Zeit zum Smartphone-Abschalten : Bitte nicht stören

Warum sind die Ausschalter bei Smartphones eigentlich nicht so groß wie bei Smart-TVs? Immerhin gibt es eine App, mit der man sich Ruhepausen verschaffen kann.

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Angefasst. Apples neues iPhone 5.
Angefasst. Apples neues iPhone 5.Foto: dpa

Der größte Knopf auf den meisten TV-Fernbedienungen ist der Aus-Schalter. Dennoch bereitet diese Funktion den meisten Menschen ganz offensichtlich die größten Schwierigkeiten. Am vergangenen Dienstag haben nach Angaben der Webseite Statista die Deutschen im Durchschnitt 200 Minuten ferngesehen, nimmt man die Unter-14-Jährigen heraus, so waren es sogar 217 Minuten! Drei Stunden und 37 Minuten Fernsehen, und das an einem ganz normalen Wochentag. Kaum zu fassen, zumal in der Primetime nichts Weltbewegendes lief, einmal abgesehen von den „Vorstadtweibern“ im Ersten, dem Restaurantgründer Rach im ZDF und einer Knochenjägerin auf RTL.

Viele Menschen suchen im Urlaub nicht Erholung sondern das nächste Café mit Free-Wifi

Das technische Gerät aber, mit dem nicht nur die Deutschen noch viel größere Probleme beim Abschalten haben, ist das Smartphone. Es ist so smart, dass es viele Leute gar nicht mehr aus der Hand legen wollen. Selbst die horrendesten Roamingtarife im EU-Ausland werden in der bevorstehenden Urlaubssaison daran nichts ändern. Denn viele Urlaubsziele haben sich längst darauf eingestellt, dass die Menschen nicht in erster Linie Erholung, sondern ein Café oder Restaurant mit Free-Wifi suchen.

Kurt Sagatz, Medienredakteur Der Tagesspiegel.
Kurt Sagatz, Medienredakteur Der Tagesspiegel.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Doch zum Glück gibt es für jedes Problem die passende App. Gegen die Abschalt-Phobie soll „Offtime“ helfen. Zunächst einmal analysiert die kostenlose Android-App, mit welchen anderen Apps man sich am liebsten beschäftigt. Daraus ergibt sich dann die Liste der größten Zeitverschwender. „Offtime“ sorgt anschließend dafür, dass Apps beispielsweise aus dem Bereich Social Media zu gewissen Zeiten ohne Verbindung zum Internet bleiben. Verbringt man hingegen seine Zeit vor allem mit Telefonieren, um die Allnet-Flatrate so richtig auszuquetschen, werden einfach bestimmte Anrufe nicht mehr angezeigt. Zuvor muss man etwas Zeit investieren, um jene Anrufer zu identifizieren, für die solche Blockaden in gar keinem Fall gelten sollen. Um den Anwender nicht zu bevormunden, kann er selbst entscheiden, ob er zum Beispiel auf Twitter oder Facebook oder alles zusammen verzichten möchte.

iPhone-Nutzer müssen jedoch aufpassen. Die gleichnamige iOS-App Offtime erfüllt einen ganz anderen Zweck. Mit ihr können Facebook-Freunde Ideen für Unternehmungen abgleichen und sich ohne ständige Nachfragen verabreden. Zum Abschalten behelfen sich Fanboys und -girls aus dem Apple-Lager darum besser mit der eingebauten „Nicht stören“-Funktion. Oder man betätigt den echten Ausschalter, auch wenn dieser bei den meisten Smartphones erheblich besser versteckt ist als beim Smart-TV.

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