Windows Vista : Besser geht’s noch

Viele Computernutzer zögern mit dem Umstieg auf das Betriebssystem Vista – aus gutem Grund.

Tim Klimeš,Markus Ehrenberg
Vista
Weichere Anmutung als XP. Dafür scheint der neue Media Player 11 im Betriebssystem Vista nicht immer reibungslos zu laufen. -Repro: Tsp

Gut ein halbes Jahr ist es her, dass Microsoft sein neues Betriebssystem Windows Vista auf den Markt geworfen hat. Mehr als 60 Millionen Mal ist es verkauft. Immer noch fragen sich aber Computernutzer, ob sie beim eingeführten System XP bleiben oder ob sie auf die neue Windows-Welt umsteigen sollten. Schon ist für diese ein „Service Pack 1“ in Arbeit – gegen diverse Geburtsfehler von Vista. Voraussichtlicher Erscheinungstermin: im ersten Quartal 2008, so eine Microsoft-Sprecherin. Die Aktualisierungen, die das „Service Pack 1“ verspricht, können sich Vista-Nutzer bereits jetzt über Windows-Updates auf ihren PC holen. Für XP-Nutzer, die nicht sofort umsteigen und sich bald ein neues Gerät zulegen wollen, macht es nach Expertenmeinung aber durchaus Sinn, ein paar Monate auf den neuen Rechner inklusive verbesserter Vista-Version zu warten.

WO HAT VISTA PROBLEME?

Das „Service Pack 1“ (SP1) soll Probleme beheben, die bei Nutzern zum Einfrieren oder zum Absturz des Systems geführt haben, darüber hinaus schonender mit den Notebook-Akkus umgehen. Auch die Treiberdatenbank, die Windows üblicherweise mitliefert, soll mit Software für gängige Grafikkarten, Monitore und Drucker erweitert werden. Viele Vista-Nutzer der ersten Stunde hatten beklagt, dass sie ihre Hardwarekomponenten (wie die beliebte Nvidia-Grafikkarte „Geforce 5900“) aufgrund fehlender Treiber nicht nutzen konnten. Die Schuld sei aber nicht nur bei Microsoft zu suchen, sagt Thomas Hamann von PC-Notruf. „Viele Hardwarehersteller wie HP, Creative oder Nvidia trugen mit ihrer Treiberbereitstellung nicht zu einem guten Vista-Start bei.“ Ein Update mit dem „Service Pack 1“ könnte diese Probleme beheben und dafür sorgen, dass „das Kopieren und Extrahieren von Dateien schneller klappt“, ergänzt Axel Vahldiek, Redakteur der Computerzeitschrift „c’t“. Außerdem sollen „auch Probleme beim Aufwachen aus dem Ruhezustand“ behoben werden.

WO IST VISTA JETZT SCHON BESSER?

Wer nach dem Prinzip „Safety First“ verfahren möchte, ist mit Vista gut bedient. „Das sichere Arbeiten fällt im Vergleich zu XP deutlich leichter“, sagt Axel Vahldiek. Selbst mit Administratorrechten, also dem unbeschränkten Zugriff auf alle Funktionen des Rechners, wird der Nutzer vor Eingriffen in das System um Erlaubnis gefragt. Ein ungewollter Lapsus wird so nicht gleich zum Supergau. Dennoch: Für den Computerexperten erscheint „Vista im Unterschied zu XP an vielen Stellen langsamer und unausgereifter“. Auch die Hilfe-Funktion habe sich verschlechtert. „Während die Onlinehilfe unter XP echten Nutzen bringt, hilft sie unter Vista oft nicht weiter.“ Man kann sich aber auch einfach die Rosinen bei Windows Vista herauspicken. „Findige Programmierer haben viele der neuen Funktionen nachgebaut“, so Vahldiek. Die Vista-Ergänzungen sind oft sogar kostenlos und lassen sich im Internet runterladen (www.heise.de/software).

BEKOMME ICH NOCH RECHNER MIT XP?

„Es gibt kaum noch Rechner ohne Vista. Viele unserer Kunden wollen solche Geräte“, sagt Thomas Hamann von PC-Notruf. Saturn und Media Markt führen nur noch Rechner mit Vista. „Es kommt auf den jeweiligen Händler an“, weiß Axel Vahldiek. Erfahrungsgemäß sind Erstversionen von Betriebssystemen immer fehlerhaft. So war es auch bei Windows XP. Eine altbekannte Regel besagt, dass man vor dem Erscheinen des ersten Service Packs nicht aufs neue Betriebssystem umsteigen sollte, so der „c’t“-Redakteur. „Das gilt auch für Vista.“ Fraglich sei aber, ob das erste Service Pack Besserung bringt. Da Microsoft mit SP1 nicht nur Fehlerbehebung anbiete, sondern auch eine – für den Nutzer unerhebliche – Code-Änderung vorantreiben wolle, kann damit gerechnet werden, dass ein weiteres Service Pack folgen muss, um Vista auf den stabilen Stand von XP zu bringen. Wer also bislang mit XP zufrieden ist, kann seinem Betriebssystem treu bleiben, rät der Computerexperte. Vista brauche noch Zeit, um auszureifen. Microsoft hat darüber hinaus angekündigt, dass XP bis mindestens 2014 mit den wichtigsten Updates versorgt werde.

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