Wlan-Router : Internet wie zu Modemzeiten? Dual-Band-Router machen lahme Funknetze wieder flott

Internet per Wireless-Lan ist bequem - und inzwischen so beliebt, dass die Netze immer häufiger überlastet sind. Ein neues Gerät aus Berlin bietet einen Ausweg aus diesem Dilemma.

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Foto: Promo

So mancher Erfolg erweist sich später als Pyrrhussieg. Das gilt auch für Internet-Funknetze – besser bekannt als Wireless Lans oder Wlans. Das kabellose Internet ist so beliebt, dass in dichter bewohnten Stadtvierteln zahllose Wlans um die begrenzten Ressourcen konkurrieren. Von den sagenhaften Übertragungsraten auf den Geräteverpackungen bleibt nur wenig übrig. Die Webseiten bauen sich kaum schneller auf als zu Modemzeiten – von ruckelfreien Webvideos ganz zu schweigen. Doch nun gibt es eine Lösung des Problems, an der die Berliner Telekommunikationsspezialisten von AVM maßgeblich beteiligt sind.

Bislang funkten die meisten Wlans im 2,4-Gigahertz-Band mit seinen maximal 13 Kanälen. Überschneidungsfrei und mit der größtmöglichen Übertragungsrate können in diesem Band nur drei Netzwerke funken, und auch nur dann, wenn sie optimal aufeinander abgestimmt wurden. Mit jedem weiteren Wlan sinkt die effektive Datenrate, zumal im 2,4-Gigahertz-Band auch noch Bluetooth und Audio-Video-Funkbrücken ihren Dienst verrichten. Die Lösung liegt im 5-Gigahertz-Band. Über die 19 Kanäle können dort acht bis neun weitere Wlans störungsfrei nebeneinander arbeiten. Zudem eignet sich dieses Frequenzband besonders gut für die störungsfreie Übertragung von Media-Daten, beispielsweise Videos in High Definition.

Das neue Frequenzband wird von einigen Wlan-Routern – also den Basisstationen des Funkinternets – bereits genutzt, allerdings musste man sich bislang für eines der beiden Bänder entscheiden. Die Neuentwicklung aus Berlin mit dem Namen Fritz!Box Fon Wlan 7390 (im Bild) funkt auf beiden Bändern parallel. In unserem Test konnte so zugleich ein schneller Desktop-PC mit einem Wlan-Stick im aktuellen N-Standard mit bis zu 300 Megabit/Sekunde im 5-Gigahertz-Band versorgt werden sowie ein älteres Notebook, das noch mit dem weit verbreiteten G-Standard mit 2,4 Gigahertz funkt. Das können zwar auch andere Wlan-Router mit Dual Band und N-Standard wie der Linksys WRT610N Wireless-N Simultan Dual Band Router für 150 Euro oder der Netgear WNDR3700-100PES RangeMax Router für 120 Euro. Allerdings benötigen diese Geräte zusätzlich ein DSL-Modem, zudem fehlen ihnen die reichhaltigen Telefonie-Funktionen des AVM-Gerätes.

Die Fritz!Box ist ein echtes Multitalent, die Fachzeitschrift „chip“ hat den Vorgänger 7270 bereits als „Ausstattungswunder“ tituliert. Genau wie sie ist die 7390 zugleich eine Telefonanlage für analoge Telefone, ISDN-Geräte und Internettelefonie. Sie ersetzt die Dect-Basisstation für sechs Schnurlostelefone, stellt mehrere Anrufbeantworter bereit und fungiert als Faxgerät. Ins Internet verbindet sie nun auch mit VDSL-Geschwindigkeit, neben Wlan (verschlüsselt wird über WEP, WPA und WPA2) stellt sie ein Gigabit-Netz für vier Computer zur Verfügung. Über den eingebauten USB-Anschluss können drei Geräte (Drucker, Scanner, USB-Festplatte zusätzlich zum internen Speicher) über die Box zentral zur Verfügung gestellt werden, auf die Festplatte lässt sich passwortgeschützt auch über das Internet zugreifen. Zudem können Flachbildfernseher mit Netzwerkeingang über die Fitz!Box Musik, Fotos und Videos von den Netzwerkcomputern oder einer Festplatte an der Fritz!Box abrufen. Im Zusammenspiel mit speziellen Telefonen wie dem Fritz!Fon MT-F stehen weitere Funktionen zur Verfügung – zum Beispiel untereinander in Hifi-Sprachqualität über das Internet telefonieren. Auf dem Display des Telefons lassen sich zudem Internetdienste wie Mail, Nachrichten oder Wetterinformationen darstellen, auch Webradio (voreingestellt unter anderem Deutschlandfunk) gibt das MT-F wieder.

Die Fritz!Box ersetzt eine Vielzahl von Geräten. Dies spart Platz, aber auch Strom. Wurden zuvor für Router, Telefonwandler und Anrufbeantworter bis zu 60 Watt verbraucht, sinkt der Verbrauch nun auf ungefähr ein Viertel. Das Funknetz lässt sich direkt über einen Knopf auf der Geräteabdeckung ein- und ausschalten.

Noch ist die Fritz!Box Fon Wlan 7390 nicht überall erhältlich. Das soll sich nach AVM-Angaben bis Ende April ändern. Die Preisempfehlung liegt bei 290 Euro, es gibt zudem Bundle-Angebote zum Beispiel bei 1&1 zu einem VDSL-Internetpaket. Kurt Sagatz

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