Worms 4 - Mayhem : Putzige Aggressoren

Lange Zeit galten Würmer als armselig, hilflos und unappetitlich. Die "Worms"- Reihe hat mit diesen fiesen Vorurteilen aufgeräumt. Jetzt ist "Worms 4 - Mayhem" erschienen. Was gibt es Neues von unseren Lieblingstierchen?

Achim Fehrenbach

Sie wurden als Köder missbraucht und als Computerviren verfemt. Man trat sie in den Staub, ohne zu ahnen, wen man da eigentlich vor sich hatte. Bis sich endlich die Erkenntnis durchsetzte, dass Würmer viel mehr zu bieten haben als Nacktheit und Glitschigkeit. Sie sind kleine Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten.

Der Computerspiel-Serie "Worms" ist es zu verdanken, dass wir die geradezu menschlichen Eigenschaften der putzigen Kriecher kennen gelernt haben. Im Sommer 2005, 14 Jahre nach der Entdeckung der digitalen Wurmgattung, liegt nun "Worms 4 - Mayhem" in den Verkaufsregalen.

Kriech spielen

Rein äußerlich hat sich die Spezies beträchtlich weiterentwickelt, sie kommt jetzt dreidimensional angekrochen. Ansonsten unterscheidet die 3D-Würmer nichts von ihren Urahnen: Aggressiv weiten sie den ihnen zugewiesenen Lebensraum aus und schrecken dabei auch nicht vor kriegerischen Mitteln zurück. Mit Raketen, Granaten und explodierenden Schafen bekämpfen sie ihre Gegner bis zum letzten Atemzug. In "Worms" wird Gewalt nicht etwa verherrlicht - sie wird verniedlicht.

Die Erwartungen an "Mayhem" waren groß: Würde es den Züchter von Team17 endlich gelingen, ihre Zöglinge den Anforderungen der Spiele-Neuzeit anzupassen? Jahr um Jahr hausten die Würmer bequem, aber ohne Fortschritt in ihrem Biotop, mit den immergleichen Waffen, der bescheidenen Grafik und dem simplen, rundenbasierten Spielkonzept. Während sich die Computerspielwelt rasant weiterentwickelte, blieb "Worms" ein Relikt der 90er Jahre - daran konnten auch die vielen Add-Ons und Spin-Offs nichts ändern.

"Worms 4 - Mayhem" bleibt der Serie treu - im Guten wie im Schlechten. Immer noch geht es darum, gegnerische Würmer möglichst kreativ ins Jenseits zu befördern. Die kriechenden Krieger bekommen dafür ein paar neue Waffen spendiert, zum Beispiel einen Holzhammer, der den Gegner an einem Ort festnagelt, oder einen "aufblasbaren Briten", der die Gegner in schwindelerregende Höhen trägt und dann unsanft fallen lässt.

Auf den Schirm!

Die Steuerung der Worms im dreidimensionalen Umfeld ist erstaunlich einfach. Schnell gewöhnt man sich daran, je nach Bedarf zwischen den drei Ansichten (Schulter-, Vogel- und Egoperspektive) hin- und herzuschalten. Ein kleiner Radarschirm am oberen Bildrand erleichtert die Ortung der Gegner. Schwierig ist das Hangeln am Ninja-Seil. Bei der ständig wechselnden Sichtachse lassen sich Entfernungen und die entsprechende Dosierung nur schwer abschätzen.

Die Dreidimensionalität hat auch noch einen anderen Nachteil: Die beliebten Kettenreaktionen sind seltener geworden. In den alten 2D-Versionen saßen alle Würmer auf einer Achse. Mit einer geschickten Sprengung konnte man eine Domino-Effekt auslösen, der mehrere Gegner ins Verderben reißt. In "Mayhem" geht das natürlich immer noch, nur ist die Wahrscheinlichkeit sehr viel geringer bzw. das erforderliche Geschick höher.

Letztendlich sind die dreidimensionalen Welten aber ein Gewinn. Es macht schon ordentlich Spaß, sich auf zwei einander gegenüberliegenden Hochhäusern mit allerlei Waffen zu beharken. Zur Auswahl stehen Ritterburgen, Baustellen, Westernstädte und vieles mehr. Im Story-Modus wird darüber hinaus eine Kampagne geboten, in der das Worms-Team diverse Aufgaben zu erfüllen hat. Leider kommt die Grafik recht grobschlächtig daher - selbst die Explosionen bestehen aus einem Haufen comic-artiger Wölkchen. Vorteil: Das Spiel läuft auch noch auf 1 Ghz-Rechnern.

Von Pimp bis Papst

Den größten Wert haben die Entwickler auf das Aussehen der Würmer gelegt: vom Pimp bis zum Papst ist jede nur erdenkliche Verkleidung vorhanden. Dutzende Brillen, Bärte, Hüte und Handschuhe harren der Verwendung. Jedes Team kann sich eine Super-Waffe zusammenbasteln, die - je nach Schwerpunktsetzung - hohen Schaden erzielt oder besonders sicher trifft. In der Kampagne verdienen die Teams mit spektakulären Aktionen Geld, das sie dann im Worms-Shop für neue Waffen und Verkleidungen ausgeben können.

Fazit: "Mayhem" erfindet "Worms" nicht neu, aber das braucht es auch gar nicht. Das Spiel macht viel Spaß - gerade weil es so einfach ist. Die Würmer sind nun mal eine unausrottbare Spezies.

Titel: Worms 4 - Mayhem
Genre: Taktisches rundenbasiertes Multiplayer-Spiel
Wertung: gut
Hersteller: Team17
Publisher: Codemasters
System: 2 Ghz, 512 MB RAM, GeForce FX 5xxx oder Radeon 9xxx

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