Wohnzimmer statt Muckibude : Mit vollem Körpereinsatz

Die Bewegungssteuerungen machen es möglich: Drei Fitness-Programme für die Videospiel-Konsolen Wii, Playstation 3 und Xbox 360 im Vergleich.

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Das Fitness-Spiel „EA Sports Active 2“ gibt es für alle drei Konsolensysteme. Fängt die Kamera die Bewegungen des Spielers einmal nicht korrekt ein, muss die Übung wiederholt werden. Dafür kann das „Balance Board“ bei der Wii zum Mogeln verleiten.
Das Fitness-Spiel „EA Sports Active 2“ gibt es für alle drei Konsolensysteme. Fängt die Kamera die Bewegungen des Spielers einmal...Foto: Promo

Der Winter ist noch lange nicht zu Ende. Bevor die sportlichen Aktivitäten wieder dauerhaft nach draußen verlegt werden können, werden noch zwei, drei Monate vergehen. Mit der Videospielkonsole Wii kann das Wohnzimmer schon seit längerem zum Fitnesscenter umfunktioniert werden. Entsprechende Bewegungssteuerungen gibt es inzwischen auch für Playstation 3 und Xbox 360. Wir haben die Erweiterungen auf ihre Fitness-Tauglichkeit geprüft.

„WII FIT PLUS“ FÜR DIE WII UND DAS „BALANCE BOARD“

Mathe macht schlank, das trifft jedenfalls für die neue Disziplin „Hüftrechnen“ zu, eine von vielen Übungen für das Konsolenspiel „Wii Fit Plus“ von Nintendo. Beim „Hüftrechnen“ muss möglichst schnell addiert werden – und zwar mit vollem Körpereinsatz. Der Spieler steht dabei auf einer überdimensionierten Körperwaage, dem sogenannten „Balance Board“. Es misst nicht nur das Gewicht, sondern kann über mehrere Sensoren kleinste Gewichtsverlagerungen ermitteln und per Funk an die Wii-Konsole schicken. Beim „Hüftrechnen“ werden auf diese Art auf dem TV-Bildschirm mit Hüfte, Bauch oder Po verschiedene Zahlen angestupst, um das richtige Ergebnis zu erlangen – und das gegen die Zeit. Die Beweglichkeit wird auch auf dem „Hindernis-Parcours“ verbessert. Der Spieler muss als eine Art „Super Mario“ möglichst schnell verschiedene Hindernisse überwinden, ohne dabei von großen schwarzen Kugeln aus der Bahn gekickt zu werden, in einen der vielen Abgründe zu fallen oder von riesigen Baumstämmen plattgewalzt zu werden. Verständlicherweise kann der Spieler auf dem Board nicht wirklich rennen, doch auch das Auf-der-Stelle-Laufen und Strecken ist allemal gesünder, als „Super Mario“ vom Sofa aus zu spielen.

Überhaupt ist es erstaunlich, wie viele Übungen zum Muskelaufbau, zur Verbesserung der Ausdauer oder zur Dehnung für das „Balance Board“ entwickelt wurden. Dabei können persönliche Trainingsziele festgelegt werden, beispielsweise zur Stärkung der Rückenmuskulatur. Entweder stellt man die Übungen selbst zusammen oder man lässt sich einen Trainingsplan vorschlagen. Doch auch dieses Fitness-Konzept geht nur auf, wenn sich der Spieler darauf einlässt, denn einen Mogel-Schutz gibt es nicht. Doch nicht nur aus diesem Grund spricht vieles dafür, das Fitness-Programm nicht alleine anzugehen. Zusammen mit anderen macht das Trainieren mehr Spaß.

„Wii Fit Plus“, Nintendo. Inklusive „Balance Board“ 86 Euro, sonst 35 Euro.

„EA SPORTS ACTIVE 2“ FÜR XBOX 360 UND KINECT

Mit Kinect hat die Firma Microsoft einen Hauch von Science Fiction in deutsche Wohnzimmer gebracht. Die 150 Euro teure 3D-Kamera registriert sämtliche Bewegungen der Spieler und überträgt sie auf den Bildschirm. Wer Kinect nutzen möchte, benötigt zunächst einmal viel Platz: Zwei bis drei Meter Abstand zur Kamera sollten es sein, dazu ein Meter nach hinten und je einer zu beiden Seiten. Dass voller Körpereinsatz gefragt sein wird, merkt der Spieler spätestens dann, wenn er den mitgelieferten Herzfrequenzmesser um den Unterarm schnallt. Bei allen Übungen zeigt „EA Sports Active 2“ den Puls und die verbrannten Kalorien an: Ein Motivationstrick, der seine Wirkung nicht verfehlt.

Bei der Wahl des passenden Trainings macht das Programm eine Fülle von Vorschlägen. Der Workout-Plan umfasst einen Zeitraum zwischen drei und neun Wochen, Als virtueller Coach stehen wahlweise ein Kraft- und Konditionstrainer oder eine Fitnesstrainerin parat. Die rund zwanzigminütigen Trainingsintervalle sind in Aufwärmen, Stretching, Kraft- und Ausdauerübungen unterteilt. Aufgelockert wird das Ganze durch Fußball- und Völkerballeinlagen. Nicht immer erkennt Kinect die Spielerbewegungen einwandfrei. So kann es vorkommen, dass eine Übung wiederholt werden muss, obwohl sie korrekt ausgeführt wurde. Gleichzeitig fehlen aber auch Tipps, wie sich die Körperhaltung verbessern lässt – ein Trainer aus Fleisch und Blut kann das besser. Die Schwächen in der Bewegungserkennung macht „Active 2“ mit seinem Funktionsumfang wett. Trainieren lässt sich übrigens auch zu zweit, was aber mehr Platz im Wohnzimmer und einen zweiten Pulsmesser erfordert. Die Kinect-Version des Fitness-Spiels unterscheidet sich kaum von den anderen Konsolenfassungen. Bei „EA Sports Active 2“ für Wii und Playstation 3 trägt der Spieler mehrere Bewegungssensoren an Armen und Beinen.

„EA Sports Active 2 – Personal Trainer“. Für Nintendo Wii, Playstation 3 und Xbox 360. Preis 100 Euro.

„YOUR SHAPE: FITNESS EVOLVED“ FÜR PLAYSTATION 3 UND MOVE

Optisch unterscheidet sich der Kinect-Exklusivtitel „Your Shape“ deutlich von „EA Sports Active 2“: Es dominieren glänzend weiße Fitness-Kulissen mit einzelnen satten Farbtupfern. Anders als beim Konkurrenzprodukt ist das Aussehen des Spieler-Avatars nicht frei wählbar, sondern entspricht dem 3D-Scan der Kinect-Kamera: Ein Vorteil, weil man die eigenen Bewegungen besser verfolgen und korrigieren kann. Statt einer Selbsteinstufung bietet „Your Shape“ zu Beginn einen Fitness-Test, der laut Hersteller die Leistungsfähigkeit von Herz und Muskeln ermitteln soll – einen Pulsmesser liefert die Firma Ubisoft allerdings nicht mit.

Das Programm lässt seinen Nutzern die Wahl zwischen personalisiertem Langzeittraining, einzeln abrufbaren Fitness-Übungen, Kardio-Boxing, Yoga und Sportspielen. „Your Shape“ achtet genauer auf falsche Bewegungen als „EA Sports Active 2“ oder auch das kameralose „Wii Fit plus“: Ist die Kniebeuge nicht vorschriftsmäßig tief gehockt, wird man schon mal unsanft von der Trainerin zurechtgewiesen. Die witzigen Sportspiele – vom Hula-Hoop bis zum Klötzchen-Balancieren – sind eine nette Dreingabe für bis zu vier Teilnehmer. Alles in allem bietet „Your Shape“ weniger Abwechslung als der Konkurrent, kostet aber auch nur die Hälfte.

„Your Shape: Fitness Evolved“. Für Xbox 360. Preis: 50 Euro.

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