Windows 7 : Nach sieben Minuten ausverkauft

50 Euro für das neue Windows 7 – der Vorrat an Gutscheinen für das neue Betriebssystem sollte bis August halten. Am Mittwoch zündete Microsoft die letzte Stufe der größten Marketingrakete in der Firmengeschichte. Sie verglühte schneller, als es den Computerenthusiasten lieb war.

Kurt Sagatz,Ralf Schönball
Windows7
Den Hype um Windows 7 hat Microsoft geschickt eingefädelt. -Foto: dpa

Am Mittwoch war es endlich so weit: Der vorgezogene Starttag des Betriebssystems Windows 7, dem brandneuen Hoffnungsträger von Softwaregigant Microsoft. Bekommen haben es nur die allerschnellsten Schnäppchenjäger. Microsoft bestätigte auf Anfrage des Tagesspiegels, dass bereits nach wenigen Stunden das "limitierte Vorverkaufsangebot für die Vollversion Windows 7 Home Premium E zu 49,99 Euro Unverbindliche Preisempfehlung" bei den meisten teilnehmenden Händlern ausverkauft war. Zum Einführungspreis war Windows 7 beim Online-Händler Amazon nach wenigen Minuten nur noch zum normalen Preis von 119,97 Euro zu haben. Beim Elektronik-Multi Conrad kamen viele Kunden gar nicht erst auf den Server.

"Dieser große Erfolg hat uns selbst überrascht", sagt Dorothee Ritz, General Manager Consumer und Online bei Microsoft Deutschland. Er zeige, dass sich Kunden bereits heute unbedingt das neue Betriebssystem sichern möchten. "Die große Nachfrage in Deutschland hat sogar unsere bisherigen Erfahrungen in den USA und Japan übertroffen", so Ritz weiter. Microsoft hatte mitgeteilt, dass die Aktion bis „Mitte August“ laufen sollte, aber zugleich eingeschränkt: „oder solange der Vorrat reicht“. Wie viele Versionen es zum Einführungspreis wirklich gab? Daraus macht Microsoft ein großes Geheimnis. In Japan, wo die Aktion bereits im Juni lief, war Windows 7 zum Einführungspreis nach zwei Tagen ausverkauft.

Die Windows-7-Version zum Vorzugspreis war nach Angaben von Microsoft über die Elektronikhändlern Conrad, Expert, MediaMarkt, Saturn und Amazon verkauft worden. Zeitweise war es auch in dem Online-Shop von Microsoft selbst zu kaufen.

Bei Conrad und Amazon war die Software ausschließlich im Internet zu haben, bei Expert auch in den Filialen des Unternehmens. Doch deren Kontingent war offensichtlich sehr begrenzt. In der Berliner Expert-Filiale von Ludwigsfelde war die letzte preisgünstige Vorabversion bereits gegen 11 Uhr verkauft. Der Laden hatte erst zwei Stunden zuvor geöffnet. Nach Angaben einer Verkäuferin hätten allerdings auch nur "etwa 25" Windows-7-Versionen für knapp 50 Euro zur Verfügung gestanden.

Den Ausverkauf meldeten auch andere Verkaufsstellen wie Alternate, deren Website wegen des anhaltenden Ansturms zusammenbrach.

Kein Wunder, denn auf 95 Prozent aller Computer weltweit läuft ein Betriebssystem von Microsoft. Und viele hatten um die schwerfällige Vorgängerversion Vista einen großen Bogen gemacht und warten nun sehnlich auf Windows 7. Ausgeliefert  wird das von Experten hochgelobte, blitzschnelle und benutzerfreundlichge Betriebssytem aber erst am 22. Oktober. Am Mittwoch startete also genau genommen nur die letzte Stufe einer genialen Marketingrakete: die Verteilung von Gutscheinen für die Vorbestellung der Software zum Einführungspreis. Trotzdem endete die Aktion schon kurz nachdem sie begonnen hatte – und viele  enttäuschte Kunden hinterließen wütende Mails auf den Websites der Händler.

Den Hype um Windows 7 hat Microsoft geschickt eingefädelt. Anfang Januar stellte das Unternehmen die Beta-Version des neuen Betriebssystems zum Testen als kostenlosen Download ins Internet. Die Begrenzung auf 2,5 Millionen Downloads gaben die Redmonder schnell auf, zu groß war die Nachfrage nach der Testversion. Anfang Mai folgte mit dem so genannten Release Candidate die letzte Version vor der endgültigen Verkaufsfassung, und zwar wiederum als kostenlose Probeversion für jeden interessierten Computerenthusiasten. Diese Vorversion konnte zusätzlich zum eigentlichen Betriebssystem installiert werden. Und sie  läuft bereits so stabil, dass viele Computernutzer ausschließlich mit Windows 7 arbeiten, surfen oder spielen.

Auch im Tagesspiegel läuft ein Testrechner vorwiegend im Windows-7-Betrieb: Die Software geht sparsamer mit den vorhandenen Ressourcen um. Zudem findet Windows 7 automatisch Treiber zu Hardware-Komponenten, die bei Vista immer Probleme bereitet hatten. Die Steuerung und die Benutzeroberläche wurden so verbessert, dass Dokumente, Internet-Lesezeichen und Einstellungen leichter zu finden sind, was die Arbeit erheblich beschleunigt. Aber am wichtigsten: Die Entwickler haben Windows 7 die nervigen Warnhinweise des Vorgängers abgewöhnt.

Mit der nun angelaufenen Vorverkaufsaktion heizt Microsoft diese Begeisterung weiter an. Eine Begeisterung, die anders als beim ungeliebten Vorgänger Windows Vista auch von den Experten in den Redaktionen der großen Computerzeitschriften geteilt wird. „XP & Vista jetzt auf Windows 7 upgraden“, empfiehlt „PC Praxis“ ihren Lesern, und das fast fünf Monate vor dem Verkaufsstart. Für die „PC Welt“ ist schon jetzt klar: „Windows 7 – Aus für XP & Vista“.

Der Handel hat sich darauf bereits eingestellt. Seit Ende Juni greift die „Windows 7 Upgrade Option“. Wer jetzt einen Vista-Computer kauft – mit den Varianten Home Premium, Business oder Ultimate – kann bei den großen Computerherstellern von diesem Angebot Gebrauch machen. Je nach Händler fallen jedoch möglichlicherweise Bearbeitungs- und Versandkosten an.

Kurt Sagatz und Ralf Schönball

Die Herstellerliste für die Upgrade-Option
www.microsoft.com/germany/windows/buy/offers/upgrade.aspx

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben