Vom Mittelalter bis zu den Sternen : Prinzessin in Gefahr

Auf in fremde Welten: Doch die meisten der 300 Neuheiten auf der Gamescom in Köln setzen nur bekannte Reihen fort.

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Foto: dapd

Jetzt zieht es sie wieder ins tiefe Mittelalter, zu weit entfernten Sternen, auf die Rennpisten, die großen Bühnen oder zum Champions-League-Finale: Noch bis Sonntag ist Köln der Nabel der Computer- und Videospielwelt. Eine viertel Million Besucher werden auf der Gamescom erwartet. Über 300 Neuheiten wollen die 550 Aussteller präsentieren. Schließlich ist die interaktive Unterhaltungstechnik ein gewaltiger Geschäftszweig, mit dem im ersten Halbjahr in Deutschland fast 800 Millionen Euro umgesetzt wurden. In Köln können die Fans von Super Mario, Lara Croft und Sonic, vom Assassinen Ezio und dem Egomanen Max Payne oder von Batman, Spider-Man und „Zelda“-Titelfigur Link ausprobieren, was in den nächsten Monaten in den Handel kommt.

PLAYSTATION VITA GEGEN NINTENDO 3DS

Die großen Neuigkeiten stammen in diesem Jahr von den kleinen Formaten: Einerseits werden Online-Spiele auch von deutschen Entwicklern wie Bigpoint oder Wooga immer beliebter. Andererseits wird es besonders bei den Nachfolgern des Gameboys spannend. Nintendo hat gerade den Preis für die mobile Konsole 3DS mit ihrer dreidimensionalen Darstellung gesenkt – um rund ein Drittel auf nun jetzt 160 Euro. In Köln wird nun neben dem Rennspiel „Mario Kart“ auch „Super Mario 3D“ gezeigt. Nintendo hat guten Grund sich anzustrengen: Mit der Playstation Vita zeigt Sony, was derzeit technisch beim Mobil Gaming möglich ist – allerdings für die deutschen Spieler erst im kommenden Jahr. Ein besonders brillantes Display und eine neue Steuerungsform – auf der Unterseite befindet sich ein zusätzliches Touchpad – sollen Spiele wie das beliebte „Litte Big Planet“ noch interessanter machen. Zudem zeigt Sony eine abgespeckte PSP-Version ohne Wlan, die im Herbst für unter 100 Euro in den Handel kommen soll.

HOHE ENTWICKLUNGSKOSTEN

Bei den klassischen Spielen für Computer und Konsolen gibt es zwar viele Neuerscheinungen, die meisten davon setzen jedoch nur erfolgreiche Reihen fort. Mitunter heißt es, die Spieler bewegen sich am liebsten auf ausgetretenen Pfaden. Tatsächlich aber nimmt das wirtschaftliche Risiko und somit die Angst vor einem Flop zu. Für die Bestseller bewegen sich die durchschnittlichen Entwicklungskosten zwischen 20 bis 30 Millionen Dollar, die aktuelle Version von „Call of Duty: Modern Warfare 2“ soll sogar 50 Millionen Dollar verschlungen haben. Filmreife Plots und möglichste opulente Grafiken oder eine 3-D-Optik verhindern mutige Versuche mit neuen Stoffen. Das gilt auch für die Spieler: Wenn „Modern Warfare 3“ im November in den Verkauf kommt, wird es für die PS3 über 60 Euro kosten. Also bleibt vieles beim Alten: Welche Zeiten eine Spielfigur überdauern kann, zeigt Pixel-Amazone Lara Croft. Die adelige Schatzjägerin erschien 1996 erstmals auf einem Computermonitor, in diesem Jahr wird der neunte Teil von „Tomb Raider“ vorgestellt.

IN DER ZEITMASCHINE

Um die Kundschaft nicht zu langweilen, haben einige Publisher die Zeitmaschine angeschmissen. Das deutsche Studio Bluebyte stellt in Köln „Anno 2070“ vor. Der erste Teil der Reihe mit dem Titel „Anno 1602“ stammt von 1998, weitere folgten 2002, 2006 und 2009. Mit der Fortsetzung der Aufbausimulation wird nun erstmals die Zukunft besiedelt – nachdem der Klimawandel die Polkappen abgeschmolzen hat und die Welt nun aus einer Vielzahl von Inseln besteht. Immerhin: Gute Navigationsfähigkeiten haben einen „Anno“-Spieler schon immer ausgezeichnet. Einen Zeitsprung erleben auch Freunde des Online-Rollenspiels „Star Wars – The Old Republic“. Die Handlung spielt mehrere tausend Jahre vor der Zeit von Darth Vader. Der Spieler wird verwickelt in den großen Krieg zwischen der Galaktischen Republik und dem Sith-Imperium. Electronic Arts hofft darauf, mit „The Old Republic“ das Online-Rollenspiel „World of Warcraft“ vom Thron zu stoßen. Die Zahl der Vorbestellungen soll bereits jetzt gigantisch sein, obwohl selbst jetzt auf der Gamescom kein Veröffentlichungstermin genannt wird. Den Weg in die Online-Welt finden nun auch die alten Griechen und Ägypter. Microsoft hat zur Gamescom das Aufbaustrategiespiel „Age of Empires Online“ offiziell gestartet. Es gibt eine kostenlose Version zum Download unter www.ageofempiresonline.com und eine Box-Version mit Bonusmaterial für rund 17 Euro. Im Unterschied zum Beispiel zu „Anno“ spielen neben dem Aufbau der Siedlungen die kriegerischen Auseinandersetzungen eine wichtige Rolle. Vieles zu entdecken gibt es in Köln überdies für die Rollenspiel-Fans. Für „Diablo 3“ zwar weiter ein Veröffentlichungstermin, auf der Gamescom kann schon einmal ein Blick auf das Spiel geworfen werden. Weitere Highlights sind die Titel „The Elder Scrolls 5: Skyrim“, „Darksiders 2“ oder „Risen 2: Dark Waters“, in dem bei der Rettung der Welt auch gegen Ungeheuer aus der Tiefe des Ozeans gekämpft werden muss.

SPIELEN MIT BEDACHT

Dass die über 23 Millionen interaktiven Computer- und Konsolenspieler nun nur noch vor ihren Daddelkisten sitzen, diese Gefahr besteht zumindest laut einer Bitkom-Studie nicht. Die meisten Computerspieler gehen maßvoll mit dem Angebot um, wenige sitzen stundenlang vor dem Gerät. 62 Prozent der über 14-jährigen Video- und Computerspieler spielen zwar täglich, die meisten davon aber nicht mehr als zwei Stunden pro Tag, berichtete der Branchenverband pünktlich zur Gamescom. Über 30 Prozent nutzen Spielekonsole, Computer oder Smartphone mehrmals pro Woche oder seltener. Vier Prozent spielen allerdings zwei bis vier Stunden täglich, drei Prozent sogar mehr als vier Stunden pro Tag. Zum Vergleich: Der durchschnittliche TV-Konsum in Deutschland liegt derzeit bei etwa 3,5 Stunden täglich. Und manches Spiel wirkt ohnehin fast analog, so wie „Rocksmith“. Der große Unterschied dieses Gitarrenspiels für Playstation 3 und Xbox 360 besteht darin, dass bei dem Ubisoft-Titel eine echte Elektrogitarre angeschlossen wird. Statt fernen Welten gibt es dann Gitarrenriffs zu Songs von The Animals, Nirvana oder The Rolling Stones.

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