Zu PAPIER gebracht : Formel Eins für die Liebe

Wenn die Freunde von Freunden nicht zu Freunden werden, kann das auf Facebook eine Menge über Beziehungen aussagen. Unser Autor glaubt an solche wissenschaftlichen Erkenntnisse jedoch eher nicht.

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Foto: Photocase
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Für Menschen wie mich, die sich jenseits der 30 oder gar 40 befinden, waren Soziale Netzwerke wie Facebook lange Zeit ein rotes Tuch. Wozu da reingehen? Wem nützt es? Es soll Menschen geben, die mehr Zeit in Sozialen Netzwerken verbringen als im Sportverein, über einem guten Buch oder mit „echten“ Freunden. Zeitverschwendung. Diese Ansicht ist jetzt doch mal einer grundsätzlicher Revision zu unterziehen.

Das weite Feld der Liebe und Beziehungen zum Beispiel. Was uns zusammenhält, oder auch nicht. Manches habe ich da in den vergangenen Jahrzehnten nicht verstanden. Da kommt Facebook ins Spiel. Es ist eine profunde Vorhersage zu der Frage möglich, ob und wann Paare sich trennen. Das haben US-Forscher herausgefunden. Entscheidendes Kriterium ist – eine beiderseitige Facebook-Teilnahme. Sind die Freunde beider Partner nach einiger Zeit nicht auch miteinander befreundet, trennt sich das Paar innerhalb der nächsten 60 Tage. Für diese Erkenntnis wurden die Freundschafts-Daten von über 1,3 Millionen Facebook-Nutzern über zwei Jahre lang beobachtet und untersucht, um die passende Formel zu finden. Die Forscher untersuchten Facebook-Daten von Paaren, die ihren Beziehungsstatus und ihren Partner auf Facebook bekannt gegeben hatten, im Hinblick auf Gemeinsamkeiten in der Struktur der Freundeskreise. Sie beobachteten die Paare zwei Jahre lang, um die Veränderungen im Facebook-Freundeskreis oder Beziehungsstatus mit einzubeziehen.

Manche Pärchen sollten sich Fragen stellen. Da sieht’s finster aus. Zwischen den jeweiligen Cliquen dieser Partner existieren meist keine oder nur wenige Freundschaften. Demnach soll das Paar, bei dem die Freundeskreis-Struktur nicht zutrifft – er ist nicht mit ihren Kollegen auf Facebook befreundet, sie nicht mit seinen Studienkumpels –, sich tatsächlich besser gleich trennen. Ein Netzwerk aus gemeinsamen Freunden wachse nämlich über den Verlauf einer Beziehung. Geschehe dies nicht, scheint die Beziehung einfach nicht gut zu funktionieren.

Endlich die Beziehungs-Formel? So ein Quatsch. In einem schlauen Buch von Eva Illouz mit dem Titel „Warum Liebe weh tut“ wird aufgezeigt, wie sich in der Moderne die Kriterien für die Partnerwahl grundlegend geändert und die Möglichkeiten fast unendlich erweitert haben, fast bis zur Unmöglichkeit, warum Beziehungen immer wieder scheitern. Siehe digitale Heiratsmärkte, neue Mechanismen der Partnerwahl, der Umgang mit romantischen Vorstellungen. Nach der israelischen Soziologin ist der Liebesschmerz wesentlich von den gesellschaftlichen Bedingungen der Zeit geprägt, kein rein individuelles Problem. Schon gar nicht ein Problem von Formeln, von zwei Freundeskreisen. Da hilft keine Langzeit-Analyse von Facebook-Daten.

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