mit der das iPhone exklusiv an den Provider AT & T gebunden wurde, gehackt. Dadurch kann das Apple-Handy auch mit anderen Mobilfunk-Providern betrieben werden. Da das iPhone über ein komplettes Betriebssystem verfügt, eignet es sich zudem als Plattform für die unterschiedlichsten Programme wie beispielsweise einen NES-Emulator, mit dem man alte Nintendo-Spiele um Super Mario und Co. laufen lassen kann. Aber auch dafür musste das iPhone mit Tools wie dem „iPhone Hacking Kit“ zuerst manipuliert werden. Doch sowohl der unerlaubte Providerwechsel als auch das Aufspielen von nicht zugelassenen Programmen birgt erhebliche Risiken. Einerseits wird das Urheberrecht gebrochen, andererseits die Verträge mit den Providern verletzt. Zudem lassen sich Funktionen wie Visual Voicemail nicht mehr nutzen, wenn die exklusive Verbindung zum Provider unterbrochen wird. Bei der iPhone- Mailbox werden die Nachrichten komplett ans Handy geschickt, so dass man selbst entscheiden kann, in welcher Reihenfolge man sie abhört. Zudem können die gehackten iPhones nicht mehr per Update mit neuen Funktionen versorgt werden. Überdies kann niemand eine Garantie übernehmen, dass das Handy nach dem Hack überhaupt noch funktioniert. Inzwischen hat Apple die Entwicklung von iPhone-Programmen freigegeben, so dass dafür das Hacken der Handy-Firmware nicht mehr lohnt.

OHNE HANDYFUNKTION ALS ITOUCH

Wem neben dem Design und der neuartigen Navigation ohnehin die Musik das Wichtigste ist, kann das iPhone auch ohne Handy erhalten, und zwar als iTouch mit wahlweise 8 oder 16 Gigabyte Speicher für 290 beziehungsweise 390 Euro. Die Wifi-Funktion zum mobilen Musikkaufen über ein Wireless-Lan ist auch im iTouch enthalten.

Das iPhone im Internet

www.apple.com/de/iphone/

gettingstarted/guidedtour.html

www.t-mobile.de/iphone

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